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17.01.2018 – Lesezeit: 2 Minuten

Impulse

IT-Consulting NextGen: Das Ende der Tagessätze

Jörg Mecke

Jörg Mecke, Geschäftsbereichsleiter Microsoft Consulting bei All for One Steeb, ist seit 20 Jahren in der IT-Beratung tätig, nachdem er auf Kundenseite zuvor u. a. für Providermanagement zuständig war. Aufgrund seiner umfangreichen Erfahrungen im Bereich der Cloud-Transformation leitet er Impulse für Dienstleistungsangebote und Zusammenarbeit ab.

 


Das Beratungsgeschäft des Bereiches, den man früher einmal fast liebevoll „EDV“ nannte, steht vor einem massiven Umbruch. Dabei ist es ausnahmsweise mal nicht so, dass man ein weiteres der anfänglich geliebten und später gehassten Buzzwords wie Digitalisierung, Cloud, Software defined Irgendetwas oder eine serviceorientierte Architektur nach vorne treibt. Vielmehr führen alle diese Themen zu einem Problem: Es bleibt immer weniger Zeit für immer mehr Komplexität.

Die digitale Transformation sichert Unternehmen den Fortbestand. Als Stolpersteine erweisen sich aber immer wieder die wachsende Komplexität Die ständig neuen Anforderungen der Fachbereiche werden stets komplexer. (Quelle: iStock/DNY59)

Der Abnehmer der IT-Beratung steht typischerweise vor dem Problem, dass die ständig neuen Anforderungen der Fachbereiche so komplex geworden sind, dass man diese bei einer Angebotsanfrage kaum formulieren kann. Auch wenn das Ziel relativ klar ist, kann der Weg häufig nicht in Einzelschritte geteilt werden. Das Resultat daraus ist, dass der Berater eine Anzahl von Tagen schätzt, nach bestem Wissen und Gewissen vorgeht und die Überschlagsrechnung durch einige Rückfragen untermauert.

Das Ergebnis nennt sich typischerweise „time and material“. Abgerechnet wird der tatsächlich erbrachte Aufwand, und wenn die Schätzung bis zur Fertigstellung nicht reicht, wird mehr abgerechnet oder weniger geleistet. Meistens handelt es sich – wenn der Dienstleister es aus seiner Sicht gut formuliert hat – um einen Dienstvertrag und er bleibt auch juristisch kein Ergebnis schuldig. Vielmehr vermietet der Dienstleister in einem solchen Fall die Mitarbeiter, was durch die Veränderung der Gesetzeslage im Bereich der Arbeitnehmerüberlassung im Jahr 2017 schwieriger geworden ist.

Der Wunsch nach Geschwindigkeit und Planbarkeit wird größer

Manche Unternehmen sind dieser Vorgehensweise aber müde, und es werden ständig mehr, die sowohl Geschwindigkeit als auch Planbarkeit haben wollen. Zudem kommt die Erkenntnis auf, dass die eigene Umgebung gar nicht so einmalig ist, wie man früher immer dachte. Fast 50 Prozent aller deutschen Unternehmen erkennen das tagtäglich, weil ihr Exchange-Postfach selbstverständlich vereinheitlicht aus der Office 365-Umgebung kommt. Standard geht auch.

Bei einem Vergleich mit der Automobil-Industrie kann man erkennen, wie Individualität und Standardisierung geht: Ein schlauer Mensch hat einmal ausgerechnet, wie wahrscheinlich (genau genommen: unwahrscheinlich) es ist, zwei baugleiche Minis auf der Straße oder dem Parkplatz zu entdecken. Zieht sich der Mini-Händler deswegen bei jeder Bestellung zurück, telefoniert mit dem Werk und macht ein Angebot auf „time and material“?

Servicekatalog versus Festpreisprojekt

Mini hat – wie alle anderen – seit langem etwas, was man spätestens seit ITIL als „Servicekatalog“ bezeichnet. Leistungen sind beschrieben, bepreist und Abhängigkeiten im Konfigurator hinterlegt. Im Bereich Managed Service kennt man das schon lange, aber warum nicht im IT-Consulting? Warum ist im Consulting die einzige Alternative zum Tagessatz ein Festpreisprojekt, das Anzahl Tage mit dem Tagessatz multipliziert und mit einem Risikoaufschlag versieht? Ein Festpreis, der von Kunde zu Kunde neu ermittelt wird, sozusagen: handgeklöppelt.

Dieses System wird sich ändern, weil es sich ändern muss. Das passiert nicht heute oder in einem Monat. Aber als Perspektive wird dieser Servicekatalog für Projektdienstleistungen in der IT ein notwendiger Standard.

 

Quelle Titelbild: iStock/DNY59