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24.05.2019 – Lesezeit: 5 Minuten

Prozesse / Geschäftsführung

Silodenken war gestern: Wie KMU digitale Innovationen erfolgreich umsetzen

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) wollen innovativ sein und müssen es sogar, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Ausgeprägtes Silodenken der Mitarbeiter führt jedoch oft dazu, dass viele KMU an ihren eigenen Strukturen scheitern. Ein professionelles Change Management kann wesentlich zum Erfolg der Digitalisierung beitragen.

KMU machen rund 99,7 Prozent der Unternehmen in Deutschland aus. In vielen Bereichen der Spitzenforschung sind sie Vorreiter des technologischen Fortschritts, aber immer noch scheitern viele KMU an Gewohnheiten, Konkurrenzdenken und Budgetkämpfen einzelner Abteilungen. Aus diesem Grund geht der Trend im Sinne des „New Work“ hin zu mehr Zusammenarbeit und ganzheitlichen Strategien.

Wenn Silodenken zum Problem wird

Silodenken droht immer dann, wenn die Ziele der Abteilung nicht mit denen des Unternehmens abgestimmt sind, die Abteilung stark spezialisiert ist oder ein Kampf um Ressourcen und Budgets herrscht. Wer Silodenken praktiziert, handelt stets im Sinne der eigenen Abteilung. Austausch und übergreifende Zusammenarbeit finden nicht wirklich statt. Das Problem dabei: Jede Abteilung schafft für sich Lösungen – diese doppeln sich aber oft mit bereits vorhandenen Lösungen oder sind so gut und wirtschaftlich, wie sie sein könnten.

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Wer nur an den Erfolg des eigenen Teams denkt, handelt außerdem weniger risikofreudig. Wirkliche Innovationen können so gar nicht entstehen: Jeder verwendet weiterhin seine eigenen Programme, setzt eigene Prioritäten und verfolgt eigene Ziele. Oft werden diese Informationen nicht einmal in Kurzform kommuniziert. Synergieeffekte können erst gar nicht genutzt werden. Das Unternehmen verschenkt Potenzial.

Der Wandel kommt für viele zu schnell

Um das Silodenken zu unterbinden, muss sich letztlich die gesamte Belegschaft mit den Zielen und Werten des Unternehmens identifizieren, die auch verständlich und konkret in einer Gesamtstrategie zusammengefasst sind. Rund zwei Drittel der Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben allerdings keine ganzheitliche Strategie für die Umsetzung ihrer Digitalisierungsprojekte – so eine Studie der internationalen Managementberatung Oliver Wyman unter 300 IT-Verantwortlichen. Nicht einmal jede fünfte kleinere Firma stimmt ihre digitalen Projekte aufeinander ab.

Grafik: Der Wille zum Change lässt bei Mitarbeitern nach

Es ist das Unternehmen selbst, das sich nachhaltig verändern muss, um die hohe Geschwindigkeit der Digitalisierung für sich zu nutzen. Nur 38 Prozent der Mitarbeiter fühlen sich gut in Change-Projekte – wie etwa eine strategische Neuausrichtung oder Prozessoptimierungen – eingebunden. Das belegt eine Studie der Beraterfirma Mutaree. Die Folge: Die Zahl der Mitarbeiter, die Veränderungen mittragen wollen, ist von 2010 (88 Prozent) bis 2018 (79 Prozent) um fast 10 Prozent gesunken. Die Herausforderung der Digitalisierung ist aber nicht die Technik, sondern die Geschwindigkeit der Veränderung.

„Jahrelang lassen Unternehmen ihre Mitarbeiter so arbeiten, wie sie es eben tun“, so Dr. Thomas M. Fischer, Geschäftsführer der Allfoye Managementberatung GmbH. „Plötzlich kommt Veränderungsdruck, und auf einmal wird erwartet, dass Menschen, die jahre- oder jahrzehntelang in einer gewissen Weise gearbeitet haben, sich in ganz kurzer Zeit verändern. Manchmal mutet das an, als würde von einem Elefanten verlangt, wie ein Vogel zu sein. Das kann nicht gelingen.“

Change Management muss den Fokus auf Kultur legen

Unternehmen tun heute viel, um ihre Mitarbeiter auf die Digitalisierung einzustellen – so die Trendstudie „Unterwegs zu digitalen Welten“ von Bitkom Research im Auftrag von Tata Consultancy Services (TCS). Dazu zählen Weiterbildungsmaßnahmen (77 Prozent), flexible Arbeitsgestaltung (75 Prozent) oder Tools für die virtuelle Zusammenarbeit (74 Prozent). Nicht alle Mitarbeiter begrüßen moderne Technologien wie Big Data Analytics, das Internet der Dinge oder 3D-Druck. Mehr als ein Viertel nennt die fehlende Akzeptanz solcher Lösungen in der Belegschaft (27 Prozent) als Hindernis bei der digitalen Transformation. Gerade der Mittelstand hinkt oft noch hinterher.

