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25.05.2018 – Lesezeit: 6 Minuten

Human Resources

Wie Sie peinliche Pannen beim Geschäftsessen vermeiden

Ob Sie selbst einladen oder eingeladen wurden – es gibt ein paar Regeln für gutes Benimm bei Geschäftsessen. Mittelstand.Heute zeigt, was sich laut Business-Knigge bei einem solchen Anlass schickt und was nicht.

Bei Benimmregeln denken alle sofort an Knigge. Dabei wurde der Schriftsteller und Aufklärer Adolph Freiherr Knigge (1752-1796) zum Anstandswauwau wider Willen. Denn in seiner berühmten Schrift „Über den Umgang mit Menschen“ ging es ihm gar nicht um Etikette, sondern darum, wie man zum Beispiel Geistlichen oder Eltern begegnen soll.

Das nur als Einleitung. Christina Tabernig und Anke Quitschau von der Agentur korrekt!, haben in der Computerwoche als Beraterinnen und Etikette und Business-Knigge dargelegt, was einen guten Gastgeber bei einem Geschäftsessen ausmacht, wie man mit guten Tischmanieren punkten kann und was vermieden werden sollte. Dazu gehört natürlich auch angemessene Kleidung. Mittelstand.Heute hat das eine oder andere ergänzt, die Tischmanieren zum Beispiel.

Die Gesprächspartner im Blick haben

Vor dem Dinner gereichten Brote oder Brötchen sollten Sie häppchenweise verzehren (Quelle: unsplash/ Ken Lawrence).

Über manch einen Fauxpas denkt man vielleicht gar nicht nach. Die vor dem Dinner gereichten Brote oder Brötchen sollten Sie zum Beispiel nicht wie Stullen beschmieren, um sie sich im Ganzen in den Mund zu schieben, sondern höchstens häppchenweise. Für die anderen Gäste sollte zudem genügend übrigbleiben. Das ist noch ein vergleichsweise kleines „Fettnäpfchen.“ Andere sind offensichtlicher, können aber den Beraterinnen zufolge mitunter galant gelöst werden. Viele konzentrieren sich zum Beispiel mehr auf die richtige Besteckreihenfolge, statt auf die Gesprächspartner oder auf den Inhalt des Geschäftstermins. Wer als Gastgeber oder Gast um die richtige Besteckreihenfolge weiß (siehe Kasten), ist natürlich auf der sichereren Seite.

Kein Drama aus einem Fleck machen

Kleckern tun nicht nur die Kleinen, sondern das kann auch einem noch so gut erzogenen Erwachsenen passieren. In dem Fall heißt es, entspannt zu bleiben und nicht panisch zu versuchen, dem Fleck auf der Tischdecke mit Salzstreuer oder Dekoration zu übertünchen. Ist etwas von der guten Bratensoße oder vom Rotkohl gar auf ihrem Hemd oder ihrer Bluse gelandet und Sie merken es, ignorieren Sie es entweder oder stehen Sie mit einem um Entschuldigung heischenden Lächeln auf, um den Fleck in der Toilette so gut es geht zu entfernen. Aber passen Sie auf, dass er dabei nicht noch größer wird.

Flutscht ein Salatblatt oder ein Stück Fleisch vom Tellerrand sollten Sie es wieder zurück auf den Teller legen. Fällt etwas auf den Boden, sollten Sie es liegenlassen und nicht unter den Tisch krabbeln. Ist eine Serviette oder eine Gabel auf dem Boden gelandet, lassen Sie sich eine neue geben. Ein guter Service wird dem Wunsch sofort entsprechen.

Kein Geschrei um das Haar in der Suppe

Stimmt etwas mit dem Essen nicht, teilen Sie es dem Service im ruhigen Ton mit (Quelle: unsplash/ ZHU GUOYONG).

