01.02.2021 – Lesezeit: 3 Minuten

Human Resources / Impulse

Wie Verhaltensfreiheit zu höherer Mitarbeiter-Produktivität führt

Wann sind Mitarbeiter/innen am Arbeitsplatz kreativ? Spontane Antworten darauf lauten häufig „Mehr Zeit“, „Schöner Raum“ oder „Verhalten von Vorgesetzten“. Eine IQudo-Studie zeigt nun allerdings, dass andere Themen wie Verhaltensfreiheit viel wichtiger sind.

Vor allem im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz (KI) ist menschliche Kreativität immer noch ein entscheidender Faktor für Unternehmenserfolg. Erst Ideen von Mitarbeiter/innen ermöglichen einen Unternehmenswandel und sorgen schon heute für die Innovationen von morgen. Leider fühlen sich viele in ihrem Aufgabenbereich kreativ nicht genug ausgelastet. Als Gründe dafür werden oft die üblichen Verdächtigen genannt: keine Zeit, zu viel Ablenkung und unkreative Raumgestaltung.

Raumgestaltung ist unwichtig

Die IQudo Ideenfindungsstudie 3.0 (PDF) in Zusammenarbeit mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) offenbart allerdings ganz andere Gründe, die auf den ersten Blick nicht offensichtlich scheinen. Von 155 befragten Ingenieuren („Warum haben Sie Ihre besten Ideen im Büro?“) der Daimler AG des Mercedes-Benz-Centers in Sindelfingen führt kein einziger seine genialen Einfälle auf die Raumgestaltung zurück. Auch der Faktor Zeit spielt eine untergeordnete Rolle und landet mit nur zehn Prozent der Nennungen auf dem vorletzten Platz.

Top 5 Antworten, warum Mitarbeiter/innen ihre besten Ideen im Büro haben

Neben den Top 3 „Leidenschaft“, „Inspirierende Kollegen“ und „Geforderte Kreativität“ gilt es, ein besonderes Augenmerk auf den noch jungen Begriff „Verhaltensfreiheit“ (Platz 4) zu richten. „Unter Verhaltensfreiheit versteht man ungezwungenes Verhalten“, so Robert Gerlach, Betreuer der Studie. „Dieser Ansatz stammt von der Hippie-Bewegung aus den 60ern und gilt heute noch als Innovationsmotor im Silicon Valley. Wer sich frei verhalten kann, fühlt sich enthemmt und lockert kognitiv starre Denkstrukturen.“

Leidenschaftliches Arbeiten

Auf Platz 1 des Out-of-the-box-Denkens im Büro befindet sich ein individueller Grund: Mehr als jeder Zweite nannte „Leidenschaft für den Job“ als Inspirationsquelle. Innovatives Denken im Büro gedeiht also dann, wenn der Verhaltenskorridor breiter gestaltet und kreative Lösungen eingefordert werden. Dies setzt eine Vertrauenskultur voraus. Können Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihrer Entdeckungslust frei folgen, ist die Leidenschaft nicht weit entfernt.

Wann sind wir kreativ?

Individuelle Kreativität wird meist mit Eigenschaften wie Talent, Flexibilität und Intelligenz assoziiert. Dazu kommt häufig auch, genügend Zeit und Ruhe für Ideen zu haben. Ideen am Arbeitsplatz entstehen indes anders, denn dabei beflügeln oft sozio-kulturelle (Unternehmens-)Faktoren wie Teamgröße, Gruppeneinteilung und Unternehmenskultur den Einfallsreichtum der kreativen Ingenieure. Dadurch stellt sich die Frage: Warum wird Verhaltensfreiheit höher bewertet als Raumgestaltung?

Raumgestaltung am Arbeitsplatz bedeutet viel, aber nicht alles

Hier hilft ein Blick in die Geschichte des Silicon Valleys. Das Mindset der kalifornischen (Jung-)Unternehmen fußt auf dem California Dreamin’, das seinen Ursprung im Goldrausch von 1848 hat. In der Hoffnung auf ein besseres Leben strömten die Menschen damals in Scharen gen Westen. Die Westküste versprach (noch) keine Gesetze, schnellen Reichtum und endlose Freiheit.

Es war also auch der Wunsch nach Verhaltensfreiheit, der die Menschen von der stark traditionellen Ostküste wegtrieb. Dieses Phänomen lässt sich heutzutage auch im Unternehmensumfeld beobachten: Mitarbeiter/innen bzw. Bewerber/innen wünschen sich zunehmend den Bruch „klassischer Hierarchien“ mit dem Wunsch nach Selbstverwirklichung und (Verhaltens-)Freiheit.

Wie fördern Unternehmen Verhaltensfreiheit?

Kreativitätsforscher und Studienbetreuer Gerlach vermittelt Verhaltensfreiheit in Unternehmen mit einem einfachen Bild: „Wenn in einem Büro ein Sofa steht, ist das eben nicht nur zum Sitzen, sondern auch zum Schlafen da. Wenn ich mich ein paar Minuten ausruhen und die Augen zumachen möchte, um danach erholter und produktiver zu sein, warum sollte ich das nicht tun dürfen.“ Tatsächlich ernten Mitarbeiter/innen heutzutage immer noch schiefe Blicke, wenn sie sich für ein paar Minuten „abseilen“.

Gerlach rät dem oberen Management, sogenannte Bubble Spaces anzubieten. Das sind Räume, in denen sich jeder frei verhalten kann, ohne dabei andere zu stören. Ob jemand seine Bubble nutzt, um zu singen, Ball zu spielen oder laut zu lachen spielt dabei keine Rolle. Kindisch sein ist durchaus erlaubt, denn Ausbrüche dieser Art sind laut Gerlach „ein perfektes Ventil, um Termin-, Zeit- und Aufgabendruck abzulassen“ – Verhaltensfreiheit eben.

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Quelle: Titelbild unsplash, Bruce Mars / Artikelbild New Work Edge Olympic, EO Vero