Zwei Mitarbeitende entwickeln eine App

26.09.2022 – Lesezeit: 7 Minuten

Prozesse / Geschäftsführung

Low-Code: So plant Deutschland die Prozessautomatisierung

Wie weit sind deutsche Unternehmen bei den Themen Low-Code und No-Code? In welchen Bereichen wird investiert und woran scheitert Prozessautomatisierung noch?

 

Ist Low-Code eine Lösung für den Fachkräftemangel? Für welche Bereiche planen Unternehmen den Einsatz von Low-Code und No-Code und warum ist der Einsatz der neuen Technologien "für alle" gerade jetzt so wichtig und zukunftsweisend? Und nicht zuletzt Hand aufs Herz: Wieviele Unternehmen setzen Low-Code- oder No-Code-Plattformen bereits ein? Eine neue Studie des Digitalverband Bitkom liefert Antworten. Mittelstand Heute mit einem Überblick.

 

Definition: Was bedeutet Low-Code? Und was heißt No-Code?

Low-Code, ins Deutsche übersetzt „Wenig Code“ oder „Wenig Programmieren“, bedeutet im Wesentlichen die Vereinfachung der Entwicklung einer Software, welche ansonsten aufwändig programmiert werden müsste – zum Beispiel durch einfaches Zusammenklicken vorgefertigter Softwarebausteine.

Der Begriff No-Code bedeutet übersetzt „kein Code“. Die Idee dahinter ist, dass auch ungeschulte Anwender ohne Programmierkenntnisse eigene Anwendungen erstellen können.

Die Abgrenzung von No-Code zu Low-Code, das einen gewissen Programmieraufwand benötigt, ist fließend und richtet sich nach der Funktionalität der zur Verfügung stehenden Plattformen und Technologien. Low-Code-Plattformen richten sich an Developer, No-Code-Plattformen an Endbenutzer. No Code funktioniert modellgesteuert und per Plug and Play – Low-Code hingegen ist abhängiger von manueller Programmierarbeit, wenn es um die Applikationsarchitektur geht.

 

Prozesse automatisieren: Wo wird Low-Code/No-Code eingesetzt?

In welchen Bereichen nutzen deutsche Unternehmen Low-Code-/No-Code-Technologien für die Automatisierung von Prozessen? Bisher setzen 35 Prozent der Unternehmen in Deutschland auf Low-Code/No-Code – zumindest wenn es um die Automatisierung von Geschäfts- und Verwaltungsprozessen geht. Das geht aus einer Studie des Digitalverbands Bitkom hervor, der alle zwei Jahre den Grad der Digitalisierung in Deutschland abfragt. Dazu gehören:

  • Chatbots: 25 Prozent der Unternehmen in Deutschland nutzen für die Prozessautomatisierung Chatbots. Diese werden allerdings noch zum großen Teil codiert, in lediglich 2 Prozent dieser Chatbot-Anwendungen kommen Low-Code/No-Code-Lösungen zum Einsatz.
  • Künstliche Intelligenz: Nur 3 Prozent der Unternehmen in Deutschland nutzen für die Prozessautomatisierung KI. In 4 Prozent solcher KI-Anwendungen kommt Low-Code/No-Code zum Einsatz.
  • 3 Prozent der Unternehmen nutzen robotergesteuerte Prozessautomatisierung. Davon bauen lediglich 1 Prozent RPA (Robotic Process Automation) Bots ohne oder nur mit geringem Programmierungsaufwand.
  • Das Workflow Management zur Automatisierung von Freigabe- und Verwaltungsprozessen ist mit 20 Prozent eine weitere gängige Automatisierungsmöglichkeit. Hier nutzen 10 Prozent Low-Code/No-Code.
  • 21 Prozent der Unternehmen in Deutschland automatisieren einzelne Arbeitsschritte durch die automatische Erkennung von eingehenden Dokumenten und Informationen. Davon nutzen 27 Prozent Low-Code/No-Code.

 

Zum Thema: Per Low Code in 4 Schritten zum Digital Workplace mit der Microsoft Power Platform! (Quelle: All for One Group/YouTube)

 

An welchen Faktoren scheitert die Automatisierung noch?

Die zurückhaltende Nutzung von Technologien zur Automatisierung von Prozessen ist auf den Ressourcen- und Fachkräftemangel in vielen Unternehmen zurückzuführen. Das zeigen die Ergebnisse der Studie deutlich:

  • 73 Prozent der Befragten bezeichnen den hohen Investitionsbedarf als größte Hürde bei der Digitalisierung. Das sind 21 Prozent mehr als in der letzten Befragung vor der Pandemie aus dem Jahr 2018.
  • Knapp 64 Prozent der Unternehmen beklagen, dass sie über zu wenig qualifiziertes Personal für die Umsetzung von Digitalisierungsprojekten verfügen – das sind 14 Prozent mehr als noch vor vier Jahren. Einmal mehr zeigt sich, dass Unternehmen in Zukunft mithilfe von Low-Code/No-Code vermehrt Fachbereichsmitarbeitende dazu befähigen müssen, Prozesse und Applikationen unabhängig der IT zu entwickeln.
  • Dabei ist die Grundlage für die Anwendung von Low-Code/No-Code-Plattformen durchaus gegeben. In jedem vierten Unternehmen werden Digitalisierungsprojekte federführend von Fachbereichsmitarbeitenden getrieben, die sich in der Regel mit den für sie relevanten Unternehmensprozessen und -applikationen am besten auskennen. Vereinfachtes Entwickeln mit der Unterstützung von Low-Code/No-Code könnte diese Projekte deutlich beschleunigen.
  • Die Aus- und Fortbildung der Mitarbeitenden aus den Fachbereichen haben jedoch bei fast einem Drittel der Unternehmen keine Priorität. Knapp 30 Prozent gaben gar an, nicht in die Weiterbildung von Beschäftigten zu investieren.

 

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Fazit: Prozesse beschleunigen, Anwendungen praxisnah entwickeln

Das Potenzial von Low-Code-No-Code für die Automatisierung von Prozessen ist unbestritten und die anhaltende Beschleunigung der Digitalisierung wird den Trend noch einmal verstärken. Low-Code/No-Code-Plattformen legen Problemlösungskapazitäten in die Hände von Nicht-IT-Fachleuten, sodass vor allem Fachbereichsmitarbeitende schneller und einfacher in der Lage sind, Geschäftsanwendungen und Prozesse nach ihren eigenen Vorstellungen zu erstellen, die ihnen bei ihrer Arbeit helfen. Low-Code-/No-Code beschleunigt die Entwicklung und Bereitstellung von Anwendungen – ein entscheidender Faktor im digitalen Zeitalter, in dem Kunden und Mitarbeiter immer mehr Geschwindigkeit gewohnt sind und diese auch für Prozesse einfordern.

Details zur Studie:

Der Digital Office Index ermittelt im Auftrag des Bitkom den Grad der Digitalisierung von Büro- und Verwaltungsprozessen in Deutschland. Gefragt wurden 1.203 Unternehmen und Organisationen der öffentlichen Verwaltung in Deutschland. Diese hatten mindestens 20 Mitarbeitende im Zeitraum Dezember 2021 bis Januar 2022. Zu den Studienteilnehmern zählen Geschäftsführer, Vorstände, Behördenleiter, Leiter Digitalisierung (CDO), Leiter Informationstechnik (CTO), Leiter operatives Geschäfts (COO) und Leiter Finanzen (CFO). Hier geht es zur kompletten Studie.

 

Quelle Aufmacherbild: Gorodenkoff/stock.adobe.com