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22.03.2019 – Lesezeit: 3 Minuten

Human Resources / Impulse

4-Tage-Woche: Arbeitsmodell der Zukunft?

International werden in vielen Unternehmen und Verbänden Forderungen nach einer Viertagewoche laut. Auch Unternehmen in Deutschland und Österreich haben mit einem solchen Modell bereits positive Erfahrungen gemacht.

Vier Tage arbeiten und drei Tage frei, das klingt für viele Angestellte wie ein Traum. Tatsächlich gibt es eine wachsende internationale Bewegung, die genau dieses Thema vorantreibt. Der britische Gewerkschaftsverband Trade Union Congress (TUC) hat vor wenigen Monaten die Forderung nach einer Viertagewoche mit 28 Stunden Arbeitszeit bei höherer Bezahlung erhoben. Technologische Fortschritte sollen dies ermöglichen.

In einem Feldversuch in Neuseeland wurde die Viertagewoche bei vollem Lohnausgleich von den Beschäftigten als überwältigender Erfolg verbucht, und auch in Schweden wird aktuell mit einer täglichen Arbeitszeit von sechs Stunden experimentiert.

Start-ups und Handwerkbetriebe gehen voran

Auch in Deutschland und Österreich bekennen sich einige Firmen zur Viertagewoche, darunter die Comdirect Bank. Besonders beliebt ist das Konzept der Viertagewoche bei jungen Start-ups. Auch einige Handwerksbetriebe, die mit Fernpendlern arbeiten, haben die Viertagewoche für sich entdeckt, weil sie so deren lange Anfahrtszeiten kompensieren können. Um dennoch auf dieselbe Anzahl an Wochenstunden zu kommen, wird die tägliche Arbeitszeit auf 9,25 Stunden verlängert, so wie im Unternehmen von Marcus Gaßner. Der Handwerker bietet seinen Gesellen das Arbeitszeitmodell bereits seit eineinhalb Jahren an und hat in dieser Zeit überaus positive Erfahrungen gemacht – insbesondere, wenn es darum ging, neue Mitarbeiter zu gewinnen.

Mitarbeiter können an ihrem freien Tag einkaufen und Behördengänge erledigen, was vielfach begrüßt wird. Die Viertagewoche wirkt sich in der Regel positiv auf die Work-Life-Balance aus, denn es bleibt mehr Zeit für Familie, Freunde und Freizeit. Ein weiterer Vorteil der Viertagewoche liegt in einer erhöhten Attraktivität des Arbeitgebers, was im „Global War for Talents“ (> hier mehr dazu) durchaus ein Argument ist. Die höhere Mitarbeiterzufriedenheit soll für eine bessere Produktivität sorgen. Das klingt in der Theorie gut, funktioniert aber nicht immer.

Deutsche wollen weniger arbeiten

In der internationalen Studie „The Case for a 4-Day Workweek?“ von The Workforce Institute at Kronos Incorporated wurde ermittelt, dass die Deutschen gewillt sind, einen Tag weniger zu arbeiten und dadurch sogar 20 Prozent weniger Gehalt in Kauf nehmen würden. Vor allem in Deutschland haben viele Beschäftigte den Eindruck, dass sie ihre Arbeitszeit nicht effizient nutzen. Zeitfresser sind Meetings, administrative Aufgaben ohne Mehrwert für das Unternehmen, E-Mails und Kundenfragen.

Insbesondere die jüngeren Jahrgänge, Millenials oder Generation Z genannt, fordern geringere Arbeitszeiten. Dr. Steffi Burkhart, Millenial-Sprecherin und Beirat des Workforce Institute Europe at Kronos, erklärt: „Diese Studie zeigt auch auf, dass die verschiedenen Generationen ihren Arbeitstag anders strukturieren und Ablenkungen oder Zeitfresser unterschiedlich beurteilen. Weltweit sind die Millenials am stärksten davon überzeugt, ihre Arbeit in unter 7 Stunden am Tag erledigen zu können, solange sie nicht unterbrochen werden. Gleichzeitig sind es auch die Millenials, die neben Gen Z ihr Privatleben oft durch die Arbeit gestört sehen. Die Millenials stellen mittlerweile einen Großteil der arbeitenden Bevölkerung dar, so dass Unternehmen darauf achten sollten, wie sie die Arbeitszeit so flexibel gestalten können, dass die verschiedenen Generationen effektiv und zufrieden arbeiten können.“

Tipp: Steuerrecht nutzen

Tatsächlich begünstigt das deutsche Steuerrecht das Modell, weniger zu arbeiten und zu verdienen, am Ende aber trotzdem nur eine geringe Nettoeinbuße verkraften zu müssen. Wenn beispielsweise ein Durchschnittsarbeitnehmer 3.441 Euro brutto verdient und seine Arbeitszeit und gleichzeitig sein Gehalt um jeweils 20 Prozent reduziert, also auf 2.753 Euro, steigt sein Nettostundenlohn von 12,50 Euro auf 13,10 Euro. 

Das reicht zwar nicht ganz aus, um den Verlust zu kompensieren. Wenn ein Arbeitgeber jedoch hinter dem Modell der Viertagewoche steht, gibt es für ihn eine Reihe von Möglichkeiten, Mitarbeiter mit steuerfreien Anreizen zu entschädigen. Das können Gutscheine, Urlaubszuschüsse oder Diensthandys sein und nicht zu vergessen, ein zusätzlicher Tag Freizeit in der Woche.

Wie Sie neue Konzepte in Ihrem Unternehmen am besten umsetzen, erklärt New-Work-Experte Jörg Mecke vom IT-Beratungshaus All for One Steeb im Interview.

Quelle: Titelbild pixabay, Myriams Fotos