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07.10.2019 – Lesezeit: 2 Minuten

Human Resources / Impulse

Führen Arbeitszeitgesetze zum Ende der Vertrauensarbeitszeit?

Im Mai 2019 sorgte ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) für viel Wirbel, das eine zentrale Arbeitszeiterfassung zur Norm erhob. Nun lautet die Frage, wie es mit Vertrauensarbeitszeit weitergeht. Viele mittelständische Unternehmen sind verunsichert.

Der Europäische Gerichtshof hat am 14. Mai 2019 entschieden: „Die Mitgliedsstaaten müssen die Arbeitgeber verpflichten, ein System einzurichten, mit dem die tägliche Arbeitszeit gemessen werden kann“ (PDF). Noch immer umstritten ist die Frage, ob das deutsche Arbeitszeitgesetz damit richtlinienkonform ist. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier sah jedenfalls eine Woche nach Urteilsverkündung keinen Handlungsbedarf und forderte zunächst ein Rechtsgutachten an.

Verunsicherung bei Unternehmen

Aktuell dokumentiert eine Umfrage des Ifo-Instituts die derzeitige Situation. Immerhin dokumentieren fast 30 Prozent der Befragten bislang noch überhaupt nicht, wie lang Ihre Mitarbeiter am Tag arbeiten. Weitere knapp 20 Prozent halten die Arbeitszeit schriftlich oder via Stempeluhr fest. Da durch die neuen Regelungen eine elektronische Erfassung voraussichtlich nicht mehr zu umgehen ist, sind diese Unternehmen entsprechend verunsichert. Laut Ifo-Institut befürchten nun viele Personalverantwortliche, dass die aktuell in ihrem Unternehmen praktizierte Art der Arbeitszeiterfassung einer Neuregelung nicht standhalten würde.

Hat Vertrauensarbeitszeit noch eine Chance?

Ein Unternehmen, das bisher ausschließlich auf Vertrauensarbeitszeit gesetzt, ist SAP. Der Software-Riese aus Walldorf verzichtet seit der Gründung 1972 auf Kontrollen. Das Unternehmen würde gerne beim Konzept der Vertrauensarbeitszeit bleiben, sagte Wolfgang Fassnacht, der bei dem Softwarekonzern weltweit für Weiterbildung und Führung zuständig ist. „Die Akzeptanz ist einfach sehr, sehr hoch.“ Die Vertrauensarbeitszeit sei erst jüngst in eine Betriebsvereinbarung gegossen worden: „Damit haben wir die über 40 Jahre alte Praxis nochmal festgeschrieben.“

Eine gesetzliche Vorgabe zur Arbeitszeiterfassung könnte viel Bürokratie nach sich ziehen, fürchtet Fassnacht. „Da geht es auch um private Internetnutzung am Arbeitsplatz“, sagt er. „Muss ich mich dann ausstempeln, wenn ich mal privat 10 Minuten etwas mache, zum Beispiel mit meiner Familie telefoniere? Das würde unserer Arbeitskultur komplett widersprechen.“

Chancen nutzen

„Es ist abzuwarten, ob, wie und wann der Gesetzgeber das Urteil des EuGH umsetzt“, betont Claudia Abele, Head of Corporate HR bei der All for One Group, der führenden IT- und Consulting-Gruppe in der DACH-Region. „Wir sehen Vertrauensarbeitszeit als Modell der Zukunft. Wir hoffen, dass das künftig so bleibt. Tatsächlich lässt sich Vertrauensarbeitszeit durchaus sinnvoll mit modernen Zeiterfassungslösungen kombinieren, wenn der gesetzliche Rahmen stimmt“.

Mehr zur Arbeitszeitregelung erfahren Sie in diesem Artikel von Mittelstand Heute.

Quelle: Titelbild iStock, Sezeryadigar