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01.03.2019 – Lesezeit: 2 Minuten

Human Resources / Impulse

Führen in Teilzeit: Kind, Karriere oder beides?

Frauen in Führungspositionen müssen oft Familie und Beruf unter einen Hut bringen. Das Konzept „Führen in Teilzeit“ soll hierzu neue Möglichkeiten eröffnen. Zwei bekannte Unternehmen setzen das theoretische Modell bereits erfolgreich in der Praxis um.

Höher Qualifizierte wollen Privatleben und Beruf immer öfter vereinbaren und dabei zu einer guten Work-Life-Balance finden. Das „Teilzeit-Problem“ betrifft in der Regel vor allem Frauen, aber auch immer mehr Männer gehen in Elternzeit oder möchten mehr Zeit mit ihrer Familie verbringen.

 

Businesscoach Brigitte Abrell hat selbst zwölf Jahre als Führungskraft in Teilzeit gearbeitet und ihre Erfahrungen in dem Buch „Führen in Teilzeit“ zu Papier gebracht. Ihr Fazit: „Um einer Führungskraft temporär oder auf Dauer eine Arbeitszeitverkürzung zu ermöglichen, sind oft nur wenige konkrete Maßnahmen nötig.“

AOK als Vorreiter

Einige Arbeitgeber haben das Konzept bereits in die Praxis umgesetzt. Beispielsweise hat die AOK Baden-Württemberg regionale Arbeitsgruppen "Beruf und Familie" einbezogen, um die Unternehmensidee „Führen in Teilzeit“ in konkrete Lösungen vor Ort zu übersetzen. Hier konnten Beschäftigte und Personalräte ihre Anregungen einbringen, Ideen entwickeln, Feedback an die Leitungsebene geben und so dafür sorgen, dass das Konzept auch in der Praxis erlebbar wurde.

Die konsequente Strategie, Führung in diesem Sinne neu zu denken, hat sich bezahlt gemacht. Beispielsweise war eine gendergerechte Veränderung der Auswahlverfahren zum internen Studium sowie für Führungsaufgaben sehr erfolgreich.

Resultate statt Anwesenheitszeiten

Auch das deutsche Management von Boehringer Ingelheim bekennt sich ganz klar zum Modell Führen in Teilzeit: „Für uns zählen Integrität, Vertrauen und Resultate – nicht das starre Absolvieren von Anwesenheitszeiten“, erklärt Stefan Rinn, Landesleiter Deutschland von Boehringer Ingelheim. „Das bedeutet auch, tradierte Vorstellungen von Führung zu hinterfragen und auf die Bedürfnisse unserer Mitarbeitenden einzugehen. Mit FiTZ (Anm. d. Red.: Führen in Teilzeit) haben wir ein Modell ins Leben gerufen, das lebensphasenorientierte, individuelle Karrierewege ermöglicht.“

Wenn Führen in Teilzeit gelingen soll, ist die Möglichkeit zum Homeoffice und die Arbeit in Teams erforderlich, vor allem aber gegenseitiges Vertrauen. Job Sharing kann es ermöglichen, dass sich zwei Führungskräfte in Teilzeit eine Stelle teilen. Nicht verschwiegen werden sollte, dass in vielen Firmen noch altes Denken verankert ist und etliche Chefs beim Thema Teilzeit allergisch reagieren.

Grundsätzlich ist es für Betroffene durch die gesetzlichen Regelungen möglich, auf eine andere Teilzeitstelle zu wechseln. Immerhin erlaubt es das Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz, bei anderen Arbeitgebern anzuheuern. Der alte Arbeitgeber muss die Stelle trotzdem bis zum Ende der dreijährigen Elternzeit freihalten. Es stellt sich also nicht die Frage, ob nur Kind oder Karriere – geht nämlich auch beides.

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Quellen: Titelbild pixabay, Free-Photos