1. März 2018 | pArtikel drucken | kKommentieren

Echtzeit-Planung in der Supply Chain mit All for One Steeb

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Oliver Richter, SCM-Berater bei All for One Steeb, beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit dem Thema Supply Chain. Angefangen hat er vor zehn Jahren als Demand Planer und Supply Chain Manager bei einem weltweit operierenden Porzellanhersteller. Dann wechselte er einige Jahre später in den Consulting-Bereich und spezialisierte sich hier auf die Themen APO DP und SNP. Mit dem Start von Integrated Business Planning wechselte sein Themenschwerpunkt von APO DP/SNP zu IBP. Durch seine langjährige Erfahrung in globalen Netzwerken kennt er die Anforderungen von Produktion und Handel.


Nach Einführung der HANA-Datenbanktechnologie hat SAP 2015 mit Integrated Business Planning (IBP) ergänzend zu SAP Advanced Planning und Organization (APO) eine neue Cloud-Lösung für das Supply-Chain-Management auf den Weg gebracht. Die Hintergründe und Vorteile erläutert Oliver Richter, SCM-Berater bei All for One Steeb, im folgenden Interview.

Was verbirgt sich hinter IBP?

IBP steht für Integrated Business Planning und ist die neueste Planungsumgebung für das Supply-Chain-Management von SAP. Es handelt sich dabei um eine Cloud-Lösung, die auf die Datenbank-Technologie SAP HANA aufbaut und aus fünf Modulen besteht. Da ist einmal der Supply Chain Control Tower, der eine End-to-End-Visibilität bietet, dann IBP for Demand für die Bedarfsplanung, IBP for SAP Sales & Operations oder kurz S&OP für die abgestimmte Bedarfsplanung, IBP for Inventory für die Bestandsoptimierung sowie IBP for Response & Supply, um auf kurzfristige Änderungen zu reagieren. Das Gute daran: Dank SAP HANA läuft alles in Echtzeit.

Ein großer Pluspunkt ist die Integration in Microsoft Excel, oder?

Da Microsoft IBP als Add-in für Excel zur Verfügung stellt, können Benutzer alle Vorgänge in der gewohnten Umgebung abarbeiten. Eine echte Bereicherung ist auch die Möglichkeit der Zusammenarbeit über das Social-Media- und Kollaborationstool SAP JAM. Unternehmensbereiche, Kunden und Lieferanten können darüber Termine, Daten und Prozesse abstimmen sowie Dokumente und Ideen zu verschiedenen Themen und Projekten teilen.

 

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Für viele SAP-Kunden ist Advanced Planning and Optimization immer noch der Inbegriff für planbare Lieferketten. Wird der SCM-Schlager mit der Einführung von IBP zum Oldie?

IBP wird APO mittelfristig ersetzen, die Lizensierung läuft 2025 aus. APO hat sich mit Einzug von SAP HANA als neue Datenbanktechnologie tatsächlich als nicht mehr ganz zeitgemäß erwiesen. Die Entwicklung wird immer mehr in Richtung IBP gehen. Auch bei dem Thema Frontend ist APO eher „OldSchool“. Daher hat SAP entschieden, die APO-Planungsmodule Demand Planning (DP) und Supply Network Planning (SNP) in IBP zu integrieren. PP/DS für die Produktions- und Feinplanung, oder wie es jetzt heißt, für die erweiterte Planung, und GATP – jetzt aATP – für die globale Verfügbarkeitsprüfung, wurden schließlich ganz aus dem APO-Umfeld losgelöst und in SAP S/4HANA integriert.

Was ist mit der Absatzplanung beziehungsweise mit S&OP?

Ja richtig, als SAP 2012 das besagte SAP Sales & Operations oder kurz S&OP lanciert hat, wurden Demand Planning und Supply Network Planning Teil der IBP-Lösung auf Basis der neuen HANA-Datenbank-Technologie. S&OP ist übrigens als Herzstück von IBP zu sehen. Damit ist es nun möglich, Finanz-, Vertrieb- und Marketingpläne mit dem Bedarfsplan abzugleichen. Da die Daten alle über SAP HANA zusammenlaufen, können sie auf allen Ebenen betrachtet und verglichen werden. Außerdem garantiert das auch eine hohe Datenqualität. Die Walldorfer haben mit S&OP somit eine integrierte Planungswelt für die gesamte Lieferkette geschaffen. Ergänzt wurde die Lösung um weitere Module wie das Demand Sensing, um den Absatzplan anhand der Bedarfe der jüngeren Vergangenheit zu verfeinern sowie um Inventory für die Bestandsoptimierung und das schon genannte Response & Supply, um auf Auftragsänderungen reagieren zu können.