Fischer weiß: „Viele Unternehmen missverstehen Change Management als ‚Wundsalbe‘. Im Kern geht es darum, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf den Wandel vorzubereiten, Veränderungen transparent zu gestalten, Sinn zu vermitteln und auf Bedenken einzugehen. Kommunikation ist dabei nur ein Instrument.“

Grafik: „Was sind aus Ihrer Sicht Hürden für die digitale Transformation in Ihrem Unternehmen?“

Die Capgemini Change-Management-Studie „Culture First! Von den Vorreitern des digitalen Wandels lernen“ stellt fest, dass der Fokus auf Technisierung und Neuentwicklung von Prozessen die kulturelle Dimension des Wandels in den Hintergrund drängt. Es ist die Etablierung einer digitalen Kultur, die letztlich die größeren wirtschaftlichen Erfolge und zufriedenere Mitarbeiter mit sich bringt. Hohe Kundenorientierung, digitale Technologien und digitalisierte Prozesse, Agilität, autonome Arbeitsbedingungen, Digital Leadership, Kollaboration sowie ständiges Lernen sind ihre wesentlichen Merkmale.

Wer treibt den Kulturwandel voran?

Um die Belegschaft aus ihrem Silodenken herauszuholen, ist es wichtig, eine einheitliche Wertekultur zu etablieren, um die Corporate Identity zu stärken. Ohne Kulturwandel kann digitale Transformation nicht gelingen: Workshops, Projektarbeiten mit heterogenen Teams oder die Etablierung eines einheitlichen Intranets sind nur einige der möglichen Instrumente. Dabei gilt es, stärker den Menschen und weniger die Technologie in den Fokus zu stellen. Das schafft Vertrauen, motiviert dazu, Risiken einzugehen und gibt den Mitarbeitern genügend Freiraum für Eigeninitiative.

„Es gibt kaum einen Satz, der so wahr und doch so abgedroschen ist“, gesteht Fischer. „Aber Mitarbeiter müssen mitgenommen werden. Wer jemanden glaubhaft abholen möchte, der muss Antworten auf folgende Fragen haben: Wo soll es hingehen? Warum lohnt es sich, mitzugehen? Was bedeutet es, nicht mitzugehen? Worauf kommt es an und wie kann ich ihm oder ihr dabei helfen?“

Essenziell aber sind die Botschaften, die von oben kommen. Bei den Themen Digitalisierung und Change Management spielen Führungskräfte eine tragende Rolle – wie die Capgemini Studie zeigt. Sie beschäftigte sich mit der Frage, was die Vorreiter der Digitalisierung von den Nachzüglern unterscheidet. Das Ergebnis: Die Hälfte der Vorreiter-Unternehmen wird von Chefs geführt, die die Digitalisierung ihren Mitarbeitern vorleben. 80 Prozent haben eine klare Digitalstrategie. Bei den Nachzüglern nehmen nur 20 Prozent der Chefs ihre Vorbildfunktion wahr. Nicht einmal die Hälfte geht hier den Wandel strategisch an.

Und nun?

Silodenken bremst den Mittelstand auf dem Weg in die Digitalisierung. Eine offene und ganzheitliche Unternehmenskultur ist gefragt. Die wiederum benötigt starke Vorbilder und eine klare Strategie, die auch unternehmensweit bekannt ist. Im Zuge der Digitalisierung muss sich auch das Change Management selbst verändern, indem es den Fokus von der reinen Technologie auf die Menschen und ihre persönliche Lernorientierung verlagert.

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Warum Silos auch beim Thema EDI (Electronic Data Interchange) eine große Rolle spielen und welche Möglichkeiten sich für den Mittelstand ergeben, lesen Sie in diesem Beitrag.

Quelle: Titelbild pixabay, dimitrisvetsikas1969 / Grafiken Mittelstand Heute