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23.08.2019 – Lesezeit: 4 Minuten

Geschäftsbereiche / Human Resources

Recruiting: So erreichen Mittelständler die Generation Z

Die Generation Z, also die zwischen 1995 und 2010 Geborenen, steht zum Start in die Arbeitswelt bereit. Sie ist in der Welt der Smartphones und sozialen Medien aufgewachsen und hat hohe Erwartungen an künftige Arbeitgeber. So tickt die Generation Z, und so läuft eine erfolgreiche Kommunikation mit ihr ab.

Dass die Generation Z viel Wert auf gesellschaftliche Verantwortung legt, weiß kaum jemand besser als Jessica Büst, HR Managerin bei der All for One Group AG, der führenden IT- und Consulting-Gruppe in der Region DACH. Im Interview schildert sie ihre Erfahrungen mit den jungen „Karrierestürmern“ der Generation Z (18 bis 24 Jahre) und der schon etwas „älteren“ Generation Y (25 bis 34 Jahre).

Frau Büst, wie würden Sie die Generationen Y und Z kurz charakterisieren?

Die Generationen Y und Z haben hohe Ansprüche an Führungskräfte und an ihr Arbeitsumfeld. Sie fragen viel offener nach bestimmten Rahmenbedingungen, sind selbstbewusst, visuell und natürlich digital geprägt.

Welche Kommunikationskanäle nutzen Sie als Unternehmen, um die Generation Z zu erreichen? Welche Rolle spielen heutzutage Facebook und Instagram?

Antwort: Junge Leute melden sich zunehmend von Facebook ab. Diesen Kanal nutzen wir eher als internen Kommunikationskanal für unsere eigenen Mitarbeiter oder auch für Eltern, die zum Beispiel Ausbildungsstellen für ihre Kinder suchen. Instagram sehen wir als ein geeigneteres Kommunikationsmittel. Dort interagieren auch viele Trainees und Young Professionals für uns. Generell können wir es uns zukünftig nicht mehr leisten, einen „Hochglanzmonolog“ zu halten.

Die Kommunikation dort darf keine „Einbahnstraße“ sein, hier ist Interaktion gefragt. Allgemein ist zudem eine langfristige Präsenz auf Social-Media-Kanälen sehr wichtig. Das heißt, dass es einerseits wichtig ist, auf allen relevanten Plattformen unterwegs zu sein und andererseits genug Content zu generieren, dass die Youngsters sich einen guten Einblick verschaffen können und wir schnell auf Kommentare und Nachrichten reagieren.

Sind Karrieremessen in der heutigen Zeit noch sinnvoll, um die Generation Z zu erreichen?

Karrieremessen haben bei der Generation Z eher eine abnehmende Bedeutung. Wir gehen nur noch auf sehr ausgewählte Messen – bevorzugt direkt an den Hochschulen oder mit einer vordefinierten Zielgruppe. Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht, dass wir im Vorfeld einer Messe aktiv mit interessanten Kandidaten in Kontakt treten und sie an unseren Stand einladen. An der Hochschule in Heilbronn organisieren wir jedes Semester Workshops zu SAP-Zusatzlösungen im Studiengang Verkehrsbetriebswirtschaft und Logistik, und wir nehmen an dem Format „Meet the Boss“ des Fördervereins der Hochschule Albstadt-Sigmaringen teil, welches den Studenten ermöglicht, in den direkten Austausch mit potenziellen Arbeitgebern zu gehen.

Auf welche Medienformate springt die Gen Z am besten an?

Wir probieren immer wieder neue Sachen aus. Dabei haben wir gute Erfahrung mit dem gezielten HR-Marketing über durch die Schaltung von Lernvideos gemacht. Die Generation Z ist es gewohnt, sich sämtliche Infos über Videos zu holen und alle Infos per Smartphone oder Tablet parat zu haben. Aber auch – auf den ersten Blick – altmodische Methoden wie der Druck in Uni-Skripten funktionieren gut, denn die Studenten drucken nun mal ihre Skripte zum Großteil immer noch aus.

 

Wie würden Sie das Modell der Zukunft im Recruiting von jungen Talenten sehen?

Das Modell der Zukunft ist die direkte Kommunikation mit Studenten und Professoren, beziehungsweise Schülern und Lehrern an Hochschulen und Schulen. Daher geben unsere Trainees mit entsprechender Anleitung Workshops zu SAP-Zusatzlösungen mit den Studenten der Hochschule Heilbronn. Letztes Jahr haben wir einen Design-Thinking-Workshop mit der Hochschule Albstadt-Sigmaringen durchgeführt, der sehr erfolgreich verlief. Außerdem laden wir Schüler zum Bewerbungstraining, Berufserkundungstag oder Girls Day ein.

Wie führen Sie die Generation Z an Ihr Unternehmen heran?

Gerade für ein IT-Unternehmen ist es ideal, Studenten so früh wie möglich ins Unternehmen einzubinden. Das machen wir durch spannende Abschlussarbeiten, beispielsweise zu Themen wie Supply Chain, Internet of Things (IoT) oder neuen SAP-Produkten. Die tragen dann interessante Titel wie „Erstellung einer Marktanalyse der existierenden Cloudanbieter für IoT Anwendungen“ oder „Versandlogistik im S/4 Wandel – Eine Analyse der Möglichkeiten die Versandlogistik-Prozesse in S/4 HANA abzuwickeln“. Auch Praxissemester und Werkstudententätigkeiten sind bei uns sehr gefragt.

Welche konkreten Angebote haben Sie für die Generation Z?

Da die Mitglieder der Gen Z absolute Digital Natives sind, bieten wir ein flexibles Arbeitsumfeld, flache Hierarchien und Möglichkeiten, eigene Ideen zu verwirklichen. Dahingehend sind wir sehr gut aufgestellt. Die Option auf Homeoffice, also von zu Hause zu arbeiten, kommt der Generation Z besonders entgegen, da sie familiär und in der Regel „traditioneller“ als die Generation X ist.

 

Ich denke, dass das Thema Selbstverwirklichung bei der Generation Z einen hohen Stellenwert hat. Wir als Gruppe gehen darauf ein und bieten Laufbahnmodelle, Förderprogramme und unseren Personalentwicklungsprozess. Außerdem haben wir ein tolles Miteinander und veranstalten verschiedene Events für unsere Trainees oder Azubis wie zum Beispiel der Besuch eines Basketballspiels in der SAP-Arena oder dem Blick hinter die Kulissen eines Musicals.

Vielen Dank für das Interview!

Sie möchten mehr über die Generation Z erfahren? Wie die „Mitarbeiter“ von morgen ticken, lesen Sie in diesem Artikel.

Quelle: Titelbild pixabay, nastya_gepp