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17.08.2018 – Lesezeit: 3 Minuten

Human Resources / Prozesse

Digitalisierung ist nicht zuletzt eine Frage der Unternehmenskultur

Alle reden heute von Digitaler Transformation und New Work, doch dafür bedarf es nicht nur technologischer Grundlagen. Wichtig ist, dass sich die Unternehmenskultur ändert – und das braucht Mut und Bereitschaft für Veränderungen.

New Work ist in vielen Unternehmen DAS Thema, auch wenn es meist „nur“ mit Homeoffice und flexiblem Arbeiten gleichgesetzt wird. Dabei müsste der Begriff mit zentralen Werten wie Selbständigkeit, Freiheit und Teilhabe an der Gemeinschaft - nach den ursprünglichen Ideen von Frithjof Bergmann - viel weiter gefasst sein. Der in Sachsen geborene amerikanische Philosophieprofessor sah in der zunehmenden Automatisierung die Chance der Befreiung aus der reinen Lohnarbeit. Bergmann schlug vor, den Arbeitstag zu dritteln: ein Drittel Erwerbsarbeit, ein Drittel „Smart Consumption“ sowie „High-Tech Self-Providing“ und ein Drittel für das, was einem Spaß macht und wofür man sich berufen fühlt.

Davon sind die meisten Unternehmen noch weit entfernt, und im Großen und Ganzen wird es wohl Utopie bleiben. Doch bei der Digitalisierung, die auch immer mehr kleine und mittelständische Unternehmen für sich als notwendig erachten, wird nicht ausbleiben, an gewissen Grundfesten in der Unternehmenskultur zu rütteln. Das fängt damit an, dass strikt hierarchische Strukturen mit einem allwissenden und lenkenden Chef wie in den Wirtschaftswunderjahren nicht mehr zeitgemäß sind.

Voranschreiten oder so weitermachen?

Wie Eva Stock, Teamlead HR bei der Berliner Online-Marketing-Agentur Trust Agents in t3n schreibt, besteht eine große Unsicherheit, ob Arbeits- und Kommunikationshandlungen künftig von Bots gesteuert werden und man Kollegen bald nur noch von ihren Instagram-Accounts und Videochats kennen wird. Vor diesem Hintergrund hätten sich auf Unternehmensseite zwei Lager gebildet: „Die einen versuchen, das Hier und Jetzt so angenehm wie möglich zu gestalten. Mit noch tolleren Offices, noch mehr Vereinbarkeit, noch mehr Benefits“, so Stock. „Die anderen Unternehmen sind eher zögerlich und zeigen einen geringen Veränderungsdrang. Frei nach dem Motto: Es ist ja vorher auch schon gut gegangen.“

Ein gegenläufiger Trend weg von flexiblem Arbeiten und Homeoffices kommt auf (Quelle: pixabay/ StartupStockPhotos).

Dabei bemerkt sie, dass die Schere zwischen althergebrachten Arbeits- und Unternehmenskonzepten und neuen Arbeitsformen immer größer werde, die Unternehmen den technischen Entwicklungen kaum noch hinterher kämen und dabei keine Zeit mehr für die Sinnkrise oder für die Frage bestehe, was „die neue Unternehmenskultur“ ausmache.

Zugleich konstatiert Stock einen gegenläufigen Trend weg von flexiblem Arbeiten und Homeoffices. Auch die großen Player wie Yahoo bilden da keine Ausnahme: 2013 hat der Internetriese seine Homeoffice-Regelung wieder gekippt. Doch auch in Deutschland ist man nicht so recht warm geworden mit dem Thema, meint Stock. Es ist zu einer Art Statussymbol geworden - auch als Verhandlungsbasis für Verträge, so die Marketingexpertin.

Ist Coworking das Allheilmittel?

Wie sie weiter schreibt, ist gerade der gegenläufige Trend des gemeinsamen Arbeitens in - wie Pilze aus dem Boden schießenden - Coworking-Spaces zu beobachten. Der Mensch sei eben ein soziales Wesen. Allerdings werden solche offenen Bürokonzepte auch wieder in Frage gestellt, denn es zeigt sich immer mehr, dass viele der Coworker sich mit Noise-Cancelling- oder laut tönenden Kopfhörern abschirmen und somit zum Teil einsamer werden als im Homeoffice, das für viele Mitarbeiter auf Dauer auch nicht die ideale Lösung ist.

Aber wie dem auch sei - ob Zusammenführung im Großraum, Coworking-Space oder viele Homeoffices - viele Unternehmen besinnen sich wieder auf das „Wir“-Gefühl, so Stock. Collaboration oder Teamwork und Mitbestimmung, statt nur Befehle auszuführen, werden heute großgeschrieben.

Angesichts von Fachkräftemangel und nahezu Vollbeschäftigung wendet sich das Verhältnis von Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Unternehmen müssen sich heute bei Talenten bewerben und ihnen mehr bieten als nur fairen Lohn für faire Arbeit. „Das Wohlfühlen in und mit dem Unternehmen tritt für beide Seiten vor das reine Erfüllen der Anforderungen an die Lohnarbeit“, weiß Stock, und „aus Arbeitsbeziehung wird Unternehmenskultur.“

Virtuelle Anerkennung etwa in Form von Likes gäben auch nur einen „kurzen Vitamin-Kick“, 360 Grad-Feedback-Feedback und andere digitale Möglichkeiten könnten auch nur Kommunikationsstütze, aber kein Ersatz für reale Interaktion sein.

Es geht vor allem um den Menschen

Last but not least geht es immer um den Menschen bei der Unternehmenskultur und ist Veränderung Einstellungssache, wie Magdalena Rogl, Head of Digital Channels bei Microsoft, in W&V lead schreibt. Das bedürfe „Offenheit für Neues, Mut statt Angst, Selbstvertrauen statt Ego, Hinterfragen statt Beharren“, so Rogl, die dem Online-Magazin zufolge als Corporate Influencer im besten Sinne zu sehen ist, denn als Patchwork-Mama von vier Kindern, setzt sie sich besonders für das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie für digitale Bildung ein.

In ihrem Artikel zitiert sie unter anderem auch die deutsche Microsoft-Chefin Sabine Bendiek mit den Worten: „Veränderung gelingt am besten in einer Kultur des Vertrauens, in der die Mitarbeiter aktiv in den Transformationsprozess eingebunden werden.“ Vertrauen ist für Rogl somit der Schlüssel zum Erfolg, denn Veränderungen machen meistens „erstmal Angst oder zumindest unsicher“.  Es brauche Mut, sich darauf einzulassen.

 

Quelle Titelbild: iStock/ PeopleImages