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01.07.2019 – Lesezeit: 4 Minuten

Human Resources / Impulse

Sind Digitale Nomaden eine Chance für den Mittelstand?

Berlin ist einer der beliebtesten Hotspots in Deutschland für Digitale Nomaden, die von überall in der Welt aus arbeiten könnten. Im deutschen Mittelstand ist das Phänomen bislang kaum angekommen, dabei sind Fachkräfte rar. Was also spricht gegen einen Programmierer auf Bali?

Kürzlich war Besuch aus Finnland da. Meri ist selbständige Modedesignerin und hat ihr Atelier in der eigenen Wohnung. Sie bedauert, dass sie nicht länger bleiben konnte. Für das Präsentieren von Entwürfen und Sichten von Stoffmustern muss sie im ständigen Kundenkontakt vor Ort sein. Ihr Nachbar Jan arbeitet dagegen als Softwareentwickler für ein kleines IT-Unternehmen, ist aber als sogenannter „Digital Nomad“ ständig in der Weltgeschichte unterwegs. Sein Arbeitgeber hat nichts dagegen, solange er liefert und immer eine Breitbandverbindung garantieren kann. Daher scheiden richtig exotische oder abgeschnittene Ziele wie die Wüste Gobi oder der Regenwald am Amazonas für ihn aus.

Nicht selten: Chef und Weltenbummler

Ansonsten ist er aber trotz seines Angestelltenverhältnisses ein wahrer Weltenbummler. Ähnlich wie Sebastian Kühn und Christian Häfner, die selbst als Unternehmer die Geschicke ihrer Unternehmen von der ganzen Welt aus leiten. Letzterer ist Mitgründer von FastBill, einem Anbieter von Online-Abrechnungen und Buchhaltungssoftware, der inzwischen mehr als 70.000 Kunden und 50 Angestellte zählt. Als solches trage er immer viel Verantwortung.

Als Digitaler Nomade und Surfer aus Leidenschaft hat er es aber auch geschafft, sich weitgehend aus den Aufgaben eines Geschäftsführers herauszunehmen, wie Häfner verrät. Airbnb und eine gute mobile Internetverbindung machen es heute einfacher denn je. Mit dem MacBook im ständigen Kontakt mit Deutschland hat er so manche Geschäfte von einem Strandhaus an einem der Surfparadiese der Welt aus geleitet, bevor er mit seiner Frau 2018 in Portugal ein Haus bezogen hat. „Hier können wir dann entscheiden, wann wir weiterreisen wollen und müssen nicht gehen, wenn die Airbnb-Buchung abgelaufen ist. Auch das ist Freiheit“, so Häfner.

Beratung für die Szene kostet

Der Online-Unternehmer Sebastian Kühn hat sich 2013 als Übersetzer und Agenturgründer für Freelancer selbständig gemacht und reist als solcher ständig um die Welt. Festanstellungen haben die Digitalen Nomaden nie erfüllt. Neben seiner Tätigkeit als Übersetzer und Chef seiner Agentur hat er sich in E-Commerce-Themen eingearbeitet und die Plattform Wireless Life gestartet, die Bücher, Workshops und Beratung für „Workations“ anbietet. Gemeint ist Urlaub, in dem auch gearbeitet wird.

Tatsächlich sind wohl die meisten Digitalen Nomaden Freiberufler oder Selbständige, so wie der Online-Unternehmer Sebastian Kühn. Er verdient als Berater sogar am Trend zum Digitalen Nomadentum. Das ist soweit in Ordnung, aber wie Samira Mousa von Jetzt feststellt, gibt es mittlerweile auch eine gewisse gegenseitige „Abzocke“, was den Verkauf des perfekten Wegs zum Traumleben mit „Abhängen in den Infinitypools Südostasiens“ betrifft.

Welche Jobs sind prädestiniert?

