Piller-Mitarbeiter mit Schutzhelm und Hammer vor Turbine in Werkshalle

Unter Hochdruck: In nur 6 Monaten ins SAP Cloud ERP

Maschinenbauer Piller meistert den SAP Cloud ERP Rollout im Turbotempo – und legt damit die Basis für die Ablösung der zentralen On-Premise-Lösung. 

Als Hersteller von industriellen Verdichtern kann Piller mit Druck sehr gut umgehen. So ist es dem Maschinenbauer gelungen, in Indien und den USA die SAP-Public-Cloud-ERP-Lösung schneller und deutlich günstiger als vorgesehen einzuführen. Der Clou: Die Erfahrungen, die die Tochtergesellschaften mit der Public Cloud machen, werden später dem Hauptsitz im niedersächsischen Moringen sowie weiteren Standorten zugutekommen. Hier setzt das Unternehmen momentan noch die SAP-On-Premise-Lösung ein. 

Hintergrund

PILLER Blowers & Compressors GmbH – energieeffiziente Lösungen für die Prozessindustrie

Piller entwickelt, konstruiert und fertigt Verdichter für die Prozessindustrie. Die Maschinen sorgen dafür, dass Gase oder Dämpfe weniger Platz benötigen, da ihr Volumen verringert wird. Zugleich entsteht ein höherer Druck, was den Transport der Stoffe über Pipelines ermöglicht sowie Prozessdampf oder Druckluft erzeugt. Zudem steigern Verdichter die Effizienz von Anlagen. Mit weltweit mehr als 500 Mitarbeitenden an 10 Standorten auf 4 Kontinenten trägt das Familienunternehmen zu effizienten und emissionsarmen Abläufen in Wirtschaftszweigen wie der Lebensmittelindustrie, der Zellstoff- und Papierproduktion, der chemischen und der pharmazeutischen Industrie bei.  

Als Piller im Jahr 2017 in der Zentrale SAP S/4HANA einführte, wurde die Cloudversion gerade auf den Markt gebracht. Keinen Gedanken verschwendete CIO Thomas Henzler damals darauf. Schließlich war die Company voll und ganz damit beschäftigt, die komplexen Prozesse in eine integrierte Software zu überführen. Einige erfolgreiche Jahre später sieht die Sache jedoch anders aus.


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Reif für den Standard? 

Da traf es sich, dass die betriebswirtschaftliche Software in der US-amerikanischen Niederlassung abgelöst werden sollte. Auch ein neuer Vertriebsstandort in Indien benötigte eine ERP-Lösung. In Fit-to-Standard-Workshops wollte Piller herausfinden, ob die Zeit für die Public Cloud gekommen war. Der langjährige Projektpartner All for One bietet dieses kompakte Format an, um Unternehmen die Entscheidung für die individuell passende Cloudstrategie zu erleichtern. Es beinhaltete folgende Schritte: 

  • Die Unternehmensführung verschaffte sich ein Bild der Best-Practice-Prozesse von der SAP Public Cloud.  
  • Gemeinsam mit den Beratern glich sie diese mit den Abläufen in den Niederlassungen ab: Wo wäre man wirklich gezwungen, vom Standard abzuweichen?
  • Anforderungen und etwaige Anpassungen wurden im Application Lifecycle Management Tool SAP Cloud ALM detailliert dokumentiert.

Thomas Henzler: „In den Fit-to-Standard-Workshops mit der All for One haben wir viele gute Einblicke gewonnen. So konnten wir später die Implementierung viel selbstständiger vornehmen.“ 

Global lokal: SAP Public Cloud strategisch einsetzen 

Eine Exportquote von 87 Prozent belegt, dass die Prozessindustrie weltweit die Entwicklungs- und Technikkompetenz von Piller schätzt. Controller Alexander Trautermann: „Unsere Stärken liegen in der großen Effizienz und in der Qualität unserer Maschinen.“ Die SAP-Public-Cloud-Implementierungen passen zur globalen Strategie des Unternehmens, lokale Märkte mit nachhaltigen Lösungen zu bedienen. „Wir wollen in der Region für die Region fertigen“, so Thomas Henzler. „Wir sehen immer mehr Protektionismus auf der Welt, komplexe Steuersysteme.“ In einzelnen, auf die jeweiligen Bedingungen zugeschnittenen Cloudlösungen lassen sich diese gut abbilden. 

