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SAP S/4HANA-Umstellung: Millionenprojekt ohne Mehrwert?

Die S/4HANA-Transformation stellt für SAP-Kunden einen unausweichlichen Schritt dar. Der finanzielle Aufwand der Maßnahme ist enorm, der Nutzen hingegen oft überschaubar. Macht der Umstieg auf die neue ERP-Generation dann überhaupt Sinn?
Ja – wenn Unternehmen spätestens nach dem Go-live gezielt damit beginnen, den tatsächlichen Mehrwert ihres neuen Systems zu heben.
Dieser Artikel zeigt, warum der S/4HANA-Produktivstart nicht das Ende, sondern erst der Anfang ist. Er liefert zudem konkrete Tipps, wie Verantwortliche ihre S/4HANA-Instanz wirtschaftlich sinnvoll weiterentwickeln.

Die Einführung von SAP S/4HANA ist für viele Unternehmen eine der größten technischen Transformationsinitiativen in diesem Jahrzehnt. Es werden Millionen in Migrationsprojekte investiert, doch nach dem Go-live entsteht kaum ein Mehrwert. Das bestätigt auch eine KPMG-Umfrage aus dem Jahr 2023, deren Ergebnisse aufhorchen lassen: 58 Prozent der Unternehmen gaben an, bislang keinen klaren Nutzen aus der S/4HANA-Umstellung gezogen zu haben.

Woran liegt das? Und welche Hebel müssen in Bewegung gesetzt werden, um das durchaus vorhandene Potenzial der neuen ERP-Generation zu erschließen, sodass sich die Investition lohnt? Fakt ist: Einfach live zu gehen und den bisherigen Stand abzubilden, reicht dafür nicht aus.

Die Problematik: neues System, alte Prozesse

Dass sich allein durch die technische Conversion des vorhandenen SAP-Systems eine spürbare positive Veränderung in der Organisation einstellt, ist eine falsche Hoffnung. Zwar wird die IT-Landschaft durch den Schritt modernisiert und die Grundlage für künftige Innovationen gelegt, doch die Arbeitsweise der Fachbereiche bleibt oft dieselbe wie zuvor.

Der Grund liegt darin, dass bestehende ECC-Strukturen in zahlreichen Projekten nahezu unverändert übernommen werden. Das reduziert zwar die Komplexität des Projekts und beschleunigt die S/4HANA-Umstellung, doch das Innovationspotenzial bleibt ungenutzt. „Das machen wir später“, ist häufig zu hören, wenn es um die Nutzung neuer S/4HANA-Funktionalitäten oder Prozessoptimierungen geht.

Im Ergebnis arbeiten die Anwender nach dem Go-live weiterhin mit vertrauten, aber nicht mit State-of-the-Art-Abläufen. Aus Sicht der Fachbereiche ergeben sich also kaum spürbare Verbesserungen im Alltag. Statt Begeisterung über moderne Oberflächen, intelligente Funktionen, Arbeitserleichterung und Informationstransparenz macht sich Ernüchterung breit.

Investition und wahrgenommener Mehrwert stehen somit oft nicht im Einklang. Während die Unternehmensführung hohe Summen für die Umstellung freigegeben hat, bleibt bei den Anwendern das Gefühl, dass sich im Grunde nichts verändert hat. Genau an diesem Punkt setzt der Gedanke der nachgelagerten Optimierung an.

 

Warum der Go-live erst der Anfang ist

Ein neues ERP-System entfaltet seine Wirkung nicht automatisch. Der Go-live markiert lediglich den Startpunkt einer Reise, auf der Unternehmen lernen, mit den erweiterten Möglichkeiten von S/4HANA umzugehen. Der wahre Wert entsteht durch die gezielte Nutzung der innovativen Features, die die neue Software bereithält. Einige Beispiele sind Embedded Analytics, Fiori-Apps, Situation Handling, Enterprise Search, mobiler Zugriff mit Smartphones und Tablets sowie Machine-Learning-Features.

Ohne ein strukturiertes Vorgehen bleiben viele dieser Möglichkeiten ungenutzt. Unternehmen riskieren, das neue System wie ein „modernes ECC“ zu behandeln, statt es als intelligente Lösung für die Optimierung ihrer Geschäftsprozesse einzusetzen. Der Unterschied zeigt sich unter anderem in der Art und Weise, wie Daten genutzt werden: Werden sie lediglich erfasst, oder dienen sie aktiv der Steuerung, Vorhersage und Optimierung?

Der Schritt von der technischen Basis zur echten Wertschöpfung erfordert klare Verantwortlichkeiten, ein gemeinsames Zielbild und die enge Zusammenarbeit von IT und Fachbereichen. Nur wenn beide Seiten zusammenwirken, entsteht ein nachhaltiger Effekt.

