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27.05.2019 – Lesezeit: 3 Minuten

Geschäftsbereiche / Geschäftsführung

Investoren im Mittelstand: Frisches Kapital, aber wie?

Wenn ein Unternehmen Geld braucht, kann es entweder einen Kredit beantragen oder sich auf die Suche nach einem Investor machen. In jedem Fall bleibt ein unternehmerisches Risiko. Diese Vor- und Nachteile bringen externe Investoren mit sich, und so vertrauen Sie auf eine ganz andere Finanzierungsmöglichkeit.

Die Situation kennt jeder Entscheider: Investitionen sind dringend erforderlich, aber wie soll man diese finanzieren? Banken werden immer zögerlicher bei der Kreditvergabe, weshalb Alternativen gefragt sind. Sie können nun das Für und Wider einer Unternehmensbeteiligung abwägen und die Suche nach einem Investor beginnen. Aber wie heißt es so schön: „Drum prüfe, wer sich ewig bindet.“ Und wie in einer Ehe kann eine Verbindung mit einem Kapitalgeber schöne Früchte tragen, aber eben auch schiefgehen.

Möglichkeiten für frisches Kapital

Welche Möglichkeiten – außer der direkten Übernahme – haben mittelständische Unternehmen, um an frisches Kapital zu kommen? Es gibt eine ganze Reihe Alternativen, deren Vor- und Nachteile sorgfältig abgewogen werden sollten. Eine wichtige Frage ist, was Sie mit den Investitionen eigentlich erreichen möchten. Dies sollten Sie sich genau klar machen und Ihre strategischen Ziele definieren. Idealerweise kann ein Investor nicht nur Geld in die Firma einbringen, sondern auch Kontakte herstellen und neue Geschäftsfelder erschließen.

Wenn Sie sich also auf die Suche nach einem Investor machen, sollten Sie genau prüfen, ob er zu Ihnen passt und Ihrem Unternehmen durch seine Branchenkenntnisse und sein Netzwerk auch weiterhelfen kann. In jedem Falle muss ein Firmenchef zwangsläufig einen Teil seiner Macht abgeben, wenn er sich auf eine Finanzpartnerschaft einlässt. Er ist nicht mehr uneingeschränkt Herr im eigenen Haus. Es ist eine Mentalitätsfrage, ob altgediente Chefs damit zurechtkommen oder nicht. Einerseits kann es durchaus positiv sein, eine zweite Meinung von jemandem einzuholen, der bereits Erfahrungen mit anderen Beteiligungen vorweisen kann. Andererseits engt es auch den eigenen Handlungs- und Entscheidungsraum ein.

Kapital aus dem Ausland

Zudem sollten Sie sich die Frage stellen, ob Sie auf heimisches Kapital vertrauen möchten oder das Unternehmen auch für internationale Investoren öffnen. Bei Übernahmen durch US-Firmen ist es fast schon zur Regel geworden, dass der bisherige Chef nach einem Jahr das Unternehmen verlässt. Chinesische Investoren gelten als geduldiger, aber auch hier gibt es Negativbeispiele.

Und natürlich wird bei Verhandlungen mit ausländischen Investoren oft erst im Nachhinein deutlich, dass die Mentalität nicht zueinander passt. Amerikaner sind stark zahlengetrieben und denken in Quartalen, während Chinesen dem Senioritätsprinzip huldigen. Jüngere Mitarbeiter zählen bei den Asiaten oft weniger, die Entscheidungsgewalt obliegt den Älteren.

Wagnis Börsengang

Ein Börsengang heißt, das benötigte Geld von einer Vielzahl von Kapitalgebern zu erhalten, von denen kein einzelner eine überragende Rolle spielt. Das kann sich finanziell lohnen, andererseits ist es sehr aufwändig und mit hohen regulatorischen Hürden und Transparenzpflichten verbunden. Eine starke Gefahr sind „Activist Investors“, die dem Unternehmen einen bestimmten Kurs aufzwingen und eine Menge Ärger machen können, selbst wenn sie nur eine einstellige Minderheitsbeteiligung halten.

Und diese Activist Investors beschränken sich nicht länger auf den US-Markt, sondern nehmen sich immer mehr auch deutsche Firmen vor. Transparenz ist aber auch bei anderen Beteiligungsformen unabdingbar – und das in einer Schärfe, die für viele mittelständische Firmen ungewohnt ist. Deshalb ist es notwendig, sich ernsthaft mit dem Thema Investor Relations auseinander zu setzen und das Thema professionell anzugehen.

Private Equity – mehr als Heuschrecken

9,6 Milliarden Euro hat die deutsche Private-Equity- und Venture-Capital-Branche 2018 in rund 1.200 deutsche Unternehmen investiert. Private-Equity-Investoren wollen die Bücher genau kontrollieren, halten sich aber in der Regel aus dem Tagesgeschäft heraus, weil sie an einer Vielzahl unterschiedlicher Unternehmen beteiligt sind. Die Branche kämpft mit dem Ruf, Heuschrecken zu sein, ist aber auf einem guten Weg, Vorurteile zu überwinden. 2018 brachte einige herausragende Transaktionen, etwa bei Techem oder SUSE.

Mittelstandsanleihen – Flaute überwunden

Eine weitere Möglichkeit ist es, Anleihen herauszugeben. Allerdings sind gerade Mittelstandsanleihen – die so genannten Mini-Bonds – in Verruf geraten, weil einige Unternehmen wie etwa Beate Uhse die damit angesammelte Schuldenlast nicht bewältigen konnten. Im Jahr 2018 erlebten die Mittelstandsanleihen eine Renaissance, und es wurden 35 neue Mini-Bonds ausgegeben. Ausfälle gab es lediglich bei zwei Emittenten mit einem Volumen von nur fünf Millionen Euro.

Hohe Flexibilität durch Private Debt

Immer beliebter im Mittelstand werden dagegen die so genannten „Private Debts“, also Kredite von Personen, die keine Banken sind, obwohl dabei die Zinsen in der Regel höher sind als bei Bankkrediten. Dafür ist die hohe Flexibilität durch individuelle Gestaltung der Finanzierungsbedingungen ein gewichtiger Vorteil, der für viele Firmen die hohen Zinsen aufwiegt. Private-Debt-Fonds sind ähnlich aufgebaut wie Private-Equity-Fonds. Nur wird kein Eigenkapital, sondern Fremdkapital eingesetzt.

Neue Möglichkeiten durch Finanzierung 4.0

Ein neues Konzept ist die „Finanzierung 4.0“, bei der Echtzeitdaten an potentielle Geldgeber übermittelt werden. Dies weckt großes Interesse im Mittelstand. Laut einer Studie der TU Darmstadt nutzen 26 Prozent der Befragten bereits ein Tool, das in der Lage ist die eigene Liquiditätsplanung mit Zahlungsströmen anderer Firmen zu vergleichen, 39 Prozent planen konkret den Einsatz und 23 Prozent erklärten, das Thema sei interessant und stünde auf der Agenda.

Von Erfahrungen anderer profitieren

Für welchen Weg Sie sich auch entscheiden, Sie sollten in jedem Fall Vor- und Nachteile sorgfältig abwägen und vielleicht in Peer-Gesprächen herausfinden, wie die Erfahrungen anderer Firmen aussehen. Eine neue Bitkom-Studie zeigt: Die Digitalisierung erhöht den Wettbewerbsdruck im Mittelstand. Alle Fakten haben wir in diesem Artikel aufbereitet.

Quelle: Titelbild pixabay, geralt