Hauptsache agil: Was Scrum von Kanban unterscheidet

23.06.2021 – Lesezeit: 4 Minuten

Impulse / Technologie

Hauptsache agil: Was Scrum von Kanban unterscheidet

Scrum und Kanban sind wohl die meist genannten und genutzten agilen Methoden für die Projektarbeit. Aber was steckt eigentlich dahinter und was unterscheidet die beiden?

Im Projektmanagement, beziehungsweise in der heute vielfach abteilungsübergreifenden Zusammenarbeit für einzelne oder mehrere Projekte, geht der Trend immer mehr zu agilen Methoden. Dabei gibt es mehrere Ansätze. Dabei ist eigentlich immer auch von Scrum und Kanban die Rede. Beide zielen auf Agilität und Lean Management. Aber es gibt Unterschiede.

Diese sind ganz grob wie folgt: Scrum ist eine agile Entwicklungsmethode mit in „Sprints“ schrittweiser oder iterativer Näherung an eine Problemlösung, beziehungsweise eines Produktes. Kanban war ursprünglich ein reines System zur Pull-Steuerung für die Just-in-Time-Produktion und -Bereitstellung der Materialflüsse, um Überkapazitäten zu vermeiden, kann aber über Kanban-Karten auch dazu dienen, Aufgaben effizienter zu verteilen und abzuarbeiten. Um es auf einen Nenner zu bringen: Die Hauptunterschiede sind laut Computerwoche, dass sich Scrum eben auf die iterative Produktentwicklung und Kanban auf die kontinuierliche Produktentwicklung konzentriert. Aber um die Unterschiede zu verstehen, muss man etwas ausholen:

 

Kanban nach dem „Supermarkt-Prinzip“

Ehre wem Ehre gebührt: Der Erfinder der Methode für das Just-in-Time-Management Ōno Taiichi dachte sich, es müsse doch möglich sein, den damals sehr ineffizienten Materialfluss nach dem Supermarkt-Prinzip zu organisieren, damit sich die Lager wie von selbst wieder füllen, aber nicht überfüllt wurden. Nach der Materialsteuerung hat Toyota Kanban auch auf die Produktionssteuerung ausgeweitet, wo sie in vielen Industrieunternehmen weltweit heute noch in etwas modernerer Form praktiziert wird.

Kanban sieht man oft als eine große Sammlung von Klebezetteln auf einem klassischen Whiteboard mit Spalten für Abarbeitungsschritte, typischerweise „To do“, „Doing“, „Done“ (zu tun, in Arbeit, getan), wie man sie auch von Scrum Boards kennt. Tatsächlich begleiten solche Klebezettel oder Karten, Kanban-Karten genannt, im klassischen Kanban-System jeden Materialfluss, beziehungsweise jeden einzelnen Produktionsschritt, um diese Prozesse auch auf einer Kanban-Tafel nach Aufgaben geordnet abzubilden.

 

Toyotas 3M-Modell gegen die drei „Mu“

Eine Reihe von Produktionsmanagement-Tools arbeiten genau nach diesem Kanban-System, Trello zum Beispiel: Kollege X bekommt in Form einer Trello-Karte eine Aufgabe, arbeitet sie ab und schiebt die Karte dann an Kollegin Y für das Qualitätsmanagement weiter. Der oder die Verantwortliche hat alle Vorgänge im Überblick und kann gegebenenfalls steuernd eingreifen.

Das von Ōno entwickelte Kanban-System arbeitete nach bestimmten Regeln, die in vielen Unternehmen weltweit in der einen oder anderen Form immer noch gelten. Sie lassen sich auf den gemeinsamen Nenner bringen, dass die Materialquelle nicht auf Vorrat produzieren darf und die Senke, sprich der Verbrauchsort, das benötigte Material punktgenau geliefert bekommt und nicht zu viel davon ordern sollte. So hat sich Kanban seit 1947 von Japan aus weltweit als Synonym für Just-in-Time etabliert. Oberstes Ziel von Toyota war es, die drei Mu oder No-Gos Muda („Verschwendung“), Mura („Unausgeglichenheit“) und Muri (Überlastung“) zu vermeiden.

