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21.12.2017 – Lesezeit: 6 Minuten

Geschäftsbereiche / Produktion und Logistik

Maschinenbau inmitten der Digitalisierung

Das verarbeitende Gewerbe erlebt in Deutschland momentan einen wahren Höhenflug. Das Statistische Bundesamt verzeichnete für September 2017 Umsatz- und Auftragseingänge, die ein sehr starkes Bild der Industrie und eines stetigen Wachstums zeichnen. Während diese Zahlen ein positives Signal für die aktuelle Situation sind, geht es mit der Digitalisierung zögerlicher voran. Um die augenblickliche Position auf dem Weltmarkt auch in Zukunft ausschöpfen und weiter ausbauen zu können, braucht es nun eins: den Willen zu Handeln.


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Es ist nur menschlich, sich in den berühmten “fetten Jahren” auf dem Erfolg des aktuellen Standes auszuruhen und diesen gedanklich schon mal in die nächsten Jahrzehnte zu transferieren. In der unglaublich schnelllebigen Welt von heute ist diese Denkweise jedoch wenig zielführend, wie man in der IT-Branche an Beispielen wie Yahoo!, AOL oder StudiVZ sieht. Auch diese hatten eine starke Marktposition, haben ihr Potenzial aber dann aufgrund von zu wenig Innovation verschenkt.

 

Dieser Beitrag richtet sich an:

✔  Führungskräfte, die ihr Unternehmen stärker digitalisieren wollen, um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben

✔  Business-Strategen, die ihre Unternehmensplanung um digitale Prozesse erweitern wollen, um neues Geschäft zu generieren

✔  Personalleiter, die ihre Workforce um Arbeitskräfte mit Digitalisierungs-Know-how erweitern wollen

 

Die deutschen Maschinenbauer nehmen dabei in der Industrie 4.0 mit Smart Factories und anderen Produktionstechnologien sogar eine weltweit führende Position ein und sind somit ingenieurtechnisch weiter ideenreich. Laut einer Studie der Unternehmensberatung Boston Consulting Group kommt jedoch die Digitalisierung zahlreicher in- und externer Prozesse nicht so richtig in Schwung.

Die vier größten Hindernisse der digitalen Transformation (Quelle: Boston Consulting Group)

Ein Problem ist der berühmt-berüchtigte IT-Wildwuchs, also der Flickenteppich aus oft in-house gehosteten Serverlandschaften und Applikationen, die beim Wachstum des Unternehmens Stück für Stück ergänzt wurden. Vor allem in der verarbeitenden Industrie sind in den letzten Jahren zahlreiche IoT-Devices hinzugekommen, die oft voneinander unabhängige Datensilos schaffen. PLM-Systeme können diese aufbrechen und die Daten zusammenführen, um sie abteilungsübergreifend nutzbar zu machen.

Im Idealfall kommt hier eine In-Memory-Datenbank mit S/4HANA als digitaler Kern der IT-Landschaft zum Einsatz. Diese ermöglicht, vereinfacht und beschleunigt den Austausch mehrerer Datenquellen, indem sie den Zugriff im schnellen Arbeitsspeicher eines virtualisierten Servers erlaubt. Gerade im Hinblick auf Machine Learning, neuronale Netze und die daraus resultierende künstlichen Intelligenz wird diese Geschwindigkeit ein noch wichtigerer Faktor werden. SAP selbst hat die Zeichen der Industrie erkannt und bietet mit Leonardo eine Plattform an, die Innovation im Bereich sich selbst optimierender und lernender Maschinen und Prozesse ermöglicht.


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Maschinenbauer hängen bei der Digitalisierung hinterher

Darüber hinaus werden für Maschinenbauer in Zukunft andere Felder entscheidend sein, um weiterhin erfolgreich zu bleiben. Datenanalyse, künstliche Intelligenzen und Robotics sind genau die Produkte, die von der Branche angefragt werden – und hier hängt Deutschland momentan noch ein wenig hinterher. Die Branche hierzulande gehört (etwa gleichauf mit den USA) zu denjenigen mit dem geringsten Vorreiteranteil, wenn es um die Digitalisierung geht. Mit etwa 20 Prozent liegen die Unternehmen hier hinter den Spitzenreitern zurück: den Telekommunikationsunternehmen mit 31 Prozent Anteil auf dem Weltmarkt.

Die Telekommunikationsunternehmen liegen auf dem Weltmarkt vorn

Quelle: Statista

Das ist aus historischer Sicht natürlich branchenbedingt, muss sich aber ändern, denn die momentan gute Auftragslage ist dem technologischen Sprung der Automobilbranche zu verdanken, die sich mit Fahrassistenzsystemen, Connected Cars und Elektroautos stark auf dem Weltmarkt positioniert. Die Zulieferer sind in Zukunft also angewiesen, ihre Portfolios um die entsprechenden Technologien zu erweitern, um die Top 3-Absatzmärkte, USA, China und Großbritannien, weiter zu bedienen.

Fachkräftemangel besteht eher im digitalen Raum

Dazu braucht es selbstverständlich die entsprechenden Fachkräfte, die vor allem aus dem IT-Bereich kommen müssen. Ein Fachkräftemangel an Ingenieuren besteht dabei nur relativ und ist vor allem durch die derzeitig gute Auslastung von 92 Prozent begründet, wie die Unternehmensberatung PwC in einer Studie im August festgestellt hatte. Geplant sind zahlreiche Neueinstellungen in diesem Bereich, bei der Digitalisierung und den entsprechenden Fachkräften fehlen aber auch aus der Führungsebene noch etwas die entscheidenden Impulse.

 

„Auf den ersten Blick kommt die digitale Transformation des Maschinenbaus nur langsam in Fahrt. Aber man darf nicht vergessen: Die Digitalisierung ist ein Marathon, kein Sprint. Sie bedarf eines klaren strategischen Ansatzes und einer digitalen Kultur, die Veränderungen erst ermöglicht.“

 

So kommentiert Dr. Frank Schmidt, Partner und Leiter des Bereichs Industrielle Produktion bei PwC die aktuelle Lage. Das Bewusstsein sei bei den Unternehmen zwar schon vorhanden, doch die Umsetzung stockt, was zum Teil der fehlenden Expertise durch Datenanalysten sowie Cloud-Architekten und anderen IT-Experten geschuldet ist.


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Hier gibt es zahlreiche Möglichkeiten, das Defizit auszugleichen und für die Zukunft zu planen. HR-Analytics-Tools können dabei helfen, die richtigen Mitarbeiter aus großen Datenbanken zu finden, die wiederum mit Jobportalen und Geschäftsnetzwerken wie LinkedIn verbunden sind. Hier ist vorausschauendes Personalmanagement gefragt, um sich die passende Expertise zur Digitalisierung mit versierten Mitarbeitern ins Haus zu holen oder den Prozess an Serviceprovider wie All for One Steeb auszulagern.

Digitale Kundenansprache verbessert die Servicequalität und den Umsatz

Gerne vernachlässigt: die digitale Kundenansprache. Sie führt jedoch zu einer Verbesserung der Servicequalität. (Quelle: Portishead1/iStock)

All diese Punkte betreffen die inneren Abläufe im Unternehmen, zu denen jedoch zusätzlich eine Komponente ergänzt werden muss, die gerne vernachlässigt wird: die digitale Kundenansprache. Diese hat in den letzten Jahren im Einzelhandel zu einer Verbesserung der Servicequalität geführt. Maßnahmen wie transparente Feedbacks per Apps und digitale Umfragen sind dabei für beide Seiten vorteilhaft, denn so kann das Unternehmen Dienstleistungen und Produkte auf Kundenbedürfnisse hin verbessern.

Auf der anderen Seite steigern solche Methoden natürlich den Abverkauf und geben Unternehmen Einsichten, in welche Richtung sich der Markt entwickeln wird. Gerade bei digitalen Prozessen stehen hier viele Mittel zur Verfügung, die im Maschinen- und Anlagenbau, bei Zulieferern und im Grunde in jeder Branche für erhöhte Kundenzufriedenheit sorgen. Im B2B-Umfeld kann dies über Collaboration-Tools auf Augenhöhe mit dem Kunden geschehen, beispielsweise mit SAP Jam Collaboration.

Wichtig ist für die gesamte verarbeitende Industrie jetzt, den Anschluss nicht zu verpassen und sich nicht auf dem derzeitigen Polster auszuruhen, sondern Investitionen in die Zukunft zu tätigen. Denn die digitale Renaissance hat bereits begonnen und wird neue Geschäftsbereiche eröffnen, die digitalisierten Unternehmen vorbehalten bleiben werden.

 

Quelle Titelbild: Zapp2Photo/iStock