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28.11.2018 – Lesezeit: 4 Minuten

Geschäftsführung / Impulse

Diese 7 Trendthemen sollten CIOs auf dem Schirm haben (2)

Das Marktforschungsinstitut Gartner hat sieben disruptive Trends identifiziert, die Geschäftsmodelle entscheidend verändern können. Im zweiten Teil der Artikelserie stellen wir vier weitere Richtungen vor, die einen erheblichen Einfluss auf die IT haben werden.

Auf dem Gartner-Symposium Mitte Oktober 2018 in Orlando haben die Marktforscher sieben disruptive Trends vorgestellt. Im ersten Teil dieses Artikels haben wir bereits über Quantum-Computing, Echtzeit-Sprachübersetzungen und Nanotechnologie berichtet. Im zweiten Teil möchten wir nun Schwarmintelligenz, Mensch-Maschine-Schnittstellen, die Revolution in der Software-Distribution sowie die Disintermediation des Smartphones vorstellen.

4. Schwarmintelligenz

Laut Gartner kommen konventionelle Management-Methoden mit digitalem Business nicht zurecht. Informationen strömen aus vielen unterschiedlichen Quellen wie Geräten für das Internet der Dinge (IoT) herein, und Entscheidungen über unvorhersehbare Geschehnisse können in Echtzeit getroffen werden. Das Dilemma: Der Mensch ist zu langsam und Smart Machines sind aktuell noch zu teuer. Schwarmintelligenz könnte diese Herausforderung zu vertretbaren Kosten bewältigen.

Auch Schwarmintelligenz ist ein CIO-Trend

Bei Schwarmintelligenz handelt es sich um kollektive Verhalten dezentraler selbstorganisierender System, entweder natürlich oder künstlich. In der IT-Welt besteht ein Schwarm aus kleinen Elementen wie Einzelgeräten oder Software-Agenten, die durch einfache Regeln gesteuert und koordiniert werden. Diese Elemente können schnell und günstig repliziert werden. CIOs sollten sich dieses Konzept genau ansehen, vor allem wenn es um digitales Business geht. Mittelständische Unternehmen, die sich mit dem Internet der Dinge beschäftigen, können auch von Schwarmintelligenz profitieren. So hat etwa das Mainzer Start-up Crow´n´Crow gute Erfahrungen beim Design per Community gemacht.

5. Mensch-Maschine-Schnittstellen

Mensch-Maschine-Schnittstellen erlauben innovative, multimodale Erfahrungen. Behinderte können mit Mensch-Maschine-Schnittstellen höhere Lebensqualität gewinnen, und im Gesundheitswesen werden diese Schnittstellen bereits vielerorts eingesetzt. Nicht nur Menschen mit körperlichen Handicaps, auch alle anderen Menschen können von dieser Technologie profitieren.

Mensch Maschine Schnittstellen für Menschen mit Behinderung

Elektromyografie kann beispielsweise die elektrische Muskelaktivität messen und erlaubt es Menschen, die das normalerweise nicht könnten, Smartphones und Computer zu benutzen, indem Sensoren die Muskelimpulse abfragen. Die Sensoren können an einem einzelnen oder vielen verschiedenen Stellen am Körper platziert werden. Die Mensch-Maschine-Schnittstelle interpretiert Gesten und leitet sie an das Smartphone oder den Rechner weiter. Einige Geräte, die myoelektrische Signale interpretieren können, sind bereits verfügbar. Mittelfristig könnten Mensch-Maschine-Schnittstellen auch für den Mittelstand interessant werden: Beispielsweise könnten in Gefahrenumgebungen mit extremer Hitze oder Kälte Wartungsroboter ferngesteuert werden. 