SAP S/4HANA Value Raising Projects: So heben Unternehmen den Mehrwert ihrer S/4HANA-Investition

Um eine S/4HANA-Migration schlank zu halten und innerhalb eines überschaubaren Zeitraums abzuwickeln, ist es durchaus sinnvoll, zunächst den bisherigen Stand aus dem Vorgängersystem zu übernehmen. Ist dieser Schritt abgeschlossen, sollten sich Unternehmen mit der Frage befassen, wie sich die Potenziale der neuen Software voll ausschöpfen lassen.

Hier setzt das Konzept „S/4HANA Value Raising Projects“ an. Es handelt sich dabei um einen strukturierten Ansatz, der sich konsequent mit der optimierten Nutzung von S/4HANA befasst und dabei immer den Business Mehrwert fokussiert.

Der Ansatz basiert auf vier Grundprinzipien:

  1. Prozessorientierung statt Technikfokus: Technologien wie Fiori-Apps oder Analytics sind Werkzeuge. Entscheidend ist, wie sie Prozesse verbessern und Entscheidungswege verkürzen.
  2. Mehrwertorientierung: Eine andere Arbeitsweise oder Funktion führt nicht zwingend dazu, dass Mehrwert im Unternehmen gestiftet werden. Deshalb werden alle Lösungsansätze konsequent nach den Werttreibern untersucht und bewertet.  
  3. Einbindung der Fachbereiche: Anwender werden nicht nur geschult, sondern aktiv in Workshops einbezogen. Sie identifizieren Schwachstellen und entwickeln IT-Lösungen mit.
  4. Flexibilität im Vorgehen: Ob punktuell in einem Fachbereich oder umfassend über mehrere Module hinweg – das Projekt lässt sich individuell anpassen.

Typische Elemente eines Value Raising Projects sind:

  • initiale Analyse des Systems und seiner Nutzung.
  • Kickstart-Workshops mit Fachbereichen zur Identifikation von Optimierungspotenzialen.
  • Entwicklung und Bewertung konkreter Lösungskonzepte für Prozesse und Module.
  • begleitende Schulungen, die sicherstellen, dass Nutzer die neuen Funktionen anwenden können.

Im Ergebnis entsteht ein priorisiertes Maßnahmenpaket, das Schritt für Schritt umgesetzt werden kann – agil oder im klassischen Projektmodus.


 

Aus der Praxis

SAP S/4HANA optimal einsetzen: Das sind die Top 5 Vorteile

1. Bessere Entscheidungsfähigkeit durch Echtzeit-Daten

Mit Embedded Analytics können Fachbereiche direkt im ERP-System auf relevante KPIs zugreifen. Statt Business Warehouse und umständlicher Excel-Reports stehen Live-Dashboards bereit, die einen aktuellen Überblick über Prozesse, Ergebnisse und Kennzahlen geben. Bereiche wie Controlling, Einkauf oder Vertrieb können dadurch schneller reagieren und faktenbasiert entscheiden.

2. Höhere Transparenz und Proaktivität

Das Situation Handling von S/4HANA informiert Anwender automatisch über kritische Abweichungen, etwa bei Lieferverzögerungen oder genehmigungspflichtigen Belegen. Probleme werden nicht mehr zufällig und verspätet entdeckt, sondern aktiv gemeldet. Unternehmen gewinnen dadurch Zeit und Handlungsspielraum.

3. Mobile Nutzung

S/4HANA-Apps lassen sich nicht nur am Desktop-PC, sondern auch mobil mit Smartphones oder Tablets nutzen. Dadurch sind beispielsweise Außendienstmitarbeiter in der Lage, ortsunabhängig auf wichtige Daten zuzugreifen und Vorgänge direkt im System zu erfassen.

4. Steigerung der Nutzerakzeptanz

Fachbereiche erleben die Vorteile von S/4HANA unmittelbar, wenn sie in die Gestaltung eingebunden werden. Anstatt Prozesse „aufgezwungen“ zu bekommen, gestalten sie diese aktiv mit. Das führt zu höherer Motivation und einer besseren Nutzung der Systeme.

5. Zukunftssichere, standardnahe Prozesse

Viele individuelle Eigenentwicklungen aus ECC-Zeiten lassen sich durch S/4HANA-Standardfunktionen ersetzen. Das reduziert den Wartungsaufwand, vereinfacht Updates und stellt sicher, dass Unternehmen langfristig von neuen Releases profitieren.

Mit Value Raising Projects können diese Mehrwerte schrittweise gehoben werden. Denn die Einzelprojekte lassen sich in Wellen planen, Fachbereich für Fachbereich. So können Unternehmen je nach Ressourcenlage und Prioritäten vorgehen, ohne dass eine Überforderung stattfindet.

