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12.08.2019 – Lesezeit: 4 Minuten

Geschäftsbereiche / Geschäftsführung

New Work: Wie Architektur die Arbeitswelt beeinflusst

In einer angenehmen Büroatmosphäre arbeitet es sich besser. Dazu gehören nicht nur die Architektur und die Einrichtung, sondern auch Pflanzen. Beispiele dafür sind das urbane „The Plant“-Konzept, der „Think Campus“ von SAP in Potsdam und „Edge Olympic“ in Amsterdam.

Kaufhäuser sind vielleicht nicht zuletzt deswegen auf dem absteigenden Ast, weil sie oft etwas Bedrückendes haben. Abgesehen von der Kannibalisierung durch den Onlinehandel geht der Trend eher zu Shopping Malls mit lichtdurchfluteten Innenhöfen.

Ähnliche Konzepte finden sich im Zuge von New Work und der damit einhergehenden Frage nach Selbstbestimmung, Nachhaltigkeit, Klimawandel und digitaler Transformation auch immer mehr in der Arbeitswelt wieder. In Zeiten des anhaltenden Fachkräftemangels wird das immer wichtiger, ganz nach dem Motto „Top-Mitarbeiter erwarten Top-Büros“. Dabei wird unter anderem das Amsterdamer „Edge Olympic“ als Workhub mit seinem lichtdurchfluteten Atrium besonders hervorgehoben.

Das Edge Olympic in Amsterdam bietet ein ganz neues Arbeitsweltkonzept

Auch Mittelständler springen auf den Zug

Den Anfang vieler Trends machen vielfach Start-ups und Freelancer-Kollektive. Inzwischen erreicht die neue Designsprache der flexiblen, offenen Büros auch Großunternehmen und Mittelständler bei der Suche nach ansprechenden neuen Arbeitsumgebungen. Dass der gelegentliche Blick auf Pflanzen draußen oder drinnen die Augen und die Seele entspannt, ist hinlänglich bekannt. Das gilt auch bei der Konzeption neuer Büroflächen.

Damit solche „zukunftsweisenden Arbeitswelten mit Atmosphäre“ nicht nur in Silicon Valley oder Metropolen wie Berlin oder München Einzug halten, wurde für mittelgroße Städte das urbane „The Plant“-Konzept entwickelt. Es handelt sich dabei um eine Initiative aus Mannheim für Campus-Immobilien, die auch schon in Nürnberg und dem nahegelegenen Fürth getestet wurde.

„Think Campus“ von SAP für kreative Köpfe

Als vorbildlich gilt auch der Begriff „Think Campus“ von SAP in Potsdam, entwickelt vom Berliner Architekturbüro Bollinger + Freitag, der neben dem Silicon Valley in Kalifornien als weltweit größter Innovationsstandort des deutschen Softwarekonzerns gedacht ist.

Dort sollen die kreativsten Denker zusammengebracht werden und bis zu 5.000 neue digitale Arbeitsplätze entstehen. Die Planung sieht Einzel- und beziehungsweise oder Gruppenarbeitsplätze mit privaten Rückzugsmöglichkeiten vor. Hinzu kommen öffentliche Zonen mit einem „Deli“ genannten Delikatess-Restaurant, einem Coffee Shop und Flächen für Events, wie sogenannte TED Talks. Das Gebäude selbst soll ganz unter energetischen Gesichtspunkten weitgehend energie- und CO2-sparend errichtet werden.

Edge Olympic in Amsterdam setzt neue Maßstäbe

Ein ähnliches Konzept verfolgt auch das bereits erwähnte Amsterdamer „Edge Olympic“ als Workhub mit öffentlichen und privaten Zonen, die über ein lichtdurchflutetes Atrium (zentraler Raum oder überdachter Innenhof) klimatisch intelligent verbunden sein sollen. Es ist dafür gedacht, gut ausgebildete Arbeitskräfte an einem Ort zu versammeln. Dort werden vielfältige Blickbeziehungen zu Innen- und Außenräumen geboten. Die Architekten von Edge Technologies haben es sich zur Aufgabe gemacht, die modernsten und nachhaltigsten Bürogebäude der Welt zu bauen.