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Sehen Sie im Video, wie Piller den SAP Cloud ERP Rollout in den USA und Indien schnell, unkompliziert und sogar 30 % unter Budget gemeistert hat.

All for One Group

Pilotprojekt: Reif fürs Template 

SAP Cloud Public soll den Niederlassungen Spielraum bieten, um flexibel in ihren Regionen zu handeln, ohne die Gruppen-Governance außer Acht zu lassen. Der Standort in den USA eignete sich gut für einen Proof of Concept, da die Kolleginnen und Kollegen dort nicht nur Kompressoren vertreiben und warten, sondern auch eine eigene Montage betreiben. Auch Indien, wo ein komplett neues Werk entstand, bot sich für den Two-Tier-Ansatz an. Thomas Henzler und sein Team konnten zeigen, dass die Lösung, so der CIO, „nicht nur im Vertrieb oder Tagesgeschäft etwas taugt". 

Erklärung

Stufenweise in die Cloud: Der Two-Tier-Ansatz

Viele Unternehmen scheuen die Migration ihres ERPs in die Public Cloud. Neben generellen Bedenken, sich von der eigenen, für sie maßgeschneiderten On-Premise-Lösung zu verabschieden, treibt sie die Sorge um, von schlanken, standardisierten Prozessen eingeschränkt zu werden.  

In solchen Fällen bietet sich das zweistufige ERP-Modell, auch Two-Tier-Ansatz genannt, an, das einen schrittweisen und kontrollierten Wechsel in die Cloud ermöglicht. Während die Zentrale zunächst mit dem bewährten ERP weiterarbeitet, führen einzelne Standorte die Cloudlösung ein. Auf diese Weise können Unternehmen bestimmte Funktionen oder Geschäftsbereiche schrittweise migrieren, Erfahrungen sammeln und zugleich die Prozesseffizienz sowie ihre Geschäftsergebnisse verbessern. Erst wenn die Organisation ausreichend vertraut mit der Lösung ist, zieht die Zentrale nach.

Ein wesentlicher Vorteil dieses Ansatzes sind die von SAP bereitgestellten Standard-Schnittstellen zwischen S/4HANA On Premise und S/4HANA Public Cloud. Sie schaffen einen effizienten Datenaustausch und ermöglichen End-to-End-Prozesse über beide Systeme hinweg, häufig auf Basis vorkonfigurierter Integrationsszenarien oder Webservices. Dadurch profitieren Unternehmen von einer einheitlichen Datenbasis und Prozesslandschaft, behalten die zentrale Steuerung und Flexibilität, können Integrationsprojekte schneller umsetzen und die IT-Komplexität erheblich reduzieren.

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Im Dialog mit den Fachbereichen: IT setzt Standards

Für das Projektteam war es nicht einfach, SAP Cloud Public einerseits im Budget- und Zeitrahmen einzuführen, andererseits aber die Standardisierung der Prozesse in der gesamten Gruppe voranzutreiben. „Über Jahre eingeschliffene Abläufe mussten an den Standard angepasst werden“, sagt Thomas Henzler. „Einzig unser starkes Prozesswissen in der IT bewahrte uns davor, in Diskussionen unterzugehen.“ Verständlicherweise schrien die Fachbereiche nicht „hurra“, als sie sich von den auf sie zugeschnittenen, bewährten Lösungen trennen sollten. Doch in diesem Fall musste das Team um Thomas Henzler beharrlich bleiben, damit Piller den Nutzen der SAP Public Cloud voll ausschöpfen konnte.   

Die etwas andere Bilanz: 30 Prozent unter Budget

Die kritischen Stimmen sind längst verstummt und der Erfolg gibt dem Team Recht: Innerhalb von nur sechs Monaten konnte das Projekt mit herausragenden Ergebnissen abgeschlossen werden. Piller blieb 30 Prozent unter dem für externe Beratungen veranschlagten Budget. Komplett remote schuf die IT ein Template, das mittlerweile noch an weiteren Standorten implementiert wurde. Einzig das Thema Integration bereitete dem Team zwischenzeitlich Kopfzerbrechen. Da alle – inklusive der All for One Berater – an einem Strang zogen, blieb es dennoch bis auf den Tag genau beim vorgezogenen GoLive.

