Komplexität ordnen, Effizienz heben: Warum für Mittelständler ein Target Operating Model (TOM) das Steuerungs- und Organisationskonzept der Wahl sein kann.
Die Wettbewerbsbedingungen des 21. Jahrhunderts stellen hohe Anforderungen an die Unternehmen. Wer seine Organisation so aufstellt, dass sie der Dynamik und Komplexität internationaler Märkte bestmöglich begegnen kann, ist derzeit klar im Vorteil. Mit dem Target Operating Model, kurz TOM, stellt Executive Director Marcus Baur eine Blaupause vor, die insbesondere Unternehmen mit einer Vielzahl von Ländergesellschaften, Tochterunternehmen oder Business Units verlässlich den Kurs Richtung Zukunft weist.
Zwar klingt TOM verdächtig nach einem kurzlebigen Management-Hype und einem dieser inflationär gebrauchten Drei-Buchstaben-Versprechen, die sich rasch abnutzen und in Vergessenheit geraten. Aber genau darum handelt es sich beim Target Operating Model nicht. Im Gegenteil. TOM bewährt sich bereits seit Jahrzehnten in vielen Unternehmen – genauer gesagt seit der Business-Reengineering-Debatte der 1980er- und 1990er-Jahre¹. Für diese Beständigkeit gibt es gute Gründe. Denn das Modell eröffnet einen Gestaltungsraum für organisationale und strategische Exzellenz. Mit einem TOM schaffen es Unternehmen, selbst verzweigte und international agierende Organisationen in einen strategischen Gleichschwung zu versetzen. Dabei bedeutet TOM nicht mehr – aber auch nicht weniger –, als eine Organisation im Kontext der aktuellen Markt- und Unternehmensveränderungen gründlich zu überprüfen und ein neues Zielbild zu entwickeln. Es gilt, eine Struktur zu beschreiben, in der Ländergesellschaften, Business Units und Tochterunternehmen optimal zusammenarbeiten und die Bedürfnisse ihrer jeweiligen Stakeholder erfüllen können.
TOM setzt genau an den Schmerzpunkten an, die viele mittelständische Unternehmen aktuell spüren. Sie haben lange und erfolgreich in historisch gewachsenen Strukturen gearbeitet, stoßen jedoch nun an ihre Grenzen. In den diversen Gebilden aus unterschiedlichen Gesellschaften, Geschäftsfeldern und Marken geht Transparenz verloren, und die strategische Steuerung wird immer schwieriger. Wenn jede Einheit „ihr eigenes Ding“ macht, lassen sich die PS nur schwer auf die Straße bringen. Es sagt sich leicht daher, dass das Ganze mehr sein soll als die Summe seiner Teile.
Doch genau dabei hilft TOM den Unternehmen, die ihre Wettbewerbsposition festigen möchten. Mit einem TOM können sie Skaleneffekte schneller heben als bisher, Entscheidungs- und Innovationsprozesse beschleunigen sowie ihre einzelnen Geschäftseinheiten geschickt synchronisieren. Die Stringenz und Effizienz der Aktivitäten in allen Märkten – ob Absatz- und Beschaffungsmärkte oder Human Resources, ob national oder international – kann mit einem TOM deutlich gesteigert werden. Nicht zuletzt profitieren die Unternehmen von gut strukturierten und digitalisierten End-to-End-Prozessen, ohne die ein effektives TOM nicht denkbar ist.
So lassen sich aktuelle Schlüsselfragen der Unternehmensführung mit einem TOM als methodisch gesicherten Framework gezielt adressieren:
In diesem Kontext lenkt das Target Operating Model das Augenmerk auf einen besonders wirksamen Hebel der Organisations- und Steuerungsentwicklung: Die Aufbauorganisation wird aus der Ablauforganisation entwickelt – inklusive einer unternehmensweit einheitlichen Logik aus Prozessen, Rollen und Verantwortung. Diese Vorgehensweise hilft den Unternehmen dabei, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren und die komplette Handlungs- und Entscheidungsmechanik neu zu definieren.
Am Anfang steht das Projekt-Setup, für das Verantwortlichkeiten geklärt und Ziele definiert werden. In der Regel geht es auch darum, eine Unternehmensberatung als fachkundige und neutrale Begleiterin des Transformationsprozess auszuwählen. Der Blick von außen ist immer hilfreich, wenn Konflikte aufgelöst, Führungszuständigkeiten verändert und neue Prioritäten gesetzt werden müssen.
Es menschelt halt. Und nichts ist hinderlicher für einen tiefgreifenden Wandel als der Widerstand von Mitarbeitenden und Führungskräften, die sich übergangen oder missverstanden fühlen. Veränderung wird immer subjektiv wahrgenommen und nur bedingt am objektiven Handlungsdruck messbar. Die Arbeiten am TOM sollten deshalb von Beginn an mit einem Change-Management-Prozess unterstützt werden, damit die Menschen und Organisationseinheiten auf dem Weg in eine neue Zukunft mitgenommen werden.
Eine typische Roadmap zu einem TOM folgt – grob beschrieben – diesen vier Schritten:
Diese Roadmap zeigt: Ein TOM ebnet den Weg zu einem ganzheitlichen Transformationsprozess. Neben Strukturen und Prozessen umfasst dieser auch die Kultur, das Führungsverständnis und die Entscheidungswege des Unternehmens. Das Ziel ist jeweils ein organisationsweiter Standard, der auf Skalierbarkeit ausgelegt ist. Das bedeutet: Wenn das Unternehmen weiter wächst oder – Stichwort Mergers and Acquisitions (M&A) – neue Einheiten hinzugewinnt, leitet der Blueprint die organisationale Integration.
Allerdings gilt: Kulturelle und rechtliche Besonderheiten in internationalen Märkten erfordern mitunter pragmatische Ausnahmen von den Regeln. Sonderlösungen für einzelne Länder, Märkte oder regulatorische Anforderungen sind durchaus zulässig – solange sie klar begründet werden und möglichst temporär angelegt sind. Grundsätzlich beruht ein TOM auf wiederholbaren Mustern und verlässlichen Absprachen, die für eine konsistente Architektur sorgen. So verhindert ein TOM, dass sich Unternehmen bei der Suche nach punktuellen Effizienzgewinnen verzetteln. Vielmehr birgt ein mutig und radikal angelegter TOM-Prozess das Potenzial, das gesamte Unternehmen auf ein höheres Leistungs- und Geschwindigkeitsniveau zu heben. Für die angespannte Wettbewerbs- und Wirtschaftslage der Gegenwart ist dies genau das richtige Rezept.
Redaktionelle Unterstützung: Bettina Dornberg & Christoph Berdi (die „Identitätsstifter“).