Ein Blick in die Praxis: Echtzeit-Dashboards statt Excel-Tabellen

„Viele unserer Kunden nutzen auch nach der S/4HANA-Umstellung weiterhin BW-Berichte und selbst konstruierte Excel-Reports, um Fragestellungen im Controlling zu beantworten“, weiß Hermann Kremer, Senior Consultant bei All for One. Das sei nicht nur aufwendig, sondern auch anderweitig problematisch: „Die Zahlen sind zum Zeitpunkt der Analyse bereits veraltet, und Abweichungen müssen mühsam identifiziert werden“, so Kremer weiter.

Nach einem S/4HANA Value Raising Project eröffnen sich laut dem Experten dann völlig neue Möglichkeiten: Dashboards liefern Echtzeit-Daten, Analysen können direkt im System durchgeführt werden. Statt Tage oder Wochen mit Datensammlung zu verbringen, können Controller Szenarien ad hoc durchspielen, belastbare Forecasts erstellen und sofort Empfehlungen für die Geschäftsleitung ableiten.

Positive Effekte lassen sich auch im Vertriebsprozess beobachten. Sales-Teams kommen hier beispielsweise in den Genuss systemübergreifender Workflows zur Geschäftspartneranlage inklusive Duplikatscheck. Das erhöht die Qualität der Stammdaten. „Außerdem können wir im Rahmen der Value Raising Projects flexible Workflows beispielsweise für die Bearbeitung von Kundenaufträgen, Gutschriftsanforderungen und Verkaufskontrakten realisieren“, so Kremer. Auch eine Automatisierung der Auftragsbearbeitung durch Situation Handling sei möglich.

Vorgehensmodell: von der Analyse zur Umsetzung

Ein Value Raising Project folgt einem klar strukturierten Vorgehen. Am Anfang steht ein Systemcheck, der klärt, welche S/4HANA-Funktionen technisch aktiviert, aber bislang ungenutzt sind. Anschließend werden in Workshops die Anforderungen der Fachbereiche aufgenommen. Auf dieser Basis entsteht ein Backlog mit priorisierten und mit klaren Mehrwerten versehene Optimierungsthemen.

In der Umsetzungsphase werden diese Themen schrittweise realisiert. Ob agile Sprints oder klassische Projektphasen – das Vorgehen richtet sich nach den Präferenzen des Unternehmens. Begleitende Schulungen stellen sicher, dass Mitarbeiter die neuen Funktionen nicht nur kennen, sondern auch aktiv einsetzen.

Das Ergebnis ist ein lebendiges System, das kontinuierlich an den tatsächlichen Bedarf angepasst wird und echten Mehrwert generiert..

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Warum jetzt der richtige Zeitpunkt ist

Viele Unternehmen haben die technische Umstellung auf S/4HANA abgeschlossen. Für sie ist jetzt der richtige Moment, den nächsten Schritt zu gehen. Denn mit jedem Monat, in dem Potenziale ungenutzt bleiben, wächst der Abstand zwischen Investition und Nutzen.

Hinzu kommt: Märkte verändern sich schnell, Geschäftsmodelle stehen unter Druck. Wer S/4HANA lediglich als Pflichtprojekt betrachtet, verspielt die Chance, Prozesse flexibler, datengetriebener und resilienter zu gestalten. Wer hingegen die Gunst der Stunde nutzt, kann sich jetzt Schritt für Schritt zukunftsfähig aufstellen.

Fazit: Go-Live als Startschuss: Spätestens jetzt sollte die Wertschöpfung einsetzen

Die technische Umstellung von SAP ECC auf SAP S/4HANA schafft die Grundlage für moderne Geschäftsprozesse, Datenintelligenz und Nutzerfreundlichkeit. Doch den eigentlichen Mehrwert müssen Unternehmen erst aktiv heben. Wer nach dem Go-live innehält, läuft Gefahr, viel investiert und wenig gewonnen zu haben.

Value Raising Projects eröffnen einen klaren Weg, die vorhandenen Potenziale systematisch zu erschließen. Der Ansatz verbindet technologische Möglichkeiten mit prozessorientierter Optimierung, bindet Fachbereiche aktiv ein und sorgt dafür, dass S/4HANA zum intelligenten Optimierungs- und Steuerungssystem für das gesamte Unternehmen wird. Die All for One Group begleitet Unternehmen dabei mit einer bewährten Methodik. 

Lassen Sie uns gemeinsam herausfinden, wo in Ihrem S/4HANA-System noch Potenziale schlummern. In einem unverbindlichen Gespräch oder einem Discovery-Workshop analysieren wir gemeinsam die nächsten Schritte – und machen Ihre Investition zu einem echten Erfolgsprojekt.

Quellen