27.03.2020 – Lesezeit: 5 Minuten

Prozesse / Produktion und Logistik

Corona-Krise: Wie Sie Transparenz für Ihre Supply Chain schaffen

Bei den Nachrichten über das neue Coronavirus rückt die wirtschaftliche Seite teilweise in den Hintergrund. Aber klar ist, dass globale Lieferketten bereits empfindlich gestört werden. Oberstes Gebot dabei ist: Transparenz in der eigenen Supply Chain.

Alle Meldungen und Erkenntnisse über das neue Coronavirus oder COVID-19, wie es in Fachkreisen genannt wird, sind immer nur Momentaufnahmen. Klar ist, dass seit dem 22. März 2020 wegen der exponentiell ansteigenden Ausbreitung deutschlandweit Kontaktverbote oder strenge Ausgangsbeschränkungen herrschen. In Italien, dem Land mit den meisten Infizierten in Europa und offiziell den meisten Todesfällen weltweit, hat Ministerpräsident Giuseppe Conte an dem Sonntag verkündet, praktisch die ganze Wirtschaft des Landes einzuschränken und nur noch die Produktion lebenswichtiger Güter wie Lebensmittel aufrechtzuerhalten.

Sogar Verknappung lebenswichtiger Güter

Die neuen aber auch schon vorher geltenden Einschränkungen in Frankreich bedrohen unter anderem Stofflieferungen für die Modeindustrie. Die Grenzschließungen in ganz Europa führen auch zu starken Verwerfungen in den Supply Chains für andere Güter. Davon betroffen sind unter anderem lebenswichtige Lieferungen von Schutzkleidung und Medikamenten aus dem Ausland.

Bereits im Februar ist bekanntgeworden, dass Antibiotika knapp werden, weil die – die Umwelt belastende – Erzeugung der Vorprodukte weltweit mehr und mehr nach China verlagert wurde und „Corona“ dort die Lieferketten weitgehend zum Stillstand gebracht hat. Die Herstellung wieder nach Europa oder gar nach Deutschland zurückzuholen, wäre erstens relativ teuer und zweitens sehr zeitaufwändig.

Deutschland zwischen Bangen und Hoffen

Die für Deutschlands Wirtschaft so wichtige Automobilindustrie ist besonders stark vom Coronavirus betroffen, weil ihre Lieferketten sehr stark mit China verwoben sind. In Bayern, an der dünnsten Stelle nur weniger als 70 km Autofahrt von Italien entfernt, ist Ende Januar bei dem Automobilzulieferer Webasto der erste deutsche Infizierte registriert worden. Bis 23. März waren es laut der Johns Hopkins University (JHU) bereits über 26.100 Infizierte, Platz 5 weltweit. Was die Zahl der Todesfälle angeht, ist Deutschland wesentlich glimpflicher davongekommen als viele Nachbarländer mit weit weniger Einwohnern. Mehrmals täglich aktualisierte Charts weisen darauf hin, dass sich die Ausbreitung des Virus in Deutschland zu verlangsamen scheint.

Hat sich die Zahl der Infizierten eine Woche vorher noch alle 2,8 Tage verdoppelt, waren es am 23. März nur noch alle 3,5 Tage, in den USA alle 2,1 Tage). Aber Deutschland hat nicht nur ein gutes Gesundheitssystem, sondern auch viel Glück gehabt bisher. Wie sich die Zahlen noch entwickeln werden und die neuen Maßnahmen wirken, wird die Zukunft zeigen.

Massive Auswirkungen auf Lieferketten

Zurück zu den Folgen für die deutsche Wirtschaft und den Lieferketten: Dass es zu Auswirkungen kommt, ist heute schon unübersehbar und wird nach den Maßnahmen noch spürbarer, auch wenn die Bundesregierung alles daran tut, die Folgen für Selbstständige, Unternehmen und Angestellte so weit wie möglich abzufedern. Die Lieferketten stützen sich seit Ende der 1970er-Jahre mehr und mehr auf China als verlängerte Werkbank. Auftragsfertiger von Computer-Hardware, die so wie der Apple-Partner Foxconn und die großen Notebook-Bauer Quanta und Compal überwiegend aus Taiwan kommen, haben ihre Produktion nach der Öffnungspolitik der Insel um 1990 weitgehend nach China verlagert. Gründe dafür sind nicht nur die geringen Löhne auf der anderen Seite der Taiwanstraße, sondern auch die gemeinsame Sprache, Kultur und Mentalität.