Im Atrium des Edge Olympic lässt es sich schön grün leben und arbeitenWie die Analysten des zu OVG Real Estate gehörenden Unternehmens herausgefunden haben, sind 85 Prozent der Angestellten arbeitsökonomisch nicht besonders engagiert. Das liegt unter anderem an zu viel Lärm, wenig Raum für Kreativität und Möglichkeiten, „Gedankenpuzzle“ zusammenzusetzen. Folglich hatte einer von fünf Angestellten in seiner Karriere schon einmal ein Burnout, so Sandra Gritti, Product Excellence Director bei Edge Olympic.

Nur 20 bis 40 Prozent der Angestellten sollen überhaupt Gebrauch von Wellnessangeboten machen, so es diese überhaupt gibt, die Lösung sei daher unter dem Bürodach zu finden. Das Gebäude habe mehr Einfluss auf das Wohlbefinden als so mancher Arzt oder Gesundheitsberater. Schließlich verbringt der „Homo laborans“ (Karl Marx) ein Drittel seines Lebens in seiner beruflichen Tätigkeit und 90 Prozent davon in Gebäuden.

Energetischer Um- statt Neubau

Das im Juli 2019 eröffnete Edge OIympic selbst, der Umbau eines ehemaligen Postgebäudes 20 Tram-Minuten vom Amsterdamer Stadtzentrum entfernt, sieht äußerlich nicht so spektakulär aus. Es hat es aber buchstäblich in sich und auch außen viel zu bieten z. B. Steckdosen und WLAN für das Arbeiten im Freien. Dabei wurde auch daran gedacht, dass ein Teich oder – wie in diesem Fall – ein breiter Wassergraben das Wohlbefinden steigert.

So sieht das Edge Olympic in Amsterdam von außen ausFür die Planung des aufwändigen Umbaus wurde von Anfang an ein Building Information Modeling (BIM, Bauwerksdatenmodellierung) in der Cloud verwendet. Das alte Postgebäude wurde komplett entkernt und in einer zerlegbaren Holzkonstruktion um zwei Etagen aufgestockt. Damit ist die Gesamtfläche auf nunmehr fünf Stockwerken auf 11.800 qm angewachsen. Im Erdgeschoss befindet sich eine große Gemeinschaftsfläche, die in mehrere Zonen unterteilt ist. Am auffälligsten ist der Versammlungs- und Präsentationsraum sein, der etwas an eine Hochschul-Aula erinnert.

Intelligente Decken, die ständig den Sauerstoffgehalt, die Luftfeuchtigkeit, die Temperatur und andere Daten messen, sollen dafür sorgen, dass Kopf und Seele der 600 bis 700 Menschen, die dort arbeiten immer frei sind und sie sich wohlfühlen. Diese Gebäude sind laut OVG-Technikchef Erik Ubels nicht teurer als andere Bürokomplexe und verschlingen dabei auch noch weniger Geld im laufenden Betrieb, weil sie bis zu 70 Prozent weniger Energie verbrauchen. In Berlin entsteht neben dem Hauptbahnhof mit dem Edge Grand Central ein ähnliches Gebäude, das bis Jahresende 2019 fertiggestellt sein soll.

New Work in der Praxis

Die All for One Group, führende IT- und Consulting-Gruppe aus Filderstadt bei Stuttgart, hat bei sich darauf geachtet, dass Mitarbeiter sich wohlfühlen und die Kaffeeküche sowie andere Gemeinschaftsräume entsprechend großzügig ausgelegt. Mit flexiblen Arbeitsplätzen sowie Homeoffice-Option ist es dem Unternehmen auch gelungen, verstärkt Fachkräfte anzuwerben.

Microsoft-Technologien wie Office 365 für ortsunabhängiges Kommunizieren und Teamwork sowie ein stark wachsender Teil des Portfolios spielen dabei für den IT-Dienstleister selbst und für viele Kunden eine immer wichtigere Rolle. Die All-for-One-Gruppe unterstützt Unternehmen aber auch bei vielen anderen Belangen des modernen Arbeitens und hat dafür einen eigenen Bereich „New Work & Collaboration“ geschaffen.

Anmeldung zu den New Work Workshops der All for One Group

Wie New Work im Mittelstand gelingen kann, erklärt Jörg Mecke, Geschäftsbereichsleiter Microsoft Consulting bei der All for One Group, im exklusiven Interview.

Quelle: Titelbild Edge Olympic / Restliche Artikelbilder ebenso Edge Olympic