Die wesentlichen Unterschiede zu Scrum

Dieses 3M-Modell von Toyota findet sich auch bei Scrum wieder. Diese Methode arbeitet auch nach dem Pull-Prinzip, aber laut Computerwoche dient das Pull im Scrum Framework der Sprint-Planung, in Kanban dagegen dem gesamten Ablaufplan oder Board. Scrum ist ein Vorgehensmodell für das Projekt- oder Produktmanagement, bei dem man sich, wie gesagt, in Sprints iterativ in Einzelschritten der Lösung zu nähern versucht. Der Scrum-Master hat die Servant Leadership inne, der Product Owner hat die Produktverantwortung, während bei Kanban keine Rollen vorgeschrieben sind, beziehungsweise existierende Rollen übernommen werden.

Bei Scrum organisieren sich die Teams nach der „2-Pizza-Regel“ abteilungsübergreifend oder cross-functional in Gruppen von drei bis neun Personen, bei Kanban gibt es keine Vorgaben an die Teamgröße. Bei Kanban gibt es anders als bei Scrum auch keine Vorgaben wie „Daily Standup Meetings“, Retrospektive und Review-Meetings nach jedem Sprint. Während die Kanban-Tafel oder das Kanban-Board, wie sie auch genannt wird, mehr oder weniger feststeht und erst nach Beendigung des Produktes oder Projektes gelöscht wird, ist das Scrum Board optional und ist es jeweils zu jedem Sprint mit neuen Aufgaben- oder Arbeitspaketen zu bestücken. Bei den Metriken gibt es auch Unterschiede: Bei Scrum steht Velocity (die Ablaufgeschwindigkeit pro Sprint) im Vordergrund, bei Kanban sind es die Lead Time (Vorlaufzeit), die Cycle Time (Zykluszeiten) und der Work in Progress (WiP), zu Deutsch Umlaufbestand oder „Ware in Arbeit“.

Agile Organisation muss Scrum & Co. vorausgehen

Ob Kanban oder Scrum hängt von den verfolgten Zielen ab. Kanban ist prinzipiell mehr auf die kontinuierliche Verbesserung von steuerbaren Prozessen ausgerichtet und konzentriert sich, laut Computerwoche, mehr auf die Prozesseffizienz und die Steigerung der Produktivität, Scrum dagegen auf die komplexe Softwareentwicklung. Aber wo empirisches Vorgehen gefragt ist, wird Scrum auch allgemein in der Forschung und Entwicklung eingesetzt, um mit überschaubarem Aufwand mit kurzen Feedback-Zyklen schrittweise zu geeigneten Lösungen oder Lösungsansätzen zu kommen.

Bei all den Vorteilen, die Scrum und Kanban bieten, sind sie lediglich zwei unterschiedliche Ansätze der Projektmethodik. Wie die Allfoye Managementberatung Kunden gegenüber immer wieder betont, macht die Einführung solcher agilen Methoden noch lange keine agile Organisation aus.

Agile Projektarbeit und agiles Management werden aber neben der Digitalisierung immer wichtiger, um dem wachsenden Wettbewerbsdruck standzuhalten und schnell auf neue Markbedingungen reagieren zu können. Allfoye unterstützt Unternehmen dabei, die Digitalisierung auch durch ein Change Management zu begleiten, um Agilitätspotenziale zu heben und „den Elefanten zum Tanzen zu bringen“, wie es auf der Website zu agiler Organisation heißt.

Die Corona-Zeit ist neben der Remote-Arbeit über Kanban-Tools auch die Hochzeit der Video-Calls. Aber wie präsentiert man dort richtig? In diesem Beitrag finden Sie hilfreiche Tipps.

 

Quelle: istockphoto, AndreyPopov, Stock-Fotografie-ID: 1305332186