6. Revolution in der Software-Distribution

Die Revolution in der Software-Distribution bedeutet einen fundamentalen Wandel in der Anschaffung und dem Ausrollen von Software. Die meisten Software-Pakete sind heute bereits auf Online-Marktplätzen verfügbar. Da die großen Cloud-Plattformen wie Amazon Web Services, Microsoft Azure, Google Cloud Platform (GCP), IBM Cloud, SAP Cloud Platform und anderen immer populärer werden, rücken auch die zugehörigen Online-Marktplätze stärker ins Rampenlicht.

Online Shopping und Software Distribution bleiben Trends

Die Anbieter dieser Marktplätze haben erkannt, dass sie dort nicht nur ihre eigenen Produkte, sondern auch die von Drittanbietern so einbinden müssen, dass sie problemlos funktionieren und die Implementierung reibungslos verläuft. Im Moment gelingt dies laut Einschätzung von Gartner mehr oder weniger gut, aber die Erkenntnis ist da, dass mit Marktplätzen neue Zielgruppen unterschiedlicher Art erschlossen werden können. Für Mittelständler ist das kein Trend, sondern bereits jetzt ein Thema. Der Verzicht auf umständliche Implementierung und Konfiguration von Software spart Zeit und Kosten.

7. Disintermediation des Smartphones

Der zugegebenermaßen sperrige Begriff Disintermediation soll beschreiben, dass sich die Art und Weise verändert, wie Smartphones genutzt werden. Laut Gartner interagieren Handys verstärkt mit Smart Watches, Fitnessmessern, virtuellen persönlichen Agenten und anderen tragbaren Geräten.

Disintermediation des Smartphones

Die Analysten glauben, dass Menschen künftig nicht mehr wie gebannt auf ihre Handybildschirme starren, sondern sich auf andere tragbare Geräte und Sprachsteuerung verlassen. CIOs sollten sich darauf einstellen und tragbare Geräte dazu benutzen, die Effizienz ihrer Belegschaft zu verbessern und Wearables in ihre Vermarktungsstrategie einbeziehen. Es ist zweifelhaft, ob die meisten Menschen von ihren Smartphones lassen werden, die fast alles können, was Wearables leisten. Sprachsteuerung hat nach wie vor Schwächen und ist nicht für jeden geeignet. Aber eine engagierte Minderheit an Trendsettern und Early Adoptern wird immer bereit sein, sich auf neue Geräte einzulassen. 

Zusammenfassung 

Nicht alle Trends, die Gartner ausgerufen hat, werden sich in der Realität auch durchsetzen. Aber mit den Themen Quantenrechner, Nanotechnologie, Schwarmintelligenz und Mensch-Maschine-Schnittstellen sollten sich auch mittelständische Unternehmen bereits jetzt beschäftigen, um in Zukunft nicht den Anschluss zu verlieren. Sicher sind Quantenrechner für Mittelständler im Moment noch zu teuer, doch es lässt sich ein Szenario zeichnen, in dem Geheimdienste, die über unbegrenzte Mittel verfügen, sich solche Systeme anschaffen und Wirtschaftsspionage betreiben. Damit wären viele bisherige Sicherheitsstrategien hinfällig, die auf Verschlüsselung basieren. 

Nanotechnologie ist bereits jetzt vielerorts im Einsatz und wird durch Miniaturisierung der herstellenden Industrie neue Einsatzmöglichkeiten schaffen. Schwarmintelligenz steht noch ganz am Anfang, aber der Aufbau einer Community, die Erfahrungen einbringt, kann das Produktdesign revolutionieren. Mensch-Maschine-Schnittstellen sind im Moment noch der Medizin vorbehalten, können aber in Wartungsszenarien unter schwierigen Bedingungen interessant werden.

Sie haben den ersten Teil mit den Punkten 1 bis 3 mit Quantum-Computing, Echtzeit-Sprachübersetzungen und Nanotechnologie verpasst? Hier lesen Sie ihn!

Quellen: Titelbild Weltkarte, geralt / Büroklammern iStock, loongar / Alle pixabay: Smart Watch, pexels / Kreditkarte, Negative-Space / Handicap, SaskiaAleida