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16.08.2019 – Lesezeit: 2 Minuten

Human Resources / Impulse

New Work: Wird der Vorgesetzte bald überflüssig?

Sozialwissenschaftler propagieren neue Organisationsformen in Unternehmen. Hierarchien sollen abgeschafft und stattdessen innere Führung praktiziert werden. Ziel ist eine Firma ohne Chefs. Was hinter diesem radikalen Ansatz steckt, erfahren Sie in diesem Artikel.

In der Bundeswehr gibt es den Begriff der „Inneren Führung“ schon seit Jahrzehnten. Jetzt soll dieses Konzept im Rahmen der Philosophie des New Work auch auf Unternehmen übertragen werden. Prof. Dr. Dr. Ayad Al-Ani, Professor für Change Management und Consulting und assoziiertes Mitglied am Einstein Center Digital Future (ECDF) in Berlin, stellt die These auf, dass Hierarchien durch „Peer-to-Peer“-Strukturen ersetzt werden sollten. „Die klügsten Leute sind immer außerhalb des Unternehmens. Permanente Innovationen in Unternehmen sind nur mit Hilfe der Crowd möglich“, so Al-Ani.

Der Change-Management-Experte sieht ein Spannungsfeld zwischen Hierarchie und Individuum, weil die Führung den Arbeitseinsatz mittels Anweisungen und Direktiven steuert und gleichzeitig Eigeninitiative und Übernahme von Verantwortung vom Individuum verlangt. Aktuell sei eine Verlagerung in Richtung einer neuen und selbstbestimmten Form der Kooperation zu beobachten.

Führung via Peer-to-Peer

Ein Überschuss an Ideen und Tatkraft manifestiert sich in „Peer-to-Peer“-Kooperationen (P2P). Hierbei befinden sich alle Mitarbeiter auf einer Ebene und sind in ihren Entscheidungen gleichberechtigt. Die P2P-Kooperationen müssen allerdings von der Organisation integriert werden, um im Hyperwettbewerb bestehen zu können. Al-Ani folgert daraus, dass die Führungsebene zwar nicht verschwinden wird, aber durch informelle Strukturen ergänzt wird und damit verschmilzt.

Anmeldung zu den New Work Workshops der All for One GroupAl-Ani hat beobachtet, dass dieser Transformationsprozess in einigen Unternehmen bereits in vollem Gange ist. Es gebe Herausforderungen, aber auch Chancen: Neue, vielfach günstige Kapazitäten werden erschlossen. Diese kann die Führungsebene aber nicht per Anweisung steuern, sondern muss neue Wege der Motivation und indirekten Führung suchen. „Schließlich ist diese radikale Individualisierung nicht ohne Risiko für jeden Einzelnen, da Sicherheitsnetze fehlen und die Kosten ‚ein bloßes Individuum‘ zu sein, sehr hoch sein können.“

Firma ohne Chef?

Demnach werde die Vision nicht mehr von einem einzigen Chef vorgegeben, der seine Anweisungen von oben nach unten erteilt. Stattdessen werden Unternehmen auf eine langfristige Vision setzen, an der alle beteiligt sind: Mitarbeiter, Kunden, Marktteilnehmer. Diese Veränderungen sind für das eigene Unternehmen und auch für alle anderen Mitbewerber und Kunden relevant.

„Es bleibt am Ende ein Bild des neuen Managements, welches sehr unterschiedliche Fähigkeiten benötigt. Die Führungskräfte von morgen brauchen visionäre Entwürfe, die vor allem die Beziehungen der Markteilnehmer auf den Kopf stellen“, so der New-Work-Kenner. „Sie benötigen das Gespür und Geschick, externe Kollaborationen zu gründen und für sich (und andere) Werte zu schaffen. Und sie brauchen das detailversessene Vorgehen eines Empirikers, der Entscheidungen faktenbasiert trifft.“

Wie mehr Mitsprache von Mitarbeitern zu mehr Erfolg führt, erfahren Sie in diesem Artikel.

Quelle: Titelbild unsplash, Drew Beamer