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23.01.2019 – Lesezeit: 2 Minuten

Human Resources / Impulse

Entgelttransparenzgesetz: Wie Personalabteilungen betroffen sind

Die Auswirkungen des umstrittenen Entgelttransparenzgesetzes (EntgTranspG) sind bisher gering geblieben. In einer Studie stellt das Beratungshaus Kienbaum fest, dass von 103 Unternehmen nahezu zwei Drittel keinerlei Auskunftsansprüche bearbeiten mussten. Im Durchschnitt stellten die Beschäftigten insgesamt neun Anfragen je Unternehmen. Wie Unternehmen auf Auskunftsansprüche und mögliche Verdienstunterschiede reagieren können, zeigt dieser Beitrag.

Das Entgelttransparenzgesetz (EntgTranspG) wurde 2017 auf den Weg gebracht, um den Gender Pay Gap zwischen Männern und Frauen zu schließen. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ging von einem Gehaltunterschied von 21 Prozent aus. In der Praxis liegt angesichts der Tatsache, dass Frauen öfter teilzeitbeschäftigt, seltener in Führungspositionen vertreten und häufiger in sozialen Berufen tätig sind, die Differenz laut Statistischem Bundesamt etwa bei sechs bis sieben Prozent (sogenannte bereinigte Entgeltlücke).

Erst ab 201 Mitarbeiter

Kleine und mittelständische Unternehmen sind, anders als zunächst geplant, nicht von den Regelungen zu Auskunftsanspruch, Prüfverfahren und Berichtspflicht betroffen. Denn es wird ein Schwellenwert von 200 oder 500 Beschäftigten vorgeschrieben (§§ 10 ff.). Das Entgelttransparenzgesetz betrifft Unternehmen also erst ab 201 Beschäftigten.

Unternehmen sind nun laut der Studie des Beratungshauses Kienbaum (Juni 2018) zum Entgelttransparenzgesetz sechs Monate nach Einführung des Gesetzes von den Folgen des EntgTranspG überrascht. „Die Anfragen in deutschen Unternehmen halten sich derzeit noch in Grenzen: Bisher haben nur wenige Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vom Auskunftsanspruch Gebrauch gemacht. In denjenigen Organisationen, in denen jedoch Anfragen gestellt wurden, sind ca. zwei pro Monat eingegangen“, berichtet Neele Siemer, Vergütungsexpertin bei Kienbaum.

Verantwortung beim Betriebsrat

Grundsätzlich liegt die Verantwortung zur Beantwortung des Auskunftsersuchens beim Betriebsrat, jedoch kann der Arbeitgeber das Verfahren an sich ziehen. Dazu Neele Siemer: „In unserer Stichprobe haben 18 Prozent die Verantwortung beim Betriebsrat belassen, ist aber der Betriebsrat für die Beantwortung des Auskunftsersuchens zuständig, erhält das Unternehmen weniger Anfragen. In diesen Organisationen sind im Durchschnitt nur vier Anfragen eingegangen, wohingegen doppelt so viele Anfragen gestellt wurden, wenn die Arbeitgeber selbst dafür verantwortlich sind oder es noch vorhaben.“

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Fast die Hälfte der Befragten (46 Prozent) gibt in der Kienbaum-Studie an, weniger Auskunftsansprüche nach § 10 EntgTranspG von ihren Mitarbeitern erhalten zu haben als erwartet. Hinzu kommt, dass bei 40 Prozent der Anfragen mit dem Auskunftsverweigerungsrecht seitens des Unternehmens begegnet wurde. Die Gründe dafür lauten:

  • Angabe einer zu kleinen Vergleichsgruppe durch den Mitarbeiter (28,6 Prozent)
  • formale Fehler des Auskunftsanspruchs (5,6 Prozent)
  • Benennung einer falschen Vergleichsgruppe (2,9 Prozent)

Fazit und Handlungsempfehlungen

Bisher sind die Folgen des Entgelttransparenzgesetzes gering geblieben. Gleichwohl sollten die Unternehmen jetzt proaktiv handeln. Dazu zählt, ab sofort alle Gehaltsentscheidungen zu begründen und zu dokumentieren. Personalabteilungen sollten Anfragen zügig bearbeiten. Derzeit ist das bereits der Fall und laut Kienbaum werden fast alle Anfragen binnen eines Tages bearbeitet. Generell sind Unternehmen gut beraten, in den Dialog mit dem Betriebsrat zu treten. Dass bei einer Einbeziehung des Betriebsrates im Gegensatz zur alleinigen Verantwortung des Unternehmens nur halb so viele Anfragen gestellt werden, zeigt, dass diese Methode eine echte Erleichterung für die Personalabteilung darstellt.

Arbeitgeber sollten Anfragen lieber beantworten als diese zu sehr zu prüfen oder abzuwimmeln. Sonst drohen ihnen auf der einen Seite die Kosten der Prüfung und, im Fall einer festgestellten Diskriminierung, eine Klagewelle seitens der betroffenen Mitarbeiter.

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Quelle: Titelbild pexels, Pixabay