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30.11.2018 – Lesezeit: 4 Minuten

Impulse / Geschäftsführung

New Work: „Weniger Kontrolle, mehr Coaching“

Von Microsoft Teams bis SharePoint: New Work war eines der heißen Themen auf dem Mittelstandsforum 2018. Mittelstand Heute hat die Gelegenheit genutzt und dort mit Jörg Mecke, Geschäftsbereichsleiter Microsoft Consulting bei All for One Steeb, gesprochen – über die größten Herausforderungen, Implementierungen von Tools und Homeoffice.

New Work ist ein weitgefächerter Begriff. Was verstehen Sie darunter?

Mecke: Hinter New Work steht aus meiner Sicht die Frage ‚Wie schaffe ich es, Produktivität zu steigern, ohne mehr Zeit zu opfern?‘ Mit guten neuen Tools oder durch die Veränderung des Arbeitens? Der New-Work-Ansatz ist in der Tat die Veränderung der Art des Arbeitens. Einerseits ist es Technik, anderseits aber auch eine Kulturfrage, sich auf Neues einzulassen.

In den letzten Jahren wurde viel über die Vorteile und Potenziale von New Work gesprochen. Erfolgreich umgesetzt wird das Konzept allerdings eher selten. Wo liegen hier die Probleme und Herausforderungen?

Mecke: Bei New Work drückt der Schuh oft bei dem Thema ‚Wie kann die technische Unterstützung der Arbeit echte Mehrwerte für Mitarbeiter schaffen?‘ Das hat man in der Vergangenheit beispielsweise bei der Integration auf Office 365 gesehen. Die meisten nutzen hier lediglich Exchange Online und sehen dadurch oft keinen Unterschied zum vorherigen E-Mail-Anbieter.

Jörg Mecke: "Nachvollziehbarkeit ist der Mehrwert"

Gleichzeitig sollte man Konfusion beim Mitarbeiter verhindern. Ein Beispiel: Ein Mitarbeiter möchte sich mit seinen Kollegen austauschen und hat dabei 1.000 verschiedene Möglichkeiten. Er kann anrufen, eine WhatsApp schreiben, E-Mails schicken, einen Chat öffnen oder die Info auf SharePoint eintragen. Diese Vielzahl an Möglichkeiten verwirrt den Mitarbeiter. Wenn es um Projektarbeit geht, ist eine Informationsdiffusion das Schlimmste, das passieren kann. So verschwindet die Nachvollziehbarkeit, aber Nachvollziehbarkeit ist hier der Mehrwert. Es gibt immer öfter geografisch verteilte Teams, Homeoffice ist immer weiter verbreitet und die globale Verteilung vom Mittelstand allgegenwärtig. Daher bedarf es innerhalb eines Team einer Nachvollziehbarkeit in der Zusammenarbeit. 

Gibt es aus Ihrer Sicht eine Empfehlung, wie sich neue Tools am effektivsten in ein Unternehmen implementieren lassen? 

Mecke: Das Besondere an dem ganzen Thema ist, dass Technik nur noch ein Bruchteil des Ganzen ist. Es gibt viele Berater, die sagen: ‚Ich implementiere das Tool, schalte es frei und bin danach wieder weg.‘ Das funktioniert so nicht. Egal, wie das Tool heißt und egal von welchem Hersteller es ist: Das reine ‚Reinschmeißen‘ bringt keinen Erfolg. 

Jörg Mecke: "Alles erreicht, was wir erreichen möchten"

Deswegen ist die richtige Einführungsstrategie entscheidend. Dabei stellen sich folgende Fragen: Wie bringe ich Menschen dazu, das Tool zu nutzen und zu erkennen, welche Vorteile sich dadurch für sie ergeben? Wie schaffe ich im Unternehmen eine Führungskultur, die die Verwendung der neuen Tools vorlebt? Sobald in der Hierarchie ein Bruch entsteht, kommen Gedanken auf wie ‚Warum muss ich das Tool verwenden, wenn mein Chef das nicht muss?‘

Das Ziel hinter der Einführung soll sein, dass jeder sagt: ‚Ich habe persönlich einen Vorteil davon, denn ich kann meinen Job dadurch besser durchführen.‘ Wenn man bei dem hohen Arbeitspensum heutzutage dabei helfen kann, Arbeit zu erleichtern, mehr Spaß zu haben, bessere Ergebnisse zu erzielen und die Anerkennung zu steigern, dann haben wir alles erreicht, was wir in der Beratung erreichen möchten. 

Und wie sieht es mit dem Vertrauen gegenüber Mitarbeitern aus: Homeoffice Ja oder Nein? 

Mecke: Ich würde es immer befürworten, weil ich selbst auch so lebe. Es geht darum, dass Mitarbeiter so arbeiten, wo und wann es ihnen am besten gefällt. Bei konzeptioneller Arbeit sollte berücksichtigt werden, dass jeder einen anderen Biorhythmus hat. Ich fange bei Aufgaben, die ein langes, kontinuierliches Denken erfordern, meist erst um 14 Uhr an zu arbeiten, dafür aber bis tief in die Nacht. Jeder ist da unterschiedlich. Die Frage ist doch: Wie wird Arbeit bewertet? Nach geleisteter Arbeitszeit oder nach Resultaten? Ich denke, dass Resultate immer mehr in den Vordergrund rücken. Es geht um Ideen, Fortschritt und Innovationen und nicht darum, Zeit abzusitzen. Das ist New Work.

Jörg Mecke: "Mixtur aus beidem: Homeoffice und Präsenz"

Viele Studien belegen, dass Leute, die im Homeoffice arbeiten, mehr erledigen, als wie wenn sie im Büro sitzen. Es ist nur sehr wichtig und zu beachten, dass es regelmäßige Meeting Points gibt. Eine Skype-Konferenz reicht da oft nicht aus. Das persönliche Treffen und Zusammensitzen bleibt in meinen Augen weiterhin sehr wichtig. Es ist die Mixtur aus beidem: Homeoffice und Präsenz. Deshalb spreche ich mich ganz klar für Vertrauen aus. 

Vertrauen ist gut, doch wie überprüfe ich als Chef, dass meine Mitarbeiter wirklich das tun, was ich erwarte? Gerade bei konzeptioneller Arbeit spüren Chefs oft eine Art Kontrollverlust. Wie wirkt man dem entgegen?

Mecke: Es können klar gesetzte Ziele sein. Wichtig ist aber auch, wie schnell man als Chef ein Gefühl für die Arbeitsweise des Mitarbeiters entwickelt. Ein Berufseinsteiger sollte anders geführt werden, als jemand der schon mehrere Jahre Berufserfahrung hat und immer top Ergebnisse liefert. Ich möchte mich von dem Wort ‚kontrollieren‘ entfernen und stattdessen eher ‚coachen‘ verwenden. Mit Coaching führt man Mitarbeiter zu richtigen Leistungen, dann entsteht auch beim Chef Freude über die positive Entwicklung des Mitarbeiters. 

Man sollte ein gutes Umfeld schaffen, in dem sich alle optimal entwickeln können und dabei Freiräume für Entwicklung und Coaching lassen. Keine Fehler suchen, sondern Optimierung finden und sich von dem Gedanken lösen, dass man alles kontrollieren kann. Denn das ist unmöglich. 

Vielen Dank für das Interview! Welche Veränderungen das Thema New Work in der Arbeitswelt mit sich bringt, lesen Sie hier.

Quellen Bilder (alle): Mittelstand Heute