20.01.2020 – Lesezeit: 4 Minuten

Marketing, Vertrieb und Service / Technologie

So gelingt die Migration von Legacy-Anwendungen in die Cloud

Legacy- oder Altsysteme wie Mainframes bereiten CIOs immer wieder Kopfzerbrechen. Die Modernisierung mit Überführung der Anwendungen und Daten in die Cloud scheint die Lösung zu sein, ist aber auch mit einigen Herausforderungen verbunden. Welche Vorgehensweisen Sie unbedingt auf dem Schirm haben sollten, erfahren Sie in unserem Ratgeber.

Im Zuge der Digitalisierung sind viele Unternehmen bemüht, ihre Anwendungen und Daten in die Cloud zu überführen. Der Vorteil der Cloud-Migration, die im großen Stil erst vor wenigen Jahren eingesetzt hat, ist nicht nur die Modernisierung der Anwendungslandschaft, sondern auch, dass Organisationen sich damit vom teuren Erhalt eigener Rechenzentren befreien können.

Die größte Schwierigkeit ist dabei oft die Migration von Daten und Anwendungen auf teils uralten Mainframe-Boliden und anderen Legacy-Systemen. „Die Zukunft von Legacy-Anwendungen liegt in der Cloud. Das Thema ist aber nicht ganz so trivial und erfordert einen kompetenten Partner wie uns“, so die Experten der All for One Group, der führenden IT- und Consulting-Gruppe aus der DACH-Region.

Der schnelle Weg ist nicht beste Option

Wie der Analyst Bill Martorelli weiß, ist es nicht immer beste Option, sich zu schnell von den eigenen Rechenzentrum zu trennen. Zuvor sollten Potenziale und Risiken abgewogen werden. Abgesehen davon gibt es auch nicht nur einen Königsweg beim Umgang mit den Legacy-Systemen und der Überführung der Anwendungen und Daten in die Cloud.

Dabei müssten auch die eigenen Anforderungen berücksichtigt werden. Denn manchen Unternehmen oder Abteilungen mag es in erster Linie darauf ankommen, ihre Kosten zu senken. Andere denken vielleicht schon weiter und wollen im Zuge der digitalen Transformation auf Basis der Modernisierung ihrer Altdaten neue Produkte und Services oder Geschäftsmodelle entwickeln. Während die großen Cloud Provider eine möglichst schnelle Migration vorantreiben, kann das auch mit hohen Kosten und Latenz-Problemen einhergehen. Wie gesagt, einen Königsweg für die Cloud-Migration gibt es daher nicht. Forrester spricht von vier Vorgehensmodellen.

Vier Vorgehensmodelle für die Cloud-Migration

  1. Lift-and-shift bezeichnet die direkte Migration, bei der die Infrastruktur und Anwendungen automatisiert von einem lokalen Hypervisor weitgehend unverändert in die Public Cloud überführt werden. Die Befürworter dieses Ansatzes sehen in der Public Cloud den idealen Ort, um anschließend Optimierungen anzugehen.
  2. Lift-and-extend ist ein etwas anderer Ansatz, bei dem die Anwendungen für den Platform-as-a-Service- oder PaaS-Level des Cloud-Providers angepasst werden. Unternehmen könnten auf dieser Plattform ihre Anwendungen kontinuierlich erweitern und bei Bedarf grundlegend verändern. Große Systemintegratoren und einige Cloud-Spezialisten sind laut Forrester schon gut auf solche Projekte vorbereitet. Neben PaaS-Funktionalitäten gehe es dabei oft darum, Applikationen auf eine Microservice-Architektur umzustellen und die Interoperabilität zwischen verschiedenen Anbieter-Clouds herzustellen, wobei Container-Techniken immer wichtiger werden.
  3. Hybrid Extension transferiert die Anwendungen nicht physisch, sondern „verlängert“ sie in die Cloud. Dabei werden neue Funktionen in der Public Cloud aufgebaut, die meisten der bestehenden Funktionen verbleiben aber an einem Ort, entweder on-premises, in einer Hosted Private Cloud oder bei einem Colocation-Anbieter. Als nachteilig könnten sich dabei höhere Latenzzeiten zwischen den verschiedenen Standorten erweisen. Forrester sieht die großen Systemintegratoren und Consultant-Unternehmen dies bezüglich aber gut aufgestellt.
  4. Full Rebuild nach dem Motto „alles auf neu“ mit der Neuentwicklung von Applikationen kann sich mit entsprechenden hohen Investitionen in bestimmten Fällen auszahlen, sollte aber laut Forrester auf eine kleinere Zahl ausgewählter Systeme beschränkt bleiben. Selbst entwickelte Anwendungen mit hohem Wert für das Unternehmen könnten so „cloud-ready“, skalierbar und in ihre einzelnen Komponenten zerlegbar gemacht werden. Damit geht auch ein Performance-Gewinn einher und ist es möglich, die Anwendungen in moderne Programmiersprache zu überführen.

