05.06.2020 – Lesezeit: 3 Minuten

Geschäftsführung / Impulse

Recht auf Homeoffice soll kommen

Werden Büros künftig überflüssig? Wird daheim bleiben „normal“? Sieht so die Zukunft der Arbeit aus? Das Bundesarbeitsministerium will das Recht auf Homeoffice gesetzlich verankern. Arbeitgeber kritisieren das Vorhaben – aus diesen Gründen.

Während der Corona-Krise haben viele Unternehmen ihre Angestellten ins Homeoffice geschickt, ohne angemessene Vorbereitungen zu treffen. Vielerorts ist die Infrastruktur nicht ausreichend, die IT-Sicherheit wurde nicht genügend beachtet und Prozesse wurden nicht angepasst.

„Jeder, der möchte“

Jetzt rückt außerdem die juristische Dimension ins Rampenlicht. Ende April 2020 erklärte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil, dass er das Recht auf Homeoffice gesetzlich verankern wolle. „Ich arbeite an einem neuen Gesetz für ein Recht auf Homeoffice, das ich bis Herbst vorlegen werde. Jeder, der möchte und bei dem es der Arbeitsplatz zulässt, soll im Homeoffice arbeiten können – auch wenn die Corona-Pandemie wieder vorbei ist", betonte er. Beschäftigte sollen dann „entweder komplett auf Homeoffice umsteigen (dürfen) oder auch nur für ein oder zwei Tage die Woche“.

Heil will mit „fairen Regeln" verhindern, dass „sich die Arbeit zu sehr ins Private frisst". Auch im Homeoffice soll es einen Feierabend geben, „und zwar nicht erst um 22 Uhr". Heimarbeit soll für die Arbeitnehmer eine freiwillige Möglichkeit sein. Dieser Vorschlag war bereits im Februar 2020 vom Arbeitsministerium angestoßen worden. Finanzminister Olaf Scholz unterstützt den Vorschlag: „Die vergangenen Wochen haben gezeigt, wie viel im Homeoffice möglich ist – das ist eine echte Errungenschaft, hinter die wir nicht mehr zurückfallen sollten“.

Scharfe Kritik von Arbeitgeberseite

Die Arbeitgeber sind von dem Vorhaben nicht sehr begeistert: „Politische Ladenhüter aus der Zeit vor dem größten Wirtschaftsrückgang seit vielen Jahrzehnten aufzuwärmen wirkt etwas aus der Zeit gefallen“, sagte Steffen Kampeter, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. „Wir brauchen ein Belastungsmoratorium statt weiterer Vorgaben, die Wachstum und Flexibilität beschränken." Betriebliche Belange und die Wünsche der Kunden müssten eine zentrale Rolle spielen. Mit Homeoffice allein könne die Wirtschaft nicht am Laufen gehalten werden.

Kritik äußert auch der Verband für Fach- und Führungskräfte (DFK). Dieser begrüßt zwar grundsätzlich Bestrebungen, den Beschäftigten ein flexibles und individuelles Arbeiten zu ermöglichen. Allerdings dürfte die Realität bereits ein Homeoffice-Gesetz überholt haben. Zum einen gibt es schon in vielen Tarifverträgen, Betriebsvereinbarungen oder Individualvereinbarungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer entsprechende Homeoffice-Regelungen. Zum anderen arbeiten viele Beschäftigte bereits im Homeoffice und dies hat sich in der Praxis auch vielfach bewährt.

„Ein wichtiger Nebeneffekt der aktuellen Situation dürfte daher sein, dass kein Arbeitgeber nach der Pandemie seiner Belegschaft das Arbeiten im Homeoffice ernsthaft verweigern kann, wenn es zuvor problemlos während der Pandemie praktiziert wurde“, schätzt DFK-Vorstandsvorsitzender und Jurist Michael Krekels ein. Der DFK sieht zudem die große Gefahr, dass durch eine starre gesetzliche Regulierung gute individuelle wie betriebliche Regelungen zum Homeoffice zukünftig unterbleiben. „Ein gesetzlicher Anspruch auf Homeoffice sollte daher nur dort greifen, wo tarifliche, betriebliche oder individuelle Regelungen beim Arbeitgeber gänzlich fehlen“, fordert Krekels.

Gesetzliche Vorgaben: Status quo

Die bisherigen gesetzlichen Regeln zum Homeoffice sind jedenfalls lückenhaft. Ein gesetzlich verankertes Recht des Arbeitnehmers auf Homeoffice gibt es in Deutschland bislang nicht. Lediglich das Bundesgleichstellungsgesetz (BGleiG) bestimmt in Paragraf 16 für den Öffentlichen Dienst, dass der Dienstherr dem Beschäftigten einen Telearbeitsplatz anbieten muss, wenn dieser mit Familien- oder Pflegeaufgaben betraut ist und die Arbeit außerhalb der Dienststätte im Rahmen der dienstlichen Möglichkeiten liegt.

Einen Anspruch auf Homeoffice haben nur Arbeitnehmer, die mehr als sechs Monate in einem Unternehmen mit mehr als 15 Beschäftigten angestellt sind. Nach dem Arbeitszeitgesetz (ArbZG) muss zwingend die elfstündige Ruhezeit nach Beendigung der täglichen Arbeitszeit gemäß Paragraf 5 Abs. 1 ArbZG eingehalten werden. Diese starre Regelung erscheint wenig praxistauglich und wird in der Realität kaum beachtet. Mehr Informationen zu den aktuellen gesetzlichen Regelungen erhalten Sie in diesem Artikel.

Quelle: Titelbild pixabay, geralt