Nun gibt es einige Berufe, die sich leicht von überall auf der Welt ausüben lassen, andere nicht. Die Top 5 der Jobs für ortsunabhängiges Arbeiten sind laut Joblift und t3n mit großem Abstand Softwareentwickler, gefolgt von Textern, Marketingfachkräften, Datenanalysten und Sales. Dafür wurden 1.386 entsprechende Jobangebote der ausgewertet.

Hier tummeln sich die Digital Nomads

Selbständige oder freiberufliche Übersetzer, Journalisten und Fotografen haben es vergleichsweise einfach, ortsunabhängig zu arbeiten, solange sie feste Auftraggeber finden und nicht ständig an Termine gebunden sind. Die meisten Jobs sind damit aber nicht oder nur schwer zu vereinbaren. Saisonarbeit zählt nicht oder nur bedingt, denn entweder man hat einen so gut bezahlten Job, dass man die Hälfte des Jahres am Palmenstrand verbringen kann, oder man hat zwei Jobs - den einen daheim, den anderen "draußen". Englisch- oder Deutschlehrer zum Beispiel in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul, landen auf Platz 4 der Hotspots für Digitale Nomaden.

Cangu auf Bali (Indonesien), Bangkok und Chiang Mai in Thailand sind da weit vorn, Budapest auf Platz 5 und Berlin immerhin auf Platz 6, gefolgt von Sofia (Bulgarien), Mexico City, Kaohsiung (Gaoxiong) auf Taiwan, Buenos Aires und Lissabon. Die Reihenfolge kann täglich wechseln, aber anders als erwartet, ist San Francisco nicht unter den Top 100. Beliebte Hotspots sind aber auch Warschau, São Paolo (Brasilien), Kiew (Ukraine), London, Prag und Barcelona sowie New York City. Das heißt, Digital Nomads tummeln sich somit nicht nur an den Stränden Südostasiens, sondern vielfach auch in den hippen Metropolen dieser Welt – egal was es kostet.

Digital Workplace als Grundvoraussetzung

Mittelständische Unternehmen – besonders in ländlichen Regionen – tun sich oft schwer, geeignete Fachkräfte für Softwareentwicklung oder Marketingaufgaben zu finden. Manche von ihnen haben daher begonnen, Homeoffice als Chance für sich zu begreifen.

Die All for One Group, die führende IT- und Consulting-Gruppe im deutschsprachigen Raum, hat Anfang 2018 sogar eine Videokampagne gestartet, in der Mitarbeiter als Botschafter für das Unternehmen und die Möglichkeit warben, gelegentlich oder auch für längere Zeit im Homeoffice zu arbeiten. Einer davon ist Matthias Hanel, Teamleiter im Marketing. Wie er sagte, genieße er es, seine Töchter aufwachsen zu sehen und für sie da zu sein, wenn sie etwas auf dem Herzen haben. Dafür nehme er es gerne in Kauf, am Abend oder am Wochenende die verlorene Zeit wieder einzuholen. Aber als Teamleiter muss er auch immer wieder ins Büro, so wie die meisten Angestellten.

All for One ist nicht nur ein führender Partner von SAP, sondern auch von Microsoft und unterstützt Unternehmen mit „New Work & Collaboration“, einem der Schwerpunkte, bei der Einrichtung digitaler Arbeitsplätze für ortsunabhängiges Teamwork und mobiles Arbeiten. Die Kompetenzen umfassen Beratung in punkto Organisation und Transformation, New Leadership, Arbeitsrecht und Office 365 sowie die Implementation für den „Workplace of the Future“ mit Arbeiten von überall, wie es die Digitalen Nomaden anstreben.

Der Digital Workplace ist die Grundvoraussetzung in vielen Berufen dafür, Digital Nomads überhaupt anstellen zu können. Sehen Sie als Mittelständler den Trend als Chance, neue Fachkräfte zu gewinnen und bewerben Sie offene Positionen gezielt für Digital Nomads. Wie der Umstieg zum Digital Workplace in acht Schritten gelingt, erfahren Sie in diesem Artikel.

Quelle: Titelbild pixabay, AdrienBe