Schlüssel zum Erfolg

In vielen Fällen kann es sich aber auch lohnen, bei der Cloud-Migration Managed Services wie denen der All for One Group zu vertrauen. Weiterhin heißt es, der Schlüssel zum Erfolg bestehe darin, sinnvolle Anwendungs-Cluster zu definieren, um effizient zu bleiben und keine Chance auf Skaleneffekte einzubüßen. Mit Blick auf das Applikationsportfolio habe sich dabei die Sortierung in folgende vier Cluster oder Gruppierungen bewährt.

  • Retire (in Rente schicken oder gehen) bedeutet, dass obsolete Anwendungen, die nicht weiter betrieben oder bedeutungslos werden, in den Ruhestand geschickt werden.
  • Retain (belassen) betrifft Anwendungen, die in ihrer derzeitigen Form sinnvoll weiter betrieben werden.
  • Replace ersetzt Anwendungen, die in ihrer Funktionalität weiter sinnvoll sind, durch vorhandene andere oder neue Anwendungen, wobei vorzugsweise Standardlösungen eingesetzt werden.
  • Rework (umbauen) überführt Anwendungen mit sinnvoller Funktionalität auf eine neue Plattform, um sie dann tiefgreifend modernisieren zu können.

Als Replace- und Rework-Strategien kommen Ballüder zufolge drei verschiedene Lösungsansätze in Frage.

  1. Standardsoftware sei vor allem vielversprechend, wenn sich die Geschäftsprozesse einfach auf die Anwendungen übertragen lassen.
  2. Neuentwicklung eigene sich besonders bei Anwendungen, die nicht frei am Markt verfügbar ist oder mit hochspezialisierter Funktionalität. Der Ansatz sei aber kosten- und zeitintensiv und berge da größte Risiko. Außerdem bringe er in Bezug auf die Definition der Anforderungen auch hohe Belastungen für Fachabteilungen mit sich. Sinnvoll sei die Neuentwicklung, wenn sich Geschäftsmodelle grundlegend ändern sollen, etwa bei der Umwandlung von klassischen Versicherungspolicen in ein Insurance-on-Demand-Modell.
  3. Code-Transformation basiert auf einer Tool-gestützten Transformation der Anwendungen auf eine moderne Plattform wie Java oder .Net. Die Logik und Funktionalität der Anwendung werden dabei weitgehend bewahrt. Außerdem ermöglicht die Code-Umwandlung auch ein Re-hosting auf eine günstigere Plattform und verhindert sie ungewünschte Abschreibungen im Fall der Ablösung der Altanwendungen.

Wie es bei weiter heißt, wurde bisher vor allem da gehandelt, wo Legacy-Anwendungen durch Standardsoftware ersetzt werden können. Doch was auf Mainframe-Umgebungen läuft, lasse sich in der Regel nur über Neuentwicklungen oder Transformation der Anwendungen modernisieren. Die Transformation liefere dabei meist den besseren Business Case und ermögliche auch zu einer schnelleren Modernisierung hin zu einer Cloud-nativen Architektur.

„Viele Legacy-Systeme sind so alt, dass sich die darauf befindlichen Daten kaum noch auslesen lassen. Dabei können sie von unermesslichem Wert sein für die Unternehmen. Mit der kurz DSGVO genannten EU-Datenschutzgrundverordnung und den damit einhergehenden strengeren Richtlinien für die Datenvorhaltung ist das Bewusstsein gewachsen, diesen Datenschatz auszuheben und auf eine moderne Plattform in der Cloud zu überführen. Das macht sich auch in den verstärkten Kundenanfragen bezüglich unserer Beratungsleistungen und viel gelobten Managed Cloud Services sowie als Partner von führenden Cloud-Anbietern wie Microsoft Azure und AWS bemerkbar“, so die All-for-One-Experten.

Wie Sie unter anderem Ihre Altdaten in der Cloud sicher verwahren, erfahren Sie in diesem Artikel.

Quelle: Titelbild pixabay, geralt