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17.06.2019 – Lesezeit: 3 Minuten

Impulse / Produktion und Logistik

Industrie 4.0 ist ohne freien Austausch von Informationen unmöglich

Während einige Unternehmen der Digitalisierung zögerlich gegenüberstehen, ist der Verpackungsprofi Multivac ein Beispiel dafür, wie man den Begriff "Industrie 4.0" als echte Chance für die Zukunft versteht.

Die Einführung und Umsetzung von digitalen Prozessen in der Industrie ist eine Aufgabe, die bei vielen Unternehmen ein Paradigmenwechsel bedeutet. Weg von teils jahrzehntelang eingespielten Abläufen hin zu vollvernetzten Technologien, die sowohl Maschinen als auch die logistische Infrastruktur, automatisierte Materialbeschaffung, geplante Wartung und zahlreiche weitere Möglichkeiten in ein Gesamtgeflecht einbinden.

Nicht zuletzt sind es Menschen und Abläufe im Unternehmen selbst, die Technik erst sinnvoll machen. Vielen, vor allem mittelständischen Unternehmen, bleibt diese Entwicklung bisher verschlossen. Denn Digitalisierung bedeutet Investition, und die gelingt nur, wenn man auch geschäftsrelevante Argumente für das eigene Business aufgezeigt bekommt.

Digitalisierung ist ein stetiger Prozess

Während diese Vernetzungs- und Automatisierungsmechanismen der Industrie 4.0 dazu dienen, die Produktion zu optimieren, um beispielsweise kosteneffizienter und auch innovativer arbeiten zu können, sind weitere Punkte für den Erfolg eines Unternehmens im Rahmen der Digitalisierung wichtig. Christian Traumann, Geschäftsführender Direktor und CFO beim Verpackungsspezialisten Multivac, erläutert, welche Aspekte bei der Umsetzung einer Digitalisierungsstrategie erfolgsentscheidend sind.

Christian Traumann, CFO beim Verpackungshersteller Multivac

Herr Traumann, welchen Herausforderungen stehen Sie mit Multivac im Rahmen der Digitalisierung gegenüber?

Wir betrachten bei der Umsetzung unserer Digitalisierungsstrategie zwei unterschiedliche Ebenen. Auf der einen Seite ist dies die Digitalisierung unserer Produkte, die einen maßgeblichen Einfluss auf die Effizienz und damit nicht zuletzt auch auf die Wirtschaftlichkeit unserer Anlagen hat.

Auf der anderen Seite beschäftigen wir uns kontinuierlich mit der Digitalisierung unserer eigenen Geschäftsprozesse. Ein Beispiel hierfür ist unser neues Logistikzentrum am Standort in Wolfertschwenden, das 2016 in Betrieb gegangen ist. Wir haben dort alle Prozesse digitalisiert und somit die Teilversorgung für Europa sowohl für unsere Tochtergesellschaften als auch unsere Kunden sicherstellen können.

Neben der internen Optimierung der Abläufe profitieren also auch unsere Kunden von der Umstellung. Moderne Lagertechnik, eine leistungsfähige IT und optimierte Logistikstrukturen arbeiten perfekt zusammen und sorgen für effiziente Abläufe und Transparenz. Den entstandenen Kosten- und Geschwindigkeitsvorteil können wir direkt an unsere Endabnehmer weitergeben, wie es so schön heißt.

Wie wichtig ist neben der reinen Optimierung der maschinellen und IT-Prozesse die Integration von Services?

Wir betrachten unsere Services als einen wichtigen Erfolgsfaktor. Unsere digitalen Servicepakete vermarkten wir unter dem Namen "Smart Services". Diese sollen dazu beitragen, Verpackungsprozesse bei unseren Kunden transparent zu machen und hierauf basierend Möglichkeiten zur Optimierung zu schaffen. Beispiele hierfür sind Predictive-Maintenance-Anwendungen, die die Planung von Wartungsphasen erlauben – oder die Erstellung von OEE-Analysen, die dem Betreiber Informationen über die Anlageneffektivität übermitteln und damit eine wichtige Basis für die Optimierung sind.

All diese Services lassen sich durch die Vollvernetzung und digitalisierte Prozesse generieren und stellen einen echten Mehrwert für unsere Kunden dar. Besonders stolz sind wir auf den „Multivac Pack Pilot“. Hierbei handelt es sich um eine cloudbasierte Anwendung, die den Anlagenbetreiber bei der optimalen Einstellung seiner Maschine unterstützt. Damit kann auch ohne Expertenwissen die Anlage immer am optimalen Betriebspunkt betrieben werden. Ebenso unterstützt der „Pack Pilot“ bei der Inbetriebnahme der Anlagen und gewährleistet eine gleichbleibende Qualität der Verpackungen bei höchster Leistung. Die Reduzierung von Anfahrverlusten sorgt zudem für Einsparungen im Hinblick auf Produkte, Packstoffe und Produktionszeit.

Wie sehen Sie die weitere Entwicklung im Rahmen der Digitalisierung?

Grundsätzlich ist ein Digitalisierungsprozess an sich niemals abgeschlossen, ich sehe dies eher als einen kontinuierlichen Prozess. Und die stetige Weiterentwicklung von Produkten und Prozessen ist letztendlich auch Grundlage unseres Erfolgs. Unserer Ansicht nach werden sich durch die Digitalisierung in unserer Industrie viele neue Möglichkeiten für die Entwicklung von neuen Geschäftsmodellen ergeben – hierzu fehlen in manchen Bereichen sicherlich noch Erfahrungswerte, weshalb wir die Digitalisierung als einen langfristigen Trend sehen.

Speziell im Lebensmitteleinzelhandel wird sich in den nächsten zehn Jahren viel tun. Denn auch der Lebensmittelhandel wird Antworten auf das sich ändernde Konsumentenverhalten finden müssen. Diese werden sich sowohl auf die Verpackung als auch auf die Logistik der Lebensmittelprodukte auswirken. Entscheidend dabei ist, ob ein Unternehmen wie in der Vergangenheit lediglich auf den Markt reagiert oder ob es die neuen Anforderungen schnell bedienen kann und dem Wettbewerb somit die berühmte Nasenlänge voraus ist, Stichwort "Predictive Manufacturing".

Vielen Dank für das Interview!

Falls Sie sich für weitere "Predictive"-Themen interessieren und wissen möchten, was eines davon mit dem Münchener Oktoberfest zu tun hat, dann empfehlen wir Ihnen diesen Artikel.

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