Es gibt Menschen, die sind das geborene Opfer und finden tatsächlich immer das berühmte Haar in der Suppe. Stimmt etwas mit dem Essen nicht, rufen Sie den Service und teilen ihm das im ruhigen Ton mit. Ein lautes Getöse darum zu machen, ist auch den Gastgebern und anderen Gästen gegenüber unhöflich. Sie können natürlich den direkten Tischnachbarn fragen, ob ihm die Suppe auch zu scharf ist, um darüber ein vorher vielleicht nicht zustande gekommenes Gespräch aufzunehmen. Aber geben Sie dem Personal auch eben in gedämpften Ton Gelegenheit, Abhilfe zu schaffen. Fällt das Haar im Salat oder in der Suppe erst nach dem Essen auf, sollte der Kellner umgekehrt neben einer Entschuldigung auch eine Wiedergutmachung parat haben.

Der richtige Umgang mit unaufmerksamer Bedienung

In vielen Gaststätten hat man den Eindruck, das Erste, was das Servicepersonal lernt, ist es, die Kunden zu ignorieren und über einen vorsichtig erhobenen Zeigefinger eine „gefühlte halbe Stunde“ hinwegzuschauen.

Bei einem Business Dinner in einem mehr oder weniger gehobenen Restaurant darf das natürlich nicht sein. Dann wäre es aber Aufgabe des Gastgebers, „aktiv Regie zu führen“, um den Gästen den Restaurantbesuch so angenehm wie möglich zu machen. Allerdings sollte das Gespräch mit dem Ober oder der Chefkellnerin an der Bar unter vier Augen und so stattfinden, dass niemand dadurch gestört wird. Fühlt sich ein Gast übergangen, sollte er dies nicht durch den Raum „plärren“, sondern dies möglichst im Flüsterton entweder der Bedienung oder einer der Empfangskräfte der einladenden Partei sagen, nicht aber den Chefs. SAP-CEO Bill McDermott oder Satya Nadella von Microsoft würden sich zum Beispiel „bedanken“, wenn sie damit behelligt würden.

Menüauswahl

Gute Restaurants und Gastgeber fragen vorher, ob jemand Vegetarier oder gar Veganer ist und ob es sonst irgendwelche Präferenzen gibt. Bei der Wahl der Gerichte und Salate sollte im Sinne der Gäste darauf geachtet werden, dass die Speisen wie bei Fleischspießen und bestimmten Salaten nicht zu leicht vom Tisch „flutschen“ oder in den Zähnen hängen bleiben können. Hält sich der Speiserest hartnäckig in einer Zahnlücke, nehmen Sie nicht den Finger zur Hand, sondern fragen Sie dezent nach einem Zahnstocher. Wenn Ihnen als Gast etwas nicht schmeckt, lassen Sie es einfach liegen und warten Sie, bis abgedeckt wird. Sich einen Gang nicht servieren zu lassen, ist den beiden Benimmexpertinnen zufolge keine gute Lösung, weil der Gastgeber meist erst mit dem Essen startet, wenn allen serviert wurde.

Handy-Knigge und was tun bei „Störfunk“ vom Nachbartisch

Stellen Sie Ihr Handy auf lautlos und lassen Sie es am besten in Ihrer Tasche (Quelle: unsplash/ rawpixel.com).

Ein Geschäftsessen sollte für alle Teilnehmer eine „heilige“ Sache sein. Es gehört sich daher, Smartphone aus oder leise zu stellen. Da das Handy vielfach als Barriere empfunden wird, ist es auch unhöflich, es bei einem Business Dinner auf den Tisch zu legen. Wer einen wirklich dringenden Anruf erwartet, die Nachricht vom Nachwuchs aus dem Kreißsaal etwa, kann das vom Gastgeber oder Gast vom gehobenen Management vielleicht vorher ankündigt werden, nicht aber vom Praktikanten. Brummt es in der Hand- oder Jackentasche, werden Sie bei einem Anruf nicht hektisch, sondern stehen Sie mit einem höflichen Lächeln auf und verlassen Sie zum Telefonieren den Raum oder klicken Sie den Anruf weg. Waren Sie gerade in ein Gespräch verwickelt, bitten Sie den Tischnachbarn um Verzeihung und lassen Sie ihn nicht buchstäblich „im Regen stehen“.

