14.12.2020 – Lesezeit: 2 Minuten

Prozesse / Produktion und Logistik

Neues Lieferkettengesetz: Das sind die Folgen für Wirtschaft und IT

Am 1. Januar 2021 tritt in Deutschland das umstrittene Lieferkettengesetz in Kraft. Es soll Unternehmen verpflichten, in der ganzen Lieferkette – vom Rohmaterial bis zum Endprodukt – Verantwortung und Transparenz zu zeigen, um etwa Kinderarbeit zu bannen.

Das Lieferkettengesetz spaltet Gesellschaft, Politik und Wirtschaft schon seit langem. Im Januar 2021 soll es in Kraft treten. Dass neben Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) mit dem Bundesentwicklungsminister Gerd Müller ausgerechnet ein CSU-Mann sich dafür besonders stark gemacht hat, heizt die Debatte zusätzlich an. Was Unternehmen bisher auf freiwilliger Basis getan haben, soll nun in ein verbindliches Gesetz werden. Die Bundesregierung will damit, auch nach einer EU-Vorlage, vor Kinderarbeit, Ausbeutung und Diskriminierung schützen.

Bürokratiemonster oder Segen?

Wirtschaftsverbände warnen schon vor zu hohen Hürden für die Industrie. Aber es gibt auch Befürworter wie Gisela Burckhardt, Vorstandsvorsitzende von FEMNET e.V. (Feministische Perspektiven auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft). Sie und ihr Verein machen sich im Rahmen sauberer Kleidung für das Lieferkettengesetz stark. Nicht alle in der freien Wirtschaft sehen in dem Gesetz auch eine Gefahr für sich, können sie damit doch auch ein Zeichen für Nachhaltigkeit und verantwortliches ökologisches Handeln setzen.

Doch es gibt auch viele Unternehmen, die in dem Lieferkettengesetz ein neues „Bürokratiemonster“ sehen, weil es eben oft schwierig ist, von den Rohmaterialien über die Fertigung bis zum Endprodukt lückenlos und transparent nachzuweisen, dass keine schädlichen Stoffe, Zwangsarbeit wie Sklaverei oder dergleichen einsetzt.

Weder Kinderarbeit noch Sklaverei

Martin Kotula, Global Vice President und Head of Value Advisory bei SAP, schreibt in einem Beitrag, dass die Situation ernst ist. UNICEF zufolge befänden sich derzeit allein 73 Millionen Kinder weltweit in den schlimmsten Formen der Kinderarbeit einschließlich Sklaverei, Zwangsarbeit, als Kindersoldaten oder in Kinderprostitution. Die Corona-Pandemie mache es noch schlimmer, da Kinder oft das fehlende Einkommen der Erwachsenen ersetzen müssen. So rechnet UNICEF damit, dass die Zahl der Jungen und Mädchen in Kinderarbeit bis 2025 auf 121 Millionen steigen wird.

Laut einer Umfrage der Bundesregierung würden weit weniger als die Hälfte der Unternehmen einer freiwilligen Selbstverpflichtung nachkommen, so Kotula. Es gebe aber schon eine Reihe von Unternehmen wie Tchibo, Nestlé, Rewe und der Schokoladenhersteller Alfred Ritter, die jetzt schon die geplanten Standards einhalten und eine weitreichende Regelung begrüßen. Andererseits gebe es aber auch viele Unternehmen, die eine zunehmende Regulierung sowie die damit verbundenen Haftungsfragen für problematisch bis wettbewerbsschädigend halten.

Deutschland ist nicht allein

Dennoch sind in anderen Ländern wie den USA, in Frankreich (2017 bereits) oder den Niederlanden (ebenfalls 2017 mit Verabschiedung 2019) ähnliche Gesetzesvorhaben umgesetzt worden. Außerdem tritt dem SAP-Vize zufolge 2021 ohnehin eine EU-Verordnung in Kraft, die den Schutz von Menschenrechten, auch mit Blick auf den Umgang mit Konfliktmaterialien wie Zinn, Wolfram, Tantal und Gold, sicherstellen soll.

Unternehmen sind demnach in der Pflicht, dazu beizutragen, dass illegale Handel von Rohstoffen, Zwangsarbeit, Geldwäsche und bewaffnete Gruppierungen gestoppt werde. Die deutsche Industrie ist davon laut Kotula zwar nicht im vollen Umfang betroffen, betroffene Firmen müssten darauf aber reagieren.

Transparenz fordert starke Lösungsanbieter

Klar ist: Unternehmen müssen ihre Lieferkette entsprechend transparenter gestalten, um die Regelungen umsetzen zu können. SAP deckt mit Lösungsanbietern wie der All for One Group mit dem Ariba-Portfolio alle Bereiche ab, um die Lieferkette in der Beschaffung durchgängig abzubilden und zu steuern. Kotula zufolge ist es einmal wichtig, für die Lieferantenauswahl eine mehrstufige Lieferantenqualifizierung durchzuführen.

Software allein könne den Unternehmen ihre hohe ethische, moralische, soziale und monetäre Verantwortung nicht abnehmen. Die Technologien würden aber wichtige technische und digitale Unterstützung sein, um dieser Verantwortung nachzukommen. Mehr zum Thema Lieferketten-Transparenz und SAP Ariba erfahren Sie in diesem Artikel.

Quelle: Titelbild pixabay, trilemedia