Die Deutsche Welle (DW) zeigt Zahlen von Destatis über die Abhängigkeit deutscher Importe aus China. Ganz oben sind Computer, elektrische und optische Erzeugnisse mit 37,6 Milliarden Euro, gefolgt von elektrischer Ausrüstung mit 14,8 Milliarden und Maschinen mit 9,8 Milliarden Euro. Metallerzeugnisse machen 5,2 Milliarden, Chemische Erzeugnisse 4,2 Milliarden Euro aus. Obwohl sich die Ausbreitung des Virus in China ebenfalls verlangsamt, werden die Lieferketten der „verlängerten Werkbank“ auf lange Sicht gestört bleiben. Und das liegt nicht nur daran, dass viele Werke nicht mehr ausreichend liefern können, sondern auch an der verlangsamen Liefergeschwindigkeit.

Luft- statt Schiffsfracht bringt Linderung

Die Lufthansa hat am 18. März zwar angekündigt, 95 Prozent der Flüge zu streichen, plant aber eine Ausweitung der Frachtflotte. Der deutsche Staat hat sich Ende der 1990er-Jahre mit dem Verkauf der restlichen Anteile völlig von dem Unternehmen zurückgezogen, könnte es damit aber für systemrelevant erachten und einen entsprechenden finanziellen Schutzschirm spannen. Denn damit ließen sich nicht nur Lieferengpässe aus China, sondern auch aus vielen anderen Teilen der Welt abfedern.

Tatsächlich haben bereits im Januar viele deutsche Unternehmen begonnen, wichtige Teile aus Fernost einfliegen statt per Schiffsfracht verbringen lassen. Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer rechnete Ende Februar damit, dass 2020 aufgrund der Corona-Krise nur noch knapp 77 Millionen Fahrzeuge weltweit verkauft werden – rund 7,5 Millionen weniger als 2017. So wie alle Berichte über das neue Coronavirus angesichts der dramatischen Entwicklung nur Momentaufnahmen sind, haben Einschätzungen wie diese oft auch nur kurzen Bestand.

Tier-ische Intransparanz in der Supply Chain

Das gilt auch für Aussagen von Heiko Schwarz (Riskmethods). Die von ihm präsentierten Zahlen sprechen aber für sich. Recherchen seines Unternehmens zufolge hätten 81 Prozent der produzierenden Unternehmen bereits Versorgungsprobleme durch „Corona“.  „Oft kollabiert die Supply Chain an den logistischen Knotenpunkten, also zum Beispiel an Häfen und Flughäfen“, so Schwarz.

Aber auch an anderen Stellen wie Zwischenlager, Logistikanbieter oder Sub-Lieferanten könnten die Lieferketten ins Wanken geraten. Weiter sagt er: „Für den CFO und die Risikoabteilung wird es ziemlich schwierig, die Gefahren für die Supply Chain zu identifizieren, weil die Lieferanten und Sub-Lieferanten aus Tier 2 oder 3 nicht bekannt sind. Hilfreich können dann KI-Tools sein, die Risiken in der betroffenen Lieferkette zu suchen.“ Man könnte also von einer „Tier-ischen Intransparenz in der Supply Chain“ sprechen.

Wichtig ist vor allem eine möglichst umfassende Transparenz in der gesamten Lieferkette. Fällt wegen Corona oder eines Erdbebens in Fernost die Lieferung eines wichtigen Teils vorübergehend aus und wird das elektronisch sofort übermittelt, ist es sehr viel wahrscheinlicher, sofort auf einen anderen Partner oder Transportweg auszuweichen als bei einer Nachricht per Telefon oder Fax. Manchmal bleibt die auch stunden- oder gar tagelang aus. Wie beim Super-GAU von Fukushima im März 2011 hat sich in Wuhan Ende 2019 wiederholt, dass Unglücksfälle aus Angst vor Gesichtsverlust, den Vorgesetzten oder den Parteibonzen mitunter zu lange unter den Teppich gekehrt werden. Wer meint, das könne nur in Asien passieren, der irrt sich.

SAP SCM und All for One Group als Partner

Mit dem Supply Chain Management (SCM) von SAP hält die All for One Group maßgeschneiderte Paketlösungen bereit, mit denen mittelständische Unternehmen ihre ganze Lieferkette überwachen und steuern können, um für Krisen wie COVID-19 und andere Eventualitäten gerüstet zu sein. Dazu gehören die SCM-Prozessberatung, die Supply-Chain-Planung mit SAP Integrated Business Planning (IBP), die Produktions- und Feinplanung mit SAP SCM BP/DS (Business Partner und Data Services) und die Absatzplanung mit SAP SCM DP (Demand Planning).

Mit SAP als führendem Anbieter für ERP- und SCM-Software ist die Gewähr hoch, dass sich die Systeme in der ganzen Lieferkette miteinander verstehen und über Partner wie die All for One Group aufeinander abgestimmt werden. Wie Unternehmen mit Niederlassungen in China mit der aktuellen Corona-Krise umgehen, erfahren Sie in diesem Artikel.

Quelle: Titelbild pixabay, Tumisu