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15.03.2019 – Lesezeit: 5 Minuten

Human Resources / Impulse

Meditierende Manager: Meetings effektiver gestalten

"Meditierende Manager" – da denken Sie vielleicht an Anzugträger mit Räucherstäbchen. Das trifft es nicht so ganz. Denn was ich Ihnen gleich vorstelle, sind drei geradlinige Methoden, die Sie im Business-Alltag anwenden können um Meetings und persönliche Besprechungen effektiver zu gestalten. Meetings werden dadurch kürzer, es wird weniger "herumgelabert" und es werden Entscheidungen getroffen. Probieren Sie es aus!

Darum sollten Sie weiterlesen: Im Arbeitsalltag sind Meetings oft quälend lange. Wir hören nur mit einem Ohr zu und treffen Entscheidungen, während wir an alles Mögliche denken, anstatt uns auf das Hier und Jetzt zu fokussieren. Hier erfahren Sie drei praktikable Wege, wie meditierende Manager Meetings effektiver gestalten.

Die Macht des persönlichen Zielbildes

Der erste Weg, den Sie in Ihrem Alltag ganz konkret ausprobieren können, ist die Kurz-Meditation vor dem Meeting. Wenn Sie ein eigenes Büro haben, stellen Sie Ihr Telefon stumm und schalten Sie alle Benachrichtigungen wie etwa den E-Mail-Eingang ab. Vielleicht klappen Sie auch einfach Ihr Notebook zu. Wenn Sie kein eigenes Büro haben, nutzen Sie zum Beispiel kurz einen leeren Besprechungsraum.

  • Setzen Sie sich aufrecht auf einen Stuhl. Am besten an der vorderen Kante der Sitzfläche.
  • Stellen Sie einen Timer auf 1 Minute
  • Schließen Sie die Augen
  • Atmen Sie tief ein. Dabei denken Sie an "Kraft".
  • Atmen Sie aus. Denken Sie dabei an "Stille".
  • Das ganze 3 Mal.
  • Dann lassen Sie den Atem frei fließen und stellen Sie sich ein positives Bild vom anstehenden Meeting vor: Was wird "in der idealen Welt" gleich geschehen? Was soll am Ende der Besprechung feststehen? Bleiben Sie noch einen Moment bei dem Gedanken.
  • Schließen Sie mit ein paar tiefen Atemzügen und öffnen Sie die Augen.

Und nun, direkt auf ins Meeting. Probieren Sie es aus. Sie werden feststellen, dass Sie präsenter werden. Mit zunehmender Praxis werden Sie bemerken, dass Sie empathischer, aber auch geradliniger werden.

Fokussiertes Zuhören

An den zweiten spannenden Weg haben Sie bestimmt noch nicht gedacht, wenn Sie “Meditation” hören: Das fokussierte Zuhören. Es geht ganz einfach und funktioniert für den Anfang am besten im 1:1-Gespräch.

  • Auch hier gilt: Schalten Sie für einen Moment alle Ablenkungen ab: Klappen Sie Ihr Notebook zu, stellen Sie Ihr Handy wirklich stumm - auch kein Vibrationsalarm
  • Setzen Sie sich aufrecht hin
  • Fokussieren Sie ganz bewusst Ihr Gegenüber (natürlich ohne denjenigen anzustarren)
  • Und jetzt kommt das Entscheidende: Hören Sie für eine Minute voll fokussiert zu, ohne dem Drang nachzugehen, kommentieren oder reagieren zu müssen.
  • Sie werden feststellen, dass das anfangs ungewohnt ist.
  • Nutzen Sie diese Methode in Ihrem Meeting-Alltag immer wieder.

Ihr Gegenüber wird nicht unmittelbar bemerken, dass Sie gerade eine Meditationstechnik anwenden. Aber Ihr Gesprächspartner wird merken, dass Sie gerade aufmerksam zuhören. Und Sie werden erleben, dass Sie schneller und umfassender aufnehmen, was Ihr Gesprächspartner gerade sagt. Diese Methode verleiht Ihnen sofort mehr Präsenz und Klarheit.

Vielleicht meldet sich bei Ihnen ein innerer Antreiber, der sagt "Du kannst doch nicht offline sein". Meine Frage an Sie: Wo sind wir gelandet, dass wir uns nicht mehr trauen, das Notebook zuzuklappen, das Smartphone stumm zu schalten und dem Menschen, der uns gerade gegenübersitzt, voll und ganz zuzuhören? Merken Sie, wie absurd das ist? Also: Außen offline, innen online!

Meetings mit einer Minute Stille beginnen

Sie beginnen zu reden, die letzten checken noch E-Mails oder Benachrichtigungen aus ihren Social-Media-Kanälen. Der ein oder andere Teilnehmer ist verspätet und platzt rein, als Sie schon die Agenda vorstellen.

