Logistik rund um Corona Impfstoffe 2 LKWs

09.02.2021 – Lesezeit: 3 Minuten

Produktion und Logistik / Technologie

Use Case: Wie SAP bei der Verteilung der Corona-Impfstoffe mitwirkt

Es ging ein Aufatmen um die Welt, als im Spätherbst 2020 nach nur etwa neun Monaten die ersten Vakzine gegen COVID-19 in Sicht waren. Neben der Produktion ist aber auch die Verteilung der Impfstoffe entscheidend. SAP bildet hier einen wichtigen Baustein in der globalen Lieferkette.

Die Corona-Fallzahlen waren in vielen Ländern so erschreckend hoch, dass die Nachricht von den ersten Impfstoffen weniger als ein Jahr nach dem ersten bekannten Fall weltweit gefeiert wurde. Doch es zeigte sich bald, dass die Verfügbarkeit der Vakzine nicht nur von der anfangs noch etwas schleppenden Produktion, sondern auch von der Verteilung abhängt. Denn damit die empfindlichen Vor- und Endprodukte nicht ihre Wirkung verlieren, müssen sie bei zweistelligen Minusgraden gelagert und transportiert werden.
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Damit unter diesen Bedingungen die Lieferketten in der globalen Logistik nicht abreißen, sind dafür eine Reihe von Voraussetzungen nötig. Die richtigen Räumlichkeiten und transportablen Kühlbehälter gehören laut SAP ebenso dazu wie belastbare Prozesse, geschultes Personal und ein leistungsstarkes Liefernetzwerk. Ein ganz entscheidender Faktor ist aber auch das Thema Sicherheit.

Blockchain für die lückenlose Nachverfolgbarkeit

Sicherheitsbehörden und Transportversicherer, mitunter hoch spezialisiert, sind seit Monaten in Alarmbereitschaft, weil die Gefahr besteht, dass Corona-Impfstoffe und ihre Vorprodukte nicht rechtzeitig ankommen, dabei ihre Wirkung verlieren, gestohlen, gefälscht oder gepanscht werden.

Die Lieferketten fälschungssicher lückenlos nachvollziehen zu können, ist daher das A und O bei der Verteilung der Corona-Wirkstoffe. Kaum eine Technologie ist für diese lückenlose, fälschungssichere Nachverfolgung so gut geeignet wie die Blockchain, die angesichts des neuen Bitcoin-Hochs wieder in aller Munde ist. Auch als Distributed-Ledger- oder verteiltes Kontobuch-Technologie bezeichnet, enthält in einer Blockchain jeder Block einen kryptographischen sicheren Streuwert oder Hash des vorhergehenden Blocks. Wird irgendwo der Versuch gemacht, einen der Blöcke zu manipulieren, fliegt dieser sofort auf, weil alle Hashwerte nicht mehr stimmen und die ganze Kette an der betreffenden Stelle zerreißt.
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SAP-Lösungen für die Serialisierung und Verteilung der Vakzine

Der amerikanische Hersteller Moderna greift zusammen mit Lösungen von SAP Digital Supply Chain für die Rückverfolgbarkeit der ganzen Lieferkette auf eine solche Blockchain-Technologie zurück. Die SAP-Lösungen dienen Moderna auch dazu, die Serialisierung (Zuweisung von Seriennummern und entsprechenden Strichcodes) und Verteilung neuer Corona-Wirkstoffe wie den sehr erfolgversprechenden Impfstoffkandidaten mRNA-1273 auf Basis der Boten-RNA (mRNA).

Aus dem SAP-Baukasten für den Pharmabereich, die Moderna für die Verteilung der Lieferketten und deren lückenlose Überwachung einsetzt, ragen zwei Produkte heraus: SAP Advanced Track Trace for Pharmaceuticals und der SAP Information Collaboration Hub for Life Sciences.

SAP Advanced Track Trace for Pharmaceuticals verhindert, dass gefälschte Medikamente in den Handel und zu den Patienten gelangen und hilft Moderna somit dabei, internationale Vorschriften einzuhalten. Mit der Anwendung kann Moderna ein unternehmensweites Serialisierungsverzeichnis erstellen und auf Funktionen für Berichte an die zuständigen Behörden zurückgreifen.

SAP Information Collaboration Hub als Cloud-Partnernetzwerk

Für die Zusammenarbeit mit allen Partnern in der Lieferkette – einschließlich Auftragsfertiger und Großhändler – baut Moderna auf das SAP Information Collaboration Hub for Life Sciences. In diesem Public-Cloud-Netzwerk für pharmazeutische Lieferkette können alle Partner gewaltige Mengen von Serialisierungsdaten und der zugehörigen Rückverfolgbarkeitsdaten austauschen. Und für die Einhaltung der US-Vorschriften setzt Moderna dabei auf besagte Blockchain-Technologie, um auch im Fall von Retouren und verdächtig erscheinenden Produkte einer Prüfung durch die Behörden standzuhalten.

Die Daten der Hersteller gelangen dabei in Form von EPICS-Nachrichten in die Blockchain. EPICS steht für Electronic Product Code Information Services und ist ein weltweit genutzter Standard, um Ereignisdaten innerhalb und zwischen verschiedenen Unternehmen zu erstellen und zu teilen. Laut einer SAP-Meldung von Mitte Dezember 2020 konnte der deutsche Softwarehersteller mit dem Information Collaboration Hub for Life Sciences damals schon 70 Prozent aller zu prüfenden Medikamente in den USA prüfen.

Die aus SAP ERP und Software für das Supply-Chain-Management bestehende Lösung ist komplett in das Backend-System von Moderna integriert und erlaubt dem Unternehmen einen vollständigen Überblick über alle durchlaufenen Prozesse.

Mehr zum Thema Transparenz in der ganzen Lieferkette, das gerade im Zusammenhang mit COVID-19 einmal mehr an Bedeutung gewonnen hat, erfahren Sie in diesem Beitrag von Mittelstand Heute. Darüber hinaus klären wir auch auf, was die Blockchain ist und wie sie unter anderem in Zoll und Außenhandel eingesetzt wird.

Unternehmen bei der Planung in ihren globalen Supply Chains zu unterstützen, gehört zu den Kernkompetenzen von All for One. Als einer der führenden SAP-Partner für den Mittelstand im deutschsprachigen Raum hält der IT-Dienstleister aus Filderstadt bei Stuttgart ein umfassendes SAP-Portfolio und Prozesswissen bereit, um Unternehmen dabei zu helfen, eigene passende SCM-Strategien zu entwickeln – es muss ja nicht immer für einen global verteilten Impfstoff sein.

Quelle: istockphoto, oonal, Stock-Fotografie-ID:1214940965