Echtes Teamwork mit Tradition

Entscheidende Impulse für den Integrationsplan kamen von der All for One. Sie hat seit der erfolgreichen S/4HANA-On-Premise-Implementierung in der Zentrale zahlreiche Projekte bei Piller begleitet. Da nun die On-Premise-Welt und die Public Cloud zusammengebracht werden sollten, überzeugte sich der CIO vorher, dass der Service Provider auch in der „neuen“ SAP-Welt sattelfest ist. Im Projekt zeigte sich, dass die Beraterinnen und Berater nicht nur beide Logiken verstehen, sondern auch dazu in der Lage sind, die Systeme technologisch miteinander zu verbinden. 

IT-Background und fachliche Kompetenz

Alexander Trautermann weist auf einen weiteren Aspekt hin: „Die All for One Berater bringen nicht nur IT-Kompetenz mit, sondern auch die fachliche Kompetenz aus dem Business heraus. Es sind gestandene Controller, gestandene Buchhalter mit IT-Background.“ Für ihn geht es eindeutig in die richtige Richtung: „Unsere Kollegen buchen ein und wir sehen sofort die Auswirkungen. Seit der Einführung von S/4HANA in der Public Cloud sind unsere Daten überall verfügbar – in der Produktion, im Auto oder unterwegs.“  

SAP Public Cloud: Kann mehr, kostet weniger 

Dass sie im Cloud-Piloten diverse Hürden gemeinsam überwunden haben, macht die Projektbeteiligten auf Piller-Seite stark. Bei den anstehenden Implementierungen wissen sie, was sie zu tun haben. Sie wissen auch, dass ihr Unternehmen in der Cloud besser aufgehoben ist. Schon durch die Einführung von SAP Public Cloud an einzelnen Standorten konnte Piller Durchlaufzeiten verkürzen.

Auch in der Moringer Zentrale denkt man nun darüber nach, auf die zukunftssichere Lösung zu migrieren. Alexander Trautermann kann die Finanzen der gesamten Gruppe heute komfortabler überblicken. Auch die Vertriebssteuerung profitiert von standardisierten Prozessen. Sowohl aus Prozess- als auch aus wirtschaftlicher Sicht erarbeitet sich Piller mit dem Projekt eine komfortable Ausgangsposition: Indem die IT-ler die hochgradig standardisierte Public-Cloud-ERP-Lösung ausrollten, realisierten sie nicht nur Wettbewerbsvorteile und erhöhten die Effizienz. Sie senkten auch noch die Kosten des ERP-Betriebs drastisch. 

Aus der Praxis

SAP Public Cloud sicher implementieren – fünf Tipps aus der Praxis 

    1. Standbein und Spielbein: Für Piller hat sich der Two-Tier-Ansatz bewährt: Starten Sie in einer Niederlassung mit SAP Public Cloud. Im Rahmen der Implementierung werden Sie bereits einige Daten und Prozesse auch in der Zentrale konsolidieren. Wenn Sie sicher sind, mit dem Cloud-Standard gut zurechtzukommen, können Sie weitere ERP-Systeme inklusive der Zentrale migrieren. 
    2. Sie profitieren nur von der Lösung, wenn Sie wirklich im Standard bleiben. Führen Sie die vorkonfigurierten Best Practices ein und nutzen Sie wie Piller ausgewählte Module der SAP Business Suite, um weitere Prozesse abzubilden. 
    3. Unterschätzen Sie das Thema Integration nicht. Entwickeln Sie im Rahmen des Projektplans eine detaillierte Integrationsstrategie und behalten Sie diese im Auge. 
    4. Achten Sie bei der Wahl des Implementierungspartners darauf, dass er neben der SAP Public Cloud auch die SAP-On-Premise-Welt sehr gut kennt. Tiefes Business-Know-how wie etwa in Buchhaltung und Controlling ist ein Muss. 
    5. Nutzen Sie ein Application Lifecycle Management wie SAP Cloud ALM, um Ihre Projekte zu verwalten, Abweichungen zu dokumentieren und den Fortschritt zu überwachen. So wissen Sie stets, wo Sie stehen und wovon Sie reden. 

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Quellen