05.08.2020 – Lesezeit: 3 Minuten

Produktion und Logistik / Technologie

Die Angst der Logistik-Branche vor der Digitalisierung

In der Logistik-Branche macht sich eine Art Untergangsstimmung breit: Viele Mitarbeiter fürchten, dass durch die Digitalisierung gravierende Nachteile bis hin zum Verlust des Arbeitsplatzes entstehen. Eine Studie zeigt diese Sorgen deutlich auf.

Die digitale Transformation ist eine Reise ohne Wiederkehr. Gerade in der Logistik sind disruptive Veränderungen denkbar: Im Logistik-Zentrum verrichten Roboter ihren Dienst, Waren werden automatisiert von fahrerlosen Staplersystemen zusammengestellt und auf LKWs geladen. Sie fahren dann autonom zu ihrem Bestimmungsort.

Logistik-Mitarbeiter haben viele Ängste beim Thema Digitalisierung, wie eine Studie vom Fachkräfteportal meinestadt.de belegt. Ein Großteil der Beschäftigten in dieser Branche geht davon aus, dass zahlreiche Stellen wegfallen werden. Schon heute verändern sich die Arbeitsbedingungen im Logistiksektor durch die Digitalisierung spürbar. Viele Mitarbeiter fühlen sich zudem mit ihren Ängsten alleingelassen und wünschen sich mehr Unterstützung von ihrem Arbeitgeber.

Disruptive Digitalisierung

Laut der Studie hat jede vierte Fachkraft in der Logistik Angst, dass der eigene Arbeitsplatz durch die Digitalisierung gefährdet ist. 46 Prozent der Befragten sehen bereits heute deutliche Veränderungen durch die Digitalisierung: Bei knapp einem Drittel hat die Digitalisierung bereits Teile der Arbeit ersetzt, und jeder Zweite geht davon aus, zukünftig davon betroffen zu sein. Ein Verlust des Arbeitsplatzes droht demnach vor allem unqualifizierten Mitarbeitern. Die Frage, in welchen Berufsgruppen die Digitalisierung Arbeitsplätze gefährde, beantwortet eine deutliche Mehrheit mit „Personen ohne Berufsausbildung“.

Genauer betrachtet führt die Digitalisierung in vielen Szenaren keineswegs dazu, dass Arbeitsplätze wegfallen. Arbeitsabläufe werden sich vielmehr verändern, und in manchen Bereichen werden sogar zusätzliche Stellen entstehen. Pricing auf Grundlage von Machine Learning (ML), Optimierung der Prozesse mit Künstlicher Intelligenz (KI), eine Lagerhaltung mit Sensorik und Augmented Reality sorgen für andere, aber nicht für weniger Arbeit. Es besteht also durchaus Grund für Optimismus und Zuversicht.

Fehlende Kompetenz

Logistik-Fachkräfte schätzen ihre digitalen Kompetenzen mehrheitlich als gering ein. 58 Prozent der Studienteilnehmer ordnen sich auf einer Skala von 1 bis 5 bei Werten zwischen 1 und 3 ein, wobei 1 für eine sehr geringe und 5 für eine sehr große Digitalkompetenz steht. Hier sind die Unternehmen gefragt. Neben der Ausbildung muss vor allem die Weiterbildung vorangetrieben werden, um Digitalkompetenz vermitteln. Derzeit gibt es in 62 Prozent der befragten Betriebe keinerlei Weiterbildungsmaßnahmen zu Digitalkompetenzen, oder sie sind den Mitarbeitern unbekannt. Hier liegt viel ungenutztes Potenzial.

Auf die Frage, wie gut sich Logistik-Fachkräfte von ihren Arbeitgebern bei den Veränderungen durch die Digitalisierung insgesamt unterstützt fühlen, antwortet nur knapp ein Drittel mit gut oder sehr gut. Sobald sich aber in den Unternehmen die Erkenntnis durchsetzt, dass eine Investition in die Weiterbildung der Mitarbeiter eine Investition in die Zukunft des Unternehmens darstellt, ist eine deutliche Besserung in Sicht. Denn eines ist klar: Unternehmen können es sich nicht leisten, die Digitalisierung aufzuschieben, da sie dann von der Konkurrenz überholt werden. Die Unternehmensleitung muss sich deshalb aktiv mit der Thematik beschäftigen und die Einführung digitaler Technologien vorantreiben.

Nachholbedarf in Unternehmen

Nicht nur bei der digitalen Kompetenz der Mitarbeiter gibt es deutliche Defizite, auch die Digitalisierung der Unternehmen selbst liegt im Argen. Lediglich vier Prozent der Mitarbeiter in der Logistik sehen ihr Unternehmen in einer Vorreiterrolle bei der Digitalisierung. Weniger als die Hälfte meint, ihr Unternehmen versuche, stets auf dem neusten Stand der Technik zu sein, aber ein knappes Drittel attestiert ihrem Unternehmen einen deutlichen Nachholbedarf bei der Digitalisierung. Die Gründe für diesen Mangel sind vielfältig: In der Studie sehen 57 Prozent mangelndes Engagement in der Führungsebene als Hauptgrund an. Dazu gesellen sich Personalmangel, fehlendes Know-how und begrenzte finanzielle Möglichkeiten – aber auch eine gewisse Ablehnung durch die Mitarbeiter, die Veränderungen skeptisch gegenüberstehen.

Im Rahmen der Digitalisierung ist es von zentraler Bedeutung, den Mitarbeitern den Bedarf und die Notwendigkeit schlüssig zu vermitteln. Jeder muss verstehen, was die Digitalisierung ihm persönlich bringt. Vielleicht erstellt die Leitung eine Art Fahrplan, auf welchem Digitalisierungsstand sie das Unternehmen in drei oder fünf Jahren sein will. Wenn sie den Nutzen erkennen, verlassen die Mitarbeiter ihre Komfortzone und ziehen langfristig mit.

Die Angst ist unbegründet

Viele Befürchtungen der Logistik-Mitarbeiter erweisen sich als unbegründet, sofern alle an einem Strang ziehen. Die Digitalisierung bringt ein Unternehmen, konkret auch die Logistik-Abteilungen, voran und macht sie wettbewerbsfähig. Deshalb sollten sich Unternehmen ihrer Angst und der Realität stellen und Strategien überlegen, wie die Supply Chain digitalisiert werden kann. Wie Sie in der Corona-Krise Transparenz für Ihre Supply Chain schaffen, erfahren Sie hier.

Quelle: Titelbild pixabay, pashminu