15.06.2020 – Lesezeit: 4 Minuten

Geschäftsführung / Impulse

3 Tipps zum Führen im Homeoffice

Nicht zuletzt dank Massenabwanderung ins Homeoffice steht Deutschland bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie vergleichsweise gut da. Um Mitarbeiter bei der Stange zu halten und zu motivieren, sollten Führungskräfte sie daheim nicht alleine lassen.

Marla Borowski ist nun schon seit gefühlt einer Ewigkeit im Homeoffice und ihr fällt immer mehr die Decke auf dem Kopf. Sie teilt sich mit ihrem Freund, der ebenfalls seit Mitte März zu Hause arbeitet, eine 35-qm-Wohnung. Da ist dicke Luft vorprogrammiert. Was sie früher nie gedacht hätte: Sie sehnt sich immer mehr ins Büro zurück. Damit ist sie nicht allein.

Laut einer internationalen Umfrage von Asana, Anbieter von Projektmanagementlösungen, würden 36 Prozent der Bundesbürger auch nach der Pandemie gerne weiter im Homeoffice arbeiten. In den USA sind es die Hälfte, in Australien sogar noch mehr. Was den Arbeitsbeginn angeht, sind die Deutschen im Homeoffice weniger diszipliniert als die Befragten in den beiden anderen Ländern. Das liegt unter anderem auch an fehlender Motivation im Homeoffice, die in Deutschland mit über 40 Prozent besonders stark ausgeprägt ist. Führungskräfte sollten das zum Anlass nehmen und überlegen, wie sie ihre Mitarbeiter motivieren. Diese drei Tipps könnten helfen.

Feedback und gemeinsame Kaffeepausen

Reflexion und Feedback sind wichtig, um Mitarbeiter aus dem Homeoffice abzuholen. Dabei sollte es aber nicht nur um Business Talk gehen. Denn vielen der Kollegen daheim fällt so wie Marla Borowski buchstäblich die Decke auf den Kopf, weil sie kaum noch unter Leute kommen. Daher empfiehlt es sich, in Hands-on-Meetings oder gemeinsamen Coffee Breaks auch mal zwanglos über ganz Persönliches zu plaudern. Damit das nicht im Sande verläuft und zum peinlichen Zwang wird, sollten Führungskräfte sich bemühen, das Ganze zu moderieren, indem sie Fragen und Aufgaben für das nächste virtuelle Meeting bspw. via Microsoft Teams stellen.

Fragen können zum Beispiel sein, wie Mitarbeiter ihr Wochenende verbracht haben, was für Hobbies sie haben, welche Streamingdienste sie nutzen und welche Serien sie empfehlen. Die mit einer Frage verbundene Aufgabe für den nächsten Montagmorgen kann sein, dass die Kolleg/innen berichten, was er oder sie als Kind werden wollte – oder welche Sprachen und andere Fähigkeiten man erlernt hat, die nichts mit dem derzeitigen Job zu tun haben.

Auf die Weise können Vorgesetzte vielleicht so manches schlummerndes Talent entdecken, das ihnen bisher verborgen blieb. Und vielleicht kommt der eine oder andere Mitarbeiter, der sich bisher eher zurückhaltend gezeigt hat, in solchen lockeren Gesprächsrunden auch mehr aus sich heraus und erweist sich sogar als möglicher Teamleader.

Updates und offene Kommunikation

Viele Mitarbeiter im Homeoffice sind verunsichert und wissen nicht, wie es weitergeht im Betrieb und mit ihrer Arbeit zu Hause. Die Geschäftsführung ist daher gut beraten, ihre Belegschaft regelmäßig über den Stand der Dinge zu informieren und offen zu kommunizieren, wie sich die Unternehmenssituation entwickelt und ab wann möglicherweise wieder mit einer Entspannung zu rechnen ist. Mit eigenen Ängsten und Bedenken nicht allein zu bleiben, helfe auch neuen Mut zu fassen, so Tilo Bonow, Gründer und CEO von Piabo PR. „Es ist extrem wichtig, dass lieber zu viel als zu wenig kommuniziert wird, damit jeder die komplette Lage genauso im Blick hat wie die eigenen To-dos.“

Schließlich schafft offene Kommunikation auch Vertrauen und Motivation. Dazu gehören aber auch regelmäßige Mitarbeitergespräche. Denn: „Gut funktionierende Kommunikation bedeutet funktionierendes Homeoffice“, wie Inga Höltmann, Gründerin der Accelerate Academy sagt. Sie sieht es als Aufgabe, Führungskräfte für die Herausforderungen der neuen Arbeitswelt fit zu machen. Der persönliche Eindruck auf dem Flur falle im Homeoffice weg, daher rät sie neben dem regelmäßigen persönlichen Feedback auch zu wöchentlichen „Reflexions-Slots“, in denen man neben der Arbeit und den anstehenden Aufgaben auch über das Miteinander und die Zusammenarbeit spricht. Schließlich geht es auch um den kollegialen Zusammenhalt. Der „Austausch am Kickertisch oder Open Space“ ist laut Florian Bogenschütz, Managing Director von Wayra Deutschland, oft entscheidender als offizielle Meetings. Genauso wichtig sind aber auch Regeln.

Regeln fürs Homeoffice

Es gibt Vorgesetzte, die achten in Videokonferenzen genau darauf, dass Mitarbeiter zu Hause genauso adrett gekleidet sind wie im Büro. Wenn kein Außenkontakt stattfindet, muss man dahingehend nicht päpstlicher als der Papst sein. Aber es besteht für den einen oder anderen Mitarbeiter vielleicht tatsächlich die Gefahr, dass er im Home Office leicht „verlottert“. Es gibt aber auch wichtigere Regeln als ein Dresscode. Dazu gehört, dass Mitarbeiter sich an die allgemeinen Geschäftszeiten und an vorgegebene Gesprächstermine halten und nicht zu spät hineinplatzen oder gar Kunden und Geschäftspartner vergraulen, indem sie sie buchstäblich sitzenlassen.

„Vertrauen ist das A und O für eine erfolgreiche Team-Arbeit“ sagt Teresa Bauer, Gründerin von Getremote. Sie berät Unternehmen, wie dieses Teamwork auch außerhalb eines gemeinsamen Büros funktioniert und wie Führung auf Distanz gelingt. Ihr Credo lautet, dass man mit dem Team vom ersten Tag an ein Regelwerk erarbeitet, damit jeder weiß, entlang welcher Leitplanken gearbeitet wird. Dazu gehören auch Fragen zur generellen Erreichbarkeit sowie zu den gewünschten Antwortzeiten auf E-Mails. Darüber hinaus sollte auch jedem