Und so geht das den ganzen Tag: Wir hetzen von Meeting zu Meeting und sind in Gedanken immer noch bei dem was war, bei dem was sein wird oder in unserem E-Mail-Postfach. Dabei ist JETZT der wichtigste Augenblick. JETZT wird besprochen und abgestimmt. JETZT werden Entscheidungen getroffen. Es ist so einfach:

  • Lassen Sie die Teilnehmer ankommen
  • Sie können währenddessen schon mal alles vorbereiten was Sie gleich brauchen, z. B. PowerPoint, Beamer, Flipchart
  • Dann fragen Sie das Einverständnis für eine Minute Stille ab
  • Bitten Sie alle Anwesenden, die Notebooks zuzuklappen, Handys wirklich stumm zu schalten (Beim iPhone lange bzw. fest auf den Halbmond tippen > “Bis Ende dieses Ereignisses”)
  • Stellen Sie einen Timer auf eine Minute
  • Schließen Sie die Augen
  • Nehmen Sie drei tiefe Atemzüge
  • Lassen Sie dann den Atem frei fließen
  • Spüren Sie, wie der Stuhl Sie hier und jetzt trägt
  • Wenn Gedanken auftauchen, ist das in Ordnung. Verabschieden Sie sie freundlich und atmen Sie weiter.
  • Wo fühlen Sie den Atem? Fokussieren Sie sich darauf.
  • Ding-ding-ding: Ihr Timer klingelt.
  • Öffnen Sie die Augen, strecken Sie sich und beginnen Ihr Meeting.

Ja, es braucht Mut, das zu etablieren. Sie werden aber mit der Zeit drei Dinge feststellen.

  1. Die Teilnehmer sind präsenter.
  2. Es werden mehr, bessere und schnellere Entscheidungen getroffen.
  3. Oft werden sogar Meetings kürzer: Wer präsent ist, kommt schneller zu Ergebnissen.

Sie können das mit Personen beginnen, denen Sie persönlich vertrauen und das Stück für Stück weiter "ausrollen". Bleiben Sie dran! Es braucht ein bisschen Übung bis sich diese Effekte einstellen.

Freiwilligkeit ist Pflicht

Die Teilnahme an jeder Art von Meditation sollte freiwillig sein. Eine Vorgabe „von oben“ wirkt kontraproduktiv und kann bei manchen Teilnehmern zu unangenehmen Gefühlen führen. Deshalb: Fragen Sie ein Einverständnis ab und gehen Sie sensibel damit um. Sie können es auch formulieren im Sinne von „Ich lade Sie dazu ein…“.

Digitalisierung braucht meditierende Manager

Wir können jederzeit alle Information der Welt haben. Wir werden getrieben von einem Info-Tsunami. Immer mehr Informationen mit immer weniger Inhalt. Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden wird immer schwieriger. Unsere Smartphones, Notebooks und Tablets benachrichtigen uns ständig über alles was scheinbar wichtig ist.

Die schlechte Nachricht: Dafür sind unsere Gehirne nicht gemacht. Das laufende Alarmiert-sein ist der schnellste Weg zum Burnout. Die gute Nachricht: Es braucht nicht viel um sich daraus zu befreien. Ein paar Atemzüge, etwas Mut und ein bisschen Ausdauer.

Ist die US Army schwach?

Ach ja, falls Sie noch einen kleinen Anschub brauchen: Besonders Männer ab 50 haben nach meiner Erfahrung gerne mal Schwierigkeiten so etwas scheinbar „Weiches“ zuzulassen. Könnte ja sein, dass jemand denkt Sie seien schwach, oder?

Was denken Sie: Sind die Soldaten bei der US Army schwach? Dort wird ebenfalls meditiert, um die Resilienz der Truppen zu stärken. Also die Fähigkeit, sich nach belastenden Situationen wieder selbst zu regulieren und so stabil und stark zu bleiben. Die US Army hat erste Testergebnisse veröffentlicht und positive Effekte nachgewiesen.

Die US Army meditiert, um ihre Truppe zu stärken

Führende Unternehmen nutzen Meditation

Und auch in weltweit führenden Unternehmen wie SAP, BASF, Google und Roche Pharma ist die Meditation inzwischen ein ganz normaler Bestandteil des Alltags. Warum? Weil die Mitarbeiter in Unternehmen, die die Digitalisierung vorantreiben, als erstes bemerken, dass sie einen intelligenteren Weg brauchen, sich aus dem Info-Tsunami zu befreien.

Nur Mut!

Sie sind erfolgreich. Sie haben schon so viel erreicht und so viel Mut bewiesen, sonst wären Sie nicht an Ihrer Position. Also trauen Sie sich, es einfach auszuprobieren. Erstmal für sich selbst, und dann im zweiten Schritt machen Sie es transparent. Sie werden belohnt werden.

Falls Sie überlegen, in Ihrem Unternehmen agile Meetingformen einzusetzen, dann empfehlen wir Ihnen diesen Artikel.

Quellen: Titelbild sowie Bild Smartphone auf Block und Tisch (alle https://psd.graphics/)