Symbolbild: Laptop in futuristischer Umgebung

Zero Copy in modernen Datenplattformen

Zero Copy erklärt: Das Prinzip, die Varianten und der Business-Mehrwert

Viele Dateninitiativen starten mit einem einfachen Ziel: „Wir wollen schneller bessere Entscheidungen treffen.“ In der Praxis endet das oft in einer hetergoenen Daten- und BI-Landschaft, mit einem Dschungel aus physischen Kopien jeglicher Art der Unternehmensdaten.

Daten werden aus Quellsystemen extrahiert, in Staging-Schichten transformiert und in mehreren Zielplattformen abgelegt – einmal für BI, einmal für Data Science, einmal für Partner oder Tochtergesellschaften. Das liefert Ergebnisse, erzeugt aber auch typische Nebenwirkungen: hohe ETL- und Speicherkosten, widersprüchliche Datenstände („Welche Tabelle ist die Wahrheit?“) und eine langsame Time-to-Value, weil jede neue Anforderung erst durch eine Pipeline muss. Häufig werden zusätzlich die Stärken mehrerer Datenplattformen und Tools kombiniert –mit dem Risiko, die Datenhaltung erneut zu dezentralisieren und dadurch Ineffizienzen zu verstärken.

Genau an dieser Stelle setzt Zero Copy an: Plattformen, die diesen Ansatz unterstützen, können so miteinander verknüpft werden, dass eine gemeinsame Datenebene entsteht – ohne Medienbrüche und ohne die Ineffizienzen, die durch dauerhafte Kopien entstehen.

Was heißt „Zero Copy“wirklich?

Zero Copy bedeutet nicht„es bewegt sich nie ein Byte“. Es bedeutet: Die führenden Daten bleiben an einem Ort (typischerweise im Cloud-Object-Storage oder in der Quellplattform) physisch gespeichert und andere Plattformen greifen per Verweis darauf zu – ohne die Daten persistent in einen eigenen Speicher zu replizieren. Ein anderes Schlagwort, die diesen Grundgedanken beschreibt, ist “Datenvirtualisierung”.

Der tatsächliche, physische Speicherort der Daten tritt in den Hintergrund und wird durch “ZeroCopy” Technologien vollständig wegabstrahiert. Das Kopieren in andere Plattformen wird überflüssig, Daten müssen nicht mehr für jedes Tool als Kopie vorgehalten werden – via Zero Copy können Anwendungen nahezu nativ auf „fremde“ Datentöpfe zugreifen, ohne dass man das in irgendeiner Form „spürt“.

Warum Entscheider sich für Zero Copy interessieren sollten

Die Vorteile sind selten„nice to have“, sondern sehr konkret:

  • Weniger Kosten für Storage und Datenpipelines: Wenn weniger Kopien entstehen, sinken Speicherverbrauch und ETL-Last.

  • Schnellere Time-to-Value: Neue Use Cases brauchen nicht erst eine neue Pipeline, sondern können aufbestehende Daten zugreifen.

  • Mehr Konsistenz („Single Source of Truth“): Weniger Schattenkopien bedeuten weniger Widersprüche.

  • Bessere Governance: Datenzugriffe lassen sich zentraler steuern, statt Berechtigungen auf zig Kopien zu verteilen.

Die wichtigsten technischen Ausprägungen von Zero Copy

In modernen Datenplattformen taucht „Zero Copy“ in verschiedenen, sehr praktischen Varianten auf:

1) Virtuelle Einbindung externer Daten (Shortcuts, External Tables)

Ein verbreitetes Muster ist die Virtualisierung per Verweis: Die Plattform legt ein Metadatenobjekt an, das auf Daten in einem anderen Speicherort zeigt. In Microsoft Fabric übernimmt das OneLake über „Shortcuts“: Diese verbinden bestehende Datenquellen, ohne die Daten zu kopieren, und reduzieren so „Edge Copies“ und Latenzen durch Staging.

Der Clou: Für Anwender wirkt es, als lägen die Daten „lokal“ – obwohl sie physisch anderswo gespeichert sind.