In jedem Fall ist Diskretion angesagt. Das gilt auch, wenn Sie sich durch ein Handytelefonat vom Nachbartisch gestört fühlen. Um eine Konfrontation zu vermeiden, empfehlen die Knigge-Expertinnen im CW-Artikel, das Servicepersonal zu bitten, höflich einzugreifen. Idealerweise wird der andere Gast dann so freundlich sein, das Gespräch zu beenden oder es draußen weiterzuführen. Das gilt natürlich auch für Sie, wenn Sie angerufen werden (siehe oben).

Langweilige Tischnachbarn

Ein langweiliger Tischnachbar oder „Schweigen im Walde“ am Tisch kann eine Qual sein. Aber dann sollten Sie versuchen, selbst die Initiative ergreifen und eine Geschichte oder Wissenswertes zum Besten geben. Gut eignen sich dafür klassische Smalltalk-Themen wie Urlaub, Freizeit, Hobbies und Wochenendplanungen oder Kinotipps. Je nachdem, welcher Partei (Gast oder Gastgeber) man zugehört, kann man auch versuchen, ein möglichst unverfängliches Gespräch über die jeweils andere Firma oder über gemeinsame Erfolge aufzunehmen. Unhöflich wäre aber, den Tischnachbarn vor den Kopf zu stoßen oder in eine peinliche Situation zu bringen. Wenn alles nicht hilft, können Sie sich eventuell in ein anderes Tischgespräch einklinken und versuchen, die Konversation so zu lenken, dass der wortkarge Tischnachbar mit eingebunden wird. Unhöflich wäre allerdings, während der Menüfolge den Sitzplatz zu wechseln. Erst bei Kaffee dürfen Sie die Sitzordnung auflösen.


Tischmanieren…

… gehören zur guten Kinderstube und wurde in dem Computerwoche-Beitrag nur angerissen. Hier ein paar Grundregeln: Lassen Sie sich bei einem offiziellen Essen nicht einfach auf einen Stuhl nieder, sondern dazu einladen. Sitzen Sie gerade und halten Sie beim Essen die Arme im 90-Grad-Winkel auf dem Tisch, der Ellbogen gehört dabei nicht darauf. Legen Sie die Serviette in den Schoß. Laden Sie sich bei einem Büffet nicht zu viel auf einmal auf. Trinken Sie von alkoholischen Getränken in Maßen, um nicht die Kontrolle zu verlieren. Warten Sie auch besser, bis der oder die Gastgeber Ihnen zuprosten, bevor Sie zum Glas greifen, Weingläser mit Stil und nicht am ganzen Stiel.

Halten Sie das Besteck nicht in der ganzen Faust, sondern eher wie einen Stift zwischen Daumen und Zeigefinger, das Messer beim Schneiden links, die Gabel rechts. Kratzen oder stochern Sie damit nicht auf dem Porzellan herum. Messer und Gabel in der Uhrzeigerstellung 20 nach 4 parallel bedeutet, Sie sind fertig mit dem Gang; 20 nach 8 mit sich berührender Messer- Gabelspitze, Sie essen noch und machen eine Pause; 20 nach 8 mit Messer und Gabel mittig gekreuzt, Sie wünschen einen Nachschlag. Lange Nudeln bitte nicht schneiden, sondern vorsichtig mit der Gabel in der rechten Hand aufwickeln, zur Not unter Zuhilfenahme eines Esslöffels. Kartoffeln quetschen kann ins Auge gehen und schickt sich nicht beim Dinner. Reden Sie nicht mit vollem Mund. Den Teller bitte nicht abschlecken oder mit dem Finger die Reste klauben. Anders als zu Martin Luthers Zeiten und in einigen fernen Ländern sind Aufstoßen und Flatulenzen am Tisch ein absolutes Tabu.


 

Quelle Titelbild: unsplash/ Eduardo Roda Lopes