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12.12.2018 – Lesezeit: 3 Minuten

Technologie

Ungenutztes Potenzial: EDI auf Lieferantenseite einsetzen

Eckhard Höhmann, Solution Architect bei der All for One Steeb AG, betreut Kunden im Bereich EDI (Electronic Data Interchange) und stößt dabei immer wieder auf einen Sachverhalt, der für ihn nicht nachvollziehbar ist: Während Zulieferer in Richtung Kunde meist vollständig digitalisiert sind, hapert es in Richtung Geschäftspartner. Ein Plädoyer für mehr Mut bei der Digitalisierung von Geschäftspartnern.

Ich bin sauer. Ich dachte erst, ich sei nur enttäuscht, aber in Wirklichkeit bin ich sauer.

Mutlosigkeit: EDI noch zu selten auf Lieferantenseite im Einsatz

Warum? Jeder betreibt EDI, weil 'es der OEM so will', aber viel zu wenige Zulieferer sind so smart und betreiben EDI auf der Einkaufsseite. Und die Ausreden sind immer die gleichen: 'Es ist zu teuer!' oder 'Wer soll denn mit den ganzen Lieferanten reden?' oder das Highlight: 'Das können wir vom Know-how her gar nicht leisten'.

Also lassen Sie mich einfach einmal ganz kurz festhalten: Sie haben einen Prozess mit Ihrem Kunden auf stabile Füße gestellt, die Plattform ist vorhanden, der Initialaufwand ist geleistet und jetzt trauen Sie sich nicht weiterzugehen? Sorry, aber wie bitte?

E-Mail-Kurs: Digitalisierung mit Geschäftspartnern

EDI: Supply Chain digitalisieren 

Was denken Sie denn, warum der OEM das macht? Es geht hier um nichts anderes als darum, Lieferketten zu stabilisieren, die Supply Chain zu digitalisieren und mit EDI logistische Szenarien aufzubauen, die auf Papierbasis undenkbar wären. Wer will sich denn ernsthaft leisten, darauf zu verzichten?

EDI auf Lieferantenseite einführen: Eine Frage der Organisation

Natürlich ist mir klar, dass hinter der Umstellung, EDI auf der Lieferantenseite zu etablieren, mehr steckt, als im Prozessdiagramm einfach einmal alle Pfeile um 180 Grad zu drehen. Gerade, wenn die Plattform im Haus schon vorhanden ist, stehen viele Zulieferer vor einer Mammutaufgabe. Und die ist eigentlich gar nicht IT-bezogen. Es handelt sich nämlich im ersten Schritt um eine organisatorische Aufgabe.

Jemand muss – sagen wir einmal – mit tausend Lieferanten sprechen, tausend Mal den Telefonhörer in die Hand nehmen, tausend E-Mails schreiben usw. …

So geht der OEM bei der EDI-Einführung vor

Aber sehen wir uns einmal den OEM an: Wie geht er vor? Wir werden mit einer Guideline auf einem Portal konfrontiert, die wir umzusetzen haben. Funktioniert etwas nicht, wenden wir uns an die EDI-Koordination des OEM. Bei vielen können wir sogar unsere Testnachrichten automatisch validieren lassen. Und im Prinzip kann das eigentlich jeder. Zumindest jeder, der die Kapazität dafür hat. Und wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, dann ist die Kapazität hier oft das größte Problem.

Und sorry: Mir ist schon klar, warum Ihr Softwarelieferant das nicht zu seinem Problem machen will: Er hat die Lizenz verkauft, kassiert die Wartung und jeder Finger, den er dabei rührt, geht auf seinen Deckungsbeitrag.

 

EDI – und vor allem der Gesamtkomplex „Digitalisierung von Geschäftspartnern“ funktioniert jedoch einfach in der Praxis nicht so. Und aus diesem Grund sollte der Berater auch nicht nur an Werkzeuge denken, wenn er vom Kunden mit dieser Herausforderung konfrontiert wird. Er sollte analysieren, beraten, Services leisten und Lösungen bereitstellen. Wenn die Lösung des Problems am Ende 'EDI' lautet, ist es gut, wenn sie 'Portal', 'Scan' oder irgendwie anders heißt, ist es auch gut. 

Als Kunde sollten Sie sich nicht Software und Funktionen verkaufen lassen. Ihr Berater sollte sich ein bestimmtes Problem ansehen (von Sie vielleicht gar nicht wissen, dass sie es haben) und diese Nuss dann gemeinsam mit Ihnen knacken.

80 Prozent der EDI Projekte auf Lieferantenseite scheitern am mangelhaften Onboarding

Schon einmal gehört? Ja? Vielleicht vom gefürchteten Unternehmensberater? Das ist nämlich echte Beratung und nicht einfach Implementierung! Und was beim Sanieren schiefgelaufener Projekte mit 3rd-Party EDI-Lösungen immer wieder auffällt: 80 Prozent der EDI-Projekte auf Lieferantenseite scheitern am mangelhaften Onboarding. Die IT war auf sich allein gestellt, konnte sich nicht selbst helfen und hat es mit größter Mühe geschafft, vier von hundert Lieferanten auf die Plattform zu bekommen. 

Meistens kommt der echte Berater also erst Spiel, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Aber das ist ja auch die Herausforderung, die der Berater so liebt und der Implementierer so scheut. Und wenn der Berater dann erst einmal die Prozesse kennt, einen effizienten Helpdesk aufgesetzt hat (bei dem sich nicht nur der Kunde, sondern auch dessen Lieferanten melden), kommen die Zulieferer mit richtig hoher Taktzahl an Bord.

Tipp: Sprechen Sie mit einem Experten darüber, wie Sie EDI auf  Lieferantenseite einführen können  Fordern Sie jetzt ein unverbindliches Expertengespräch an >>