22.01.2021 – Lesezeit: 3 Minuten

Geschäftsführung / Technologie

SAP und Microsoft kooperieren bei Lösungen 4.0

Mit Microsoft und SAP haben sich im Dezember 2020 zwei Schwergewichte zusammengetan, um auf Basis gemeinsamer Standards intelligente Lösungen für digitale Lieferketten und Edge Computing für Industrie 4.0 in der Cloud hervorzubringen.

Wie SAP Ende 2020 bekanntgab, wolle das deutsche Softwareunternehmen zusammen mit Microsoft durch gemeinsame Standards, die Mitarbeit an Konsortien und die Open-Source-Entwicklung Zukunft schreiben – im Bereich Supply Chain Management und in der Fertigungsindustrie.

Geplant ist die Entwicklung und Implementierung von Lösungen auf der Grundlage der SAP Digital Supply Chain und Microsoft Azure für Industrie 4.0. Im Rahmen der erweiterten Partnerschaft sollen Unternehmen befähigt werden, eine Vielzahl von Lösungen aus dem Portfolio von SAP Digital Supply Chain auf Microsoft Azure zu nutzen. Dazu gehören unter anderem Angebote für die digitale Fertigung, Lösungen im Bereich SAP Intelligent Asset Management, SAP Integrated Business Planning und SAP Logistics Business Network.

SAP-Lösungen als Software-as-a-Service

Laut SAP sollen die genannten Lösungen als Software-as-a-Service (SaaS-Modell) auf Microsoft Azure aufsetzen. Kunden hätten so deutlich weniger Aufwand beim Management der Software und der zugehörigen Infrastruktur. Gleichzeitig sollen sie von einer schnelleren Wertschöpfung ihrer Lieferketten-Anwendungen profitieren und dank der leistungsstarken Rechen-, Speicher und Netzwerkservices von Microsoft Azure weltweit skalieren können. Wie es weiter heißt, sind die SAP Manufacturing Suite, SAP Intelligent Asset Management, SAP-Lösungen für Liefernetzwerke und SAP Internet of Things (SAP IoT) bereits auf Azure in Europa und in den USA verfügbar.

Als Antwort auf die Herausforderungen eingeschränkter Bandbreiten, hoher Latenzzeiten und enormer Datenmengen in den global verteilten Lieferketten und Produktionsstätten sowie der damit verbundenen negativen Auswirkungen für die Qualitätssicherung soll Edge Computing die Lösung sein. Die dezentrale Informationsverarbeitung in der Peripherie oder am Rand (Edge) des Netzwerks sorgt dafür, dass Anwendungen und Geschäftsprozesse dort ausgeführt werden, wo die Daten entstehen.

Von der Automatisierung in der Edge in die Cloud

Unternehmen können dadurch ihre Abläufe in der Produktion, in der Supply Chain und in den Remote-Standorten vollständig automatisieren und unabhängig voneinander steuern. Der Gewinn liegt unter anderem auch in einer schnelleren Verarbeitung der Daten. Außerdem bietet Edge Computing auch mehr Möglichkeiten hinsichtlich der Anforderungen an die Speicherstandorte. SAP-Kunden können so zum Beispiel nur für die Analyse relevante Daten in die Cloud übertragen und andere kostengünstig am Edge-Standort belassen.

Dabei sollen die SAP-Lösungen auch auf der Microsoft Azure Stack Edge bereitgestellt werden. Den Anfang soll dabei die SAP Digital Manufacturing Cloud machen. Unternehmen der Fertigungsindustrie sollen davon profitieren, dass sie ihre von Maschinen oder Kontrollsystemen kommenden Daten vor Ort verarbeiten können, womit sie unnötige Latenzzeiten und Bandbreitenbeschränkungen umgehen können. Ferner sollen die Unternehmen auch die Möglichkeit haben, einzelne Geschäftsprozesse und relevante Geschäftsdaten über die SAP Edge Services an einzelnen Edge-Standorten bereitzustellen.

Eine Referenzarchitektur soll Schule machen

SAP zitiert in dem Zusammenhang eine IDC-Studie, wonach 70 Prozent alle IoT-Implementierungen bis 2023 durch Entscheidungsprozesse in der Netzwerkperipherie die operativen und strategische Ziele der Unternehmen unterstützen sollen. Die Marktforscher erwarten, dass Unternehmen bis dahin weltweit 16 Milliarden Dollar für Edge-Infrastrukturen ausgeben werden.

Im Rahmen der Partnerschaft soll den Kunden eine Referenzarchitektur bereitgestellt werden, um diese bei der Integration von Produkten und Services der beiden Softwarehersteller zu unterstützen. Die Unternehmen können dabei für die Übertragung der Zeitreihendaten in die Cloud wahlweise auf Microsoft Azure IoT oder SAP Internet of Things zurückgreifen. Solche in der Netzwerkperipherie erfassten Zeitreihendaten von Maschinen oder Geräten bieten laut SAP erst dann einen Mehrwert, wenn sie in den richtigen geschäftlichen Kontext gebracht werden.

Offene Standards sollen Weichen stellen

Mit dieser Referenzarchitektur wollen die beiden Softwarepartner auch einen Standard setzen und Weichen für die Zukunft von Industrie 4.0 stellen. Denn die Einführung von Branchenstandards und die Entwicklung von gemeinsamen Anlagenmodellen sei von entscheidender Bedeutung für die digitalen Lieferketten in der Industrie.

Der Erfolg von Geschäftspartner liege dabei in offenen Standards, offenen Konsortien und Open Source. SAP und Microsoft haben sich unter anderem Konsortien wie der Open Management Platform und Open Industry 4.0 Alliance angeschlossen. Als solches wollen sie sich für Kompatibilität und Interoperabilität von Industriemaschinen, Softwarelösungen und entsprechenden Services einsetzen mit dem Ziel, eine schnellere Wertschöpfung digitaler Lieferketten und von Industrie 4.0 zu ermöglichen.

All for One Group begrüßt die neue Allianz

All for One Group ist als führender SAP- und Microsoft-Partner für den Mittelstand im deutschsprachigen Raum seit vielen Jahren schon aktiv in den Bereichen Industrie 4.0 und Supply Chain Management. Der Dienstleister aus Filderstadt bei Stuttgart unterstützt Industriekunden mit Lösungen von SAP, Microsoft und anderen Anbietern dabei, ihre Produktion und Logistik zu digitalisieren und daraus die jeweils optimalen Mehrwerte zu gewinnen.

„Für uns und unsere Kunden ist es nur zu begrüßen, dass sich mit SAP und Microsoft zwei IT-Schwergewichte zusammentun, um Zeichen für offene Standards in der Industrie und in der Logistik zu setzen“, so ein Experte der Gruppe. „Beim Industrial Internet of Things, kurz IIoT, verlagert sich die Datenverarbeitung zwar mehr und mehr in die Peripherie oder Edge, aber für die zentrale Überwachung und Steuerung ist und bleibt die Cloud unverzichtbar. Viele unserer Kunden setzen hier schon lange auf Microsoft Azure und werden entdecken, dass die vertiefte Partnerschaft mit SAP ihnen nur Vorteile bringt in ihrer Produktion und der Supply Chain“.

Weitere Informationen zur Zusammenarbeit zwischen Microsoft und SAP finden Sie in diesem Artikel.

Quelle: Titelbild Microsoft Campus, Microsoft