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11.12.2019 – Lesezeit: 4 Minuten

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KI entlarvt Shakespeares Ghostwriter

Über die Autorschaft von William Shakespeare werden immer wieder Zweifel angemeldet. Die meisten Forscher stimmen heute überein, dass er einige Stücke zumindest nicht allein geschrieben hat. Im Fall von „Henry VIII“ hat Künstliche Intelligenz (KI) nun den Co-Autor „erwischt“.

Manche behaupten, der große englische Dramatiker William Shakespeare (1564-1616) sei als einfacher Geschäftsmann aus der Provinz viel zu ungebildet gewesen, um seine genialen Stück selbst geschrieben zu haben. Als eigentliche Autoren hinter dem Namen Shakespeare wurden daher schon früh immer wieder Edvard de Vere (17. Graf von Oxford), Christoper Marlowe und sogar Francis Bacon ins Spiel gebracht.

Shakespeare hatte Co-Autoren

Die Shakespeare-Forschung ist sich heute jedoch einig, dass Shakespeare als Absolvent der Grammar School, vergleichbar mit deutschen humanistischen Gymnasien, durchaus gebildet genug war, aber auch Geschäftsmann genug, um Ghostwriter oder auch Co-Autoren für seine Stücke oder Teile davon zu beschäftigen.

1850 hat der britische Literaturgelehrte James Spedding bereits die These aufgestellt, dass der im 15. und 16. Jahrhundert ebenfalls berühmte und sogar bedeutendere Dramatiker John Fletcher das Theaterstück „Henry VIII“, zu Deutsch „Heinrich VIII.“, zusammen mit Shakespeare geschrieben habe, und er hat dies an der abweichenden Metrik (Versmaß) und an unterschiedlichen Stilen der beiden Autoren festgemacht.

Sichtbare Unterschiede

Von Fletcher stammen soll zum Beispiel der Prolog, von Shakespeare selbst der erste Aufzug, erste Szene, wo der Herzog von Buckingham, Thomas Howard, den 3. Herzog von Norfolk und Onkel von Anne Boleyn begrüßt, kurz bevor jene zweite Frau von Heinrich VIII. wurde.

englische Originalversion

deutsche Schlegel-Tieck-Übersetzung

Prolog:

I come no more to make you laugh: things now,
That bear a weighty and a serious brow,

Act 1, Scene 1, Buckingham:

Good morrow, and well met. How have ye done
Since last we saw in France?

Prolog:

Ich komme nicht mehr, dass ihr lacht. Gestalten,
Die eure Stirnen ziehn in ernste Falten,

Erster Aufzug, erste Szene, Buckingham:

Guten Morgen und willkommen! Wie ging es Euch, Seit wir uns sahn in Frankreich?

 

Selbst als Nichtmuttersprachler sieht man deutliche Unterschiede in der Sprache in den oben aufgeführten Zeilen. Die Fletcher und Shakespeare zugeschriebenen Zeilen haben ein ganz anderes Versmaß, letztere erscheinen auch weit umgangssprachlicher. So wie Spedding haben auch andere Literaturwissenschaftler früh geäußert, dass bis zu der Hälfte von „Henry VIII“ aus der Feder von John Fletcher stammen könnte. Unklar war aber, wie groß der Einfluss des anderen bedeutenden Dramatikers auf das Werk war und ob er tatsächlich Co-Autor oder als Revisor das Stück nur hier und da verbessert hatte. Außerdem wurde mit Philip Massinger manchen Theorien zufolge noch ein weiterer Dramatiker als Mitautor genannt.

KI bestätigt Fletcher als Mitautor

Um Antworten auf die Frage zu finden, hat der tschechische Forscher Petr Plecháč ein künstliches neuronales Netz auf die Analyse von Shakespeare-Stücken trainiert, die zu Zeiten von „Henry VIII“ entstanden sind, darunter auch „Coriolanus“ und „Der Sturm“.

Das neuronale Netz lernte unter anderem, Shakespeares damaligen Stil, seine Wortwahl und rhythmische Sprachmuster (Metriken) zu erkennen. Dann ließ Plecháč die KI einen Abgleich mit den Werken von John Fletcher vornehmen. Das Ergebnis war eindeutig und stützte die Thesen von Spedding aus dem Jahre 1850.

Die KI fand heraus, dass tatsächlich fast die Hälfte des berühmten Shakespeare-Stücks aus der Feder von Fletcher stammt. Für die mutmaßliche Co-Autorschaft von Philip Massinger als dritten im Bunde fand die KI kaum Hinweise. Plecháč hat in dem Fazit zu seiner frei im Internet erhältlichen wissenschaftlichen Arbeit vermerkt, dass Massinger als Mitautor „eher unwahrscheinlich“ sei. Eine absolute Sicherheit könne die KI hier aber auch nicht geben, weil sich die Autoren alle gegenseitig beeinflusst und imitiert haben könnten.

Collaboration und KI immer wichtiger

Wie dem auch sei: Die im Deutschen etwas weniger schön klingende Collaboration, wie sie bei „Henry VIII“ KI-gestützt bestätigt wurde, hat im Laufe der Geschichte immer mehr an Bedeutung gewonnen und ist heute im Sinne von grenzüberschreitendem Teamwork für viele Unternehmen unverzichtbar. Die All for One Group, führende IT- und Consulting-Gruppe für den Mittelstand im deutschsprachigen Raum, unterstützt sie dabei mit Lösungen wie Office 365 und fasst den Bereich unter „New Work“ zusammen.

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Quelle: Titelbild pixabay, SunPreet