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28.06.2019 – Lesezeit: 3 Minuten

Human Resources / Impulse

Social Media im Mittelstand: Ringen um Talente

Employer Branding ist sowohl für große als auch für mittelständische Unternehmen ein ganz wichtiges Thema geworden, um im „War for Talents“ mithalten zu können. Digitalisierung und Social Media gewinnen dabei immer mehr an Bedeutung, wie eine Studie zeigt.

Der YouTuber Rezo hat mit seiner „Zerstörung der CDU“ (und der GroKo allgemein) kurz vor der Europawahl die deutsche Politik mächtig aufgemischt und möglicherweise auch die deutschen Abstimmungsergebnisse beeinflusst. Das zeigt, wie einflussreich YouTube, Facebook, Instagram und Co. inzwischen sind, besonders für junge Leute, aber auch für potenzielle Bewerber von Unternehmen. Denn auch die Babyboomer, die heute auf die 60 zugehen, sind schon im digitalen Zeitalter angekommen und informieren sich in den einschlägigen Kanälen über offene Stellen

„Zerstörung“ oder Kanalzerstörung gilt als YouTube-Jargon und steht für „kritisieren“ und „auf den Arm nehmen“. Unternehmen müssen sich in den sozialen Medien nicht der hippen Sprache bedienen, sollten aber auch nicht zu altbacken daherkommen. Der Beitrag sollte ein echter Eyecatcher sein und darf gerne auch etwas frecher gestaltet sein – selbst wenn es Beiträge gibt, die informieren oder gar einen echten Lehrcharakter haben.

Studie zeigt große Defizite

Eine neue Studie von Prof. Dr. Christoph Beck von der Hochschule Koblenz, dem Potentialpark und Territory Embrace, weist indes bezüglich Digitalisierung und Social Media auf großen Nachholbedarf im deutschen Mittelstand hin. Der Titel der Studie lautet: „Arbeitgeber Mittelstand: Kommunikation in Zeiten der Digitalisierung“. Dazu wurden 300 Unternehmen des Mittelstands, Familienbetriebe und Konzerne mit weniger als 30.000 Mitarbeitern zu Social Media, Karrierewebseiten und Onlinewerbung untersucht und 3.320 Studierende und Absolventen zu ihren individuellen Bedürfnissen der Job-Informationsbeschaffung befragt.

Ein Ergebnis: Laut der Studie nutzen große Konzerne Social Media in der Regel aktiv für das Personalmarketing. Der Mittelstand hinkt allerdings noch hinterher: Lediglich 17 Prozent der betreffenden Unternehmen nutzen einen Facebook-Karrierekanal und nur 8 Prozent verwenden Instagram. Bei den Studierenden und Absolventen liegen die Anteile mit 86 Prozent Facebook und 64 Prozent Instagram dagegen deutlich höher.

Handlungsempfehlungen für den Mittelstand

Es wird in der Studie empfohlen, dass mittelständische Unternehmen ihre Zielgruppe und deren bevorzugte Social-Media-Kanäle kennen sollten. Die Karriereseiten auf den Social-Media-Plattformen müssen auf die entsprechenden Kandidaten zugeschnitten sein, und die Inhalte müssen authentisch und professionell vermittelt werden, um das Interesse der jungen Talente zu wecken.

Wichtig sei auch ein gutes Storytelling. Weitere Handlungsempfehlungen in der Studie sind überschrieben mit „Top-Management ins Boot holen“ und „Same but different“, denn ein mittelständisches, weniger bekanntes Unternehmen muss gegebenenfalls mehr investieren als die „Love Brand“ und in Sachen Personalmarketing selbstbewusster auftreten.

Mitarbeiter für sich sprechen lassen

„Der Mittelstand muss aus der Deckung kommen“, sagt Prof. Dr. Beck. „Viele Mittelständler können mit ihrer Kultur und ihren Werten nämlich ausgezeichnet punkten. Das können potenzielle Arbeitnehmer jedoch nur dann erkennen, wenn diese authentisch und professionell über die richtigen Kanäle kommuniziert werden.“

„Gerade für den Mittelstand ist es wichtig, Alleinstellungsmerkmale hervorzuheben, selbstbewusst und authentisch zu agieren und mit gutem Storytelling zu überzeugen“, kommentiert Gero Hesse, Geschäftsführer von Territory Embrace, die Studie.

Studiengewinner und Vorbilder

Als Vorbilder in Sachen Karrierewebseiten und Storytelling gelten laut Werben und Verkaufen (W&V) bei Veröffentlichung der Studienergebnisse der Sanitärhersteller Hansgrohe SE aus Schiltach im Schwarzwald und die Ulmer Wieland Gruppe, Hersteller von Halbfabrikaten aus Kupfer und Kupferlegierungen. Als Gesamtsieger der Studie ist der Automobilzulieferer Brose hervorgegangen.

Das Unternehmen glänzt demnach in allen drei Bereichen, Social Media, Karrierewebseite und Onlinewerbung. Unter den Top 10 sind auch VEKA, Hersteller von Kunststoffprofilen für Fenster, Türen und Rollläden, Schüco International, einer der führenden Anbieter von Fenster, Türen und Fassadensystemen, und der Werkzeughersteller Trumpf aus Ditzingen bei Stuttgart.

Employer Branding in der Praxis

Wie digitales Employer Branding in der praktischen Umsetzung gelingt, haben wir in drei Beispielen zusammengefasst: Die All for One Group AG, der führende mittelständische IT-Partner im deutschsprachigen Raum, stellt wie viele andere Branchenunternehmen immer wieder Videos über Arbeiten mit SAP und Microsoft ins Netz. Der Consulting-Dienstleister aus Filderstadt bei Stuttgart hat unter anderem eine Videokampagne in Form einer Homestory gestartet, um Fachkräfte gezielt anzuwerben. In mehreren Videos berichten fünf Mitarbeiter, welche Freiheiten ihnen mit Blick auf flexible Wahl ihres Arbeitsplatzes und der Arbeitszeiten gewährt werden.

 

Ein weiteres positives Beispiel ist der Gebäudeausrüster Herbert im hessischen Bensheim an der Bergstraße östlich von Worms. Die Firmengruppe mit mehr als 500 Mitarbeitern zeigt in authentischen Recruiting-Videos, wie groß das Leistungsspektrum der technischen Gebäudeausrüstung ist und dass es keineswegs langweilig wird. Wie in der oben genannten Homestory der All-for-One-Gruppe lässt das Unternehmen auch Mitarbeiter als Markenbotschafter auftreten.

Hervorgehoben wird außerdem das Employer Branding der Wohnungsgenossenschaft Wodego in Düsseldorf, die mehr als 10.000 Mitglieder und rund 4.500 Wohnungen zählt. Das Unternehmen setzt nicht auf Bewerbungsportale, sondern ebenfalls auf Recruiting-Videos. Die Mitarbeiter mussten dabei nicht erst überzeugt werden, sondern gaben der Genossenschaft von sich aus gerne ihre Stimmen und Bestnoten. Wodego-Vorstandsmitglied Andreas Vondam berichtete nach Beginn der Recruiting-Kampagne im März 2018 von einer Immobilienkauffrau, die danach „am liebsten sofort anfangen“ wollte.

Was genau hinter dem „War of Talents“ steckt, erfahren Sie in diesem Artikel.

Quelle: Titelbild pixabay, Pixelkult