2) Zero-Copy-Clones für Entwicklung, Tests und „Was-wäre-wenn“

Eine andere Ausprägung ist das klonbasierte Arbeiten: Es wird eine neue Tabelle oder Umgebung erzeugt, die zunächst nur Metadaten kopiert und auf dieselben Datenfiles referenziert. In Microsoft Fabric Warehouse wird das explizit als „Zero-copy clone“ beschrieben: schnelle Klone mit minimalem Storage-Overhead, ideal für Dev/Test oder punkt-in-time Vergleiche.

3) Zero-Copy Data Sharing zwischen Plattformen

Die strategisch spannendste Ausprägung ist das plattformübergreifende Teilen von Datenprodukten: Eine Plattform stellt kuratierte Daten bereit, eine andere konsumiert sie „in place“. Genau hier kommen offene Protokolle ins Spiel – allen voran Delta Sharing.

Wo Zero Copy heute typischerweise eingesetzt wird

Unternehmensintern, zwischen Teams und Tools: BI-Teams, Data Scientists und Data Engineers nutzen unterschiedliche Engines, wollen aber nicht unterschiedliche Datensilos.

Ökosystem & Partner: Lieferanten, Händler, OEMs oder Forschungspartner sollen Daten nutzen, ohne dass man Exporte und Dateiübergaben orchestriert.

Plattformkombinationen (Best-of-Breed): Viele Unternehmen kombinieren z. B. SAP-nahe Datenprodukte mit einer Analytics-/AI-Plattform – ohne neue Datenkopien.

Mehr zum Thema"

Zero Copy & Delta Sharing - kurz erklärt im Video

Ausschnitt aus der Websession "SAP Business Data Cloud: Update & Experten-Talk" vom 25.11.2025

Zwei anschauliche Use Cases

Use Case A: AI/ML auf SAP-nahen Daten – ohne Replikations-Pipelines

Stellen Sie sich vor, ein kuratiertes Data Product wie „Sales Orders“ wird zentral bereitgestellt. Ein Data-Science-Team möchte daraus Features bauen und Modelle trainieren. Klassisch würde man die Daten erst exportieren, laden, transformieren und versionieren. Mit Zero Copy können diese Daten (je nach Plattformintegration) direkt aus der Quelle genutzt werden – der Aufwand für Datenextraktion schrumpft drastisch.

Use Case B: Dev/Test-Sandbox ohne teure Datenkopie

Ein Engineering-Team willneue Transformationslogik testen oder Datenqualitätsregeln validieren. MitZero-Copy-Clones kann es eine „Sandbox“ erzeugen, die sofort verfügbar ist,aber nicht den Storage verdoppelt. Ergebnisse können iteriert werden, ohne produktiveDaten dauerhaft zu duplizieren.

Was Zero Copy nicht automatisch löst (und was Sie planen sollten)

Zero Copy ist kein Freifahrtschein – es ist ein Architekturprinzip. Drei Punkte sind in der Praxis entscheidend:

  1. Governance & Data Contracts: Wenn Daten als Produkte geteilt werden, brauchen Sie klare Regeln zu Schema-Änderungen, SLAs, Verantwortlichkeiten und Deprecation.

  2. Security by Design: Identity-Föderation, fein granulare Berechtigungen (Row/Column) und Netzwerk-Controls sollten von Beginn an mitgedacht werden.

  3. Kosten & Performance: „In place“ kann Egress-Kosten oder Latenzen verschieben. Partitionierung, Caching und ein realistisches Kostenmodell gehören dazu.

Wie geht’s weiter?

Wenn Sie Zero Copy als Prinzip verinnerlicht haben, stellt sich die nächste Frage: Wie setzt man plattformübergreifendes Zero-Copy-Sharing sauber, sicher und standardisiert um?

Genau hier ist Delta Sharing eine zentrale Option – als offenes Protokoll, das den technischen Overhead der Plattform-zu-Plattform-Kommunikation abstrahiert.

Lesen Sie dazu gerne auch meinen Artikel: „Delta Sharing: Das offene Protokoll, mit dem Zero Copy wirklich skalierbar wird.

 

Quellen