Finanz-, Vertrieb- und Marketingpläne können mit dem Bedarfsplan abgeglichen werden, da alle Daten über SAP HANA zusammenlaufen. (Quelle: iStock/ Rawpixel)

Können Sie kurz ein, zwei Vorteile von IBP nennen?

Zum einen lassen sich damit im Handumdrehen verschiedene Szenarien abbilden. Der Worst-, Best- oder Realistic-Case wird somit planbar. Außerdem sind mit IBP auch Simulationen und vorausschauende Analysen möglich.

Welche anderen Aspekte sind Ihrer Meinung nach hervorzuheben?

Für die infinite und die finite Planung stehen mit der Heuristik und dem Optimierer zwei Programme zur Verfügung, die helfen zu eruieren, welche Auswirkungen der Bedarfsplan auf die Lieferkette hat und was machbar ist. Dabei werden sowohl Standorte und Ressourcen als auch Komponenten, Bestände und Transportwege innerhalb der Supply Chain berücksichtigt. Auch diese Vorgänge lassen sich alle über das Add-in in Microsoft Excel durchführen. Die entsprechenden Analysen können im Dashboard visualisiert werden.

Das Inventory-Modul dient wie gesagt der Bestandsoptimierung und bietet Algorithmen für die optimale Balance zwischen Sicherheitsbestand und Service Level Agreements. Damit lassen sich Schwankungen in der kompletten Supply Chain abfangen. Das Inventory Modul errechnet einen Sicherheitsbestand an unterschiedlichen Knotenpunkten der Supply Chain – und das auf einer sehr granularen Ebene.

 

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Was versteht man unter Heuristik?

Heuristik ist ein Algorithmus, der die zum Beispiel die Kundenbedarfe anhand von bestimmten Faktoren über die komplette Supply Chain verteilt und einen Abgleich mit der Versorgung vornimmt. Die Verteilung kann über Prozentsätze selber definiert werden. Dabei werden auch Komponenten und Lieferanten sowie Lohnbearbeitung in der Fertigung berücksichtigt. Somit wird ersichtlich, wann und wo ein Produkt produziert werden muss, um die Kundenbedarfe zu befriedigen. Diese Werte können dann an die Feinplanung übergeben werden.

Wie kann IBP helfen, einen Bestand zu optimieren?

Da fällt mir sofort das Inventory-Modul ein. Durch die mehrstufige Bestandsoptimierung und die richtige Balance zwischen Service Level und dem Sicherheitsbestand ist dieses Modul die erste Adresse, wenn es um die Bestandsoptimierung in der Supply Chain geht. Dabei werden Bedarfsplan, Service Level, Lead Time oder Vorlaufzeit, der Beschaffungszyklus und die Genauigkeit des Bedarfsplans berücksichtigt.

Aber auch andere Module können Einfluss auf die Bestände habe, der Optimierer im S&OP-Modul ist zum Beispiel in der Lage, Bedarfe aus dem Sicherheitsbestand zu bedienen. Der Optimierer kann weiterhin dafür sorgen, dass ein Artikel frühzeitig oder sehr nah am Bestelldatum produziert wird, um dadurch die Verfügbarkeit und die Lagerzeiten sowie die Lagerkosten zu steuern. Ein weiteres Modul, das helfen kann, den Lagerbestand zu optimieren, ist das Demand-Modul, genauer gesagt das Demand Sensing daraus. Dieses schaut sich die Veränderungen der Bedarfs- und Auftragslage in der jüngeren Vergangenheit an und passt den Bedarfsplan entsprechend an. Beispielsweise kann die Beobachtung der jüngeren Vergangenheit zu der Erkenntnis führen, dass bestimmte Artikel eher in der ersten Monatshälfte benötigt werden. Entsprechend kann dann der Produktions- und Bedarfsplan angepasst werden.

 

Quelle Titelbild: iStock/ Rawpixel

Oliver Richter

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