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08.05.2019 – Lesezeit: 3 Minuten

Marketing, Vertrieb und Service / Technologie

KI-gestützte Aggressionserkennung gegen Randalierer

Bahnfahren wird jetzt in Berlin ein Stück sicherer, denn Künstliche Intelligenz hilft künftig, Randalierer ausfindig und dingfest zu machen. Im internationalen Bahnverkehr hingegen gibt es auch andere Szenarien für den KI-Einsatz.

Es waren schockierende Bilder, die einem in Erinnerung bleiben: 2017 hat ein Unbekannter einen Mann am Berliner Alexanderplatz die Treppe hinuntergestoßen. Vielleicht ist es deshalb kein Zufall, dass ausgerechnet Berlin und Brandenburg nun Vorreiter für eine KI-gestützte Aggressionserkennung von Siemens werden soll. Die Ostdeutsche Eisenbahngesellschaft (Odeg) hat nämlich 23 neue Züge für die Region bestellt, die mit intelligenter Software ausgestattet sein werden. Odeg-Geschäftsführer Arnulf Schuchmann hätte er die Züge auch ohne das System gekauft: „Hardware ist Pflicht, Software die Kür.“

Automatisierte Videoerfassung

Unterstützend kommt dabei auch die bestehende Videoerfassung zum Einsatz, aber durch KI wird die Erkennung nun automatisiert, denn Zugbegleiter können nicht gleichzeitig auf Monitore und in jeden Waggon schauen. „Jede automatische Vorverarbeitung der Bilder hilft den Menschen“, sagt Claus Bahlmann, Entwicklungschef für intelligente Software bei Siemens in Berlin-Adlershof, Mekka für viele Start-ups und etablierte Technologieunternehmen.

Wünschenswert wäre natürlich, dass die neue Technik auch an Bahnhöfen installiert wird, denn der Vorfall am Alexanderplatz in Berlin war nicht der erste dieser Art und wird es voraussichtlich auch nicht bleiben – deutschlandweit wie weltweit. Selbst in der bayerischen Landeshauptstadt München, die so stolz darauf ist, besonders sicher zu sein, ist man am Hauptbahnhof besonders zur Wiesn-Zeit beispielsweisevor betrunkenen Randalierern nicht gefeit. Schockierend war eben jener Münchner Fall von einem 50-Jährigen, der 2009 versucht hat, Kinder von jugendlichen Erpressern zu schützen und kurz vor der Einfahrt der S-Bahn an der Haltestelle Solln zu Tode getreten wurde.

„Trains with Brains“

Aggressionserkennung ist nicht der einzige neue Trend für Züge und Bahnstationen. Derweil sprechen internationale Fachzeitschriften schon von „Trains with Brains“, wenn immer mehr die Digitalisierung bis hin zu KI Einzug hält. In der Pariser Metro hilft die Videoüberwachung zum Beispiel bei der Erkennung, ob sich noch jemand im Zug befindet, wenn dieser nachts ins Depot einfährt. Selbst bei der so viel gescholtenen Deutschen Bahn hat sich bereits viel getan: So können Fahrgäste per Handy einen Fahrschein lösen und müssen somit keine Angst haben, als Schwarzfahrer entlarvt und extra zur Kasse gebeten zu werden.

Konkurrenz aus Fernost schläft nicht

Siemens Mobility entwickelt unter anderem eine Software für die Erkennung von defekten Bauteilen und Ersatzbestellung. Der Weltmarkt für Bahntechnik wächst, wenn man allein die Entwicklung in China und Indien betrachtet. Deutsche Hersteller haben 2018 rund zwölf Milliarden Euro mit Digitaltechnik umgesetzt und beschäftigen mehr als 50.000 Menschen. Die chinesische Konkurrenz schläft nicht und drängt immer mehr nach Europa, aber gemeinsam könnte Europa sich von ihr deutlich absetzen.

Knorr-Bremse, weltweit führender Hersteller von Bremssystemen, hat gerade erst zehn Millionen US-Dollar in ein israelisches Start-up investiert, das Video- und Infrarotsysteme entwickelt, um Hindernisse zu erkennen – ein wichtiger Weg für autonome Züge. Der Bahntechnikanbieter Thales hat dies Ende 2018 in Karlsruher Straßenbahnen auch schon erprobt, zumindest auf der letzten Meile ins Depot. Wie ein Thales-Sprecher zitiert wird, stecke Künstliche Intelligenz im Bahnbereich allerdings noch in den Kinderschuhen. Auch Siemens hat auf einer Teststrecke in Potsdam schon eine Straßenbahn autonom fahren lassen, die Verkehrsbetriebe befanden aber, dass es noch 20 Jahre bis zur Marktreife dauere.

„Armutszeugnis“ für Deutschland

Arnulf Schuchmann von der Ostdeutschen Eisenbahn wundert sich, dass es Autopiloten bei Flugzeugen schon seit Jahrzehnten gebe, es bei der Bahn aber so lange dauere, bis sich das durchsetze. Das gelte auch für das European Train Control System (ETCS). „Es ist ein Armutszeugnis, dass wir noch nicht weiter sind“, so der Odeg-Chef.

Das in Deutschland entwickelte digitale Leit- und Steuerungssystem ETCS basiert auf Funk, Sensoren und digitale Stellwerke statt der herkömmlichen Streckensignale und wurde bisher nur auf der Neubaustrecke zwischen Berlin und München realisiert, mit dem Ergebnis, dass Züge in kürzeren Abständen fahren können. Eine flächendeckende Umsetzung würde laut Deutsche Bahn viele Milliarden Euro kosten, aber 30 Prozent mehr Züge auf die Schiene bringen.

In Dänemark und der Schweiz ist ETCS mit deutscher Hilfe schon verbaut worden, daher müssen die deutschen Bahnbetreiber sich nicht wundern, wenn der Verband der Bahnindustrie in Deutschland die Kritik zurückgibt. Es sei alles vorhanden, so der der Verbandspräsident Volker Schenk. Die Bahn investiere aber zu zögerlich. Er findet es absurd, „dass das Hightech-Land Deutschland teils auf 100 Jahre alte Stellwerke setzt“.

Mittelstand mitunter schon weiter

Selbst der Mittelstand ist bei der Digitalisierung und beim Einzug von KI mitunter schon weiter als manche Großbetriebe wie die Deutsche Bahn. Unterstützt werden sie dabei von IT-Beratungshäusern wie die All for One Group AG. Als führender SAP- und Microsoft-Dienstleister bietet das Unternehmen mit Sitz in Filderstadt bei Stuttgart umfassende Beratungs- und Implementierungsleistungen rund um SAP HANA, SAP Leonardo, Microsoft Office 365, den Cloud-Betrieb mit Microsoft Azure und vieles mehr.

SAP Leonardo ist nicht einfach nur eine neue Software, sondern versteht sich als „Digital Innovation System“ für verschiedene Anwendungen für Künstliche Intelligenz und das Internet of Things (IoT) zur intelligenten Überwachung und Steuerung von Maschinen in Produktionsbetrieben (Stichwort Industrie 4.0) und anderen vertikalen Märkten. Die All-for-One-Gruppe hat auch schon eine Reihe von Projekten für die Steuerung von Transportrobotern und den Einsatz von AR-Brillen im Bereich Wartung umgesetzt. Die Experten entwickeln zusammen mit Kunden ständig neue Ideen mit Blick auf die Digitalisierung und Automatisierung von Prozessen.

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Quelle: Titelbild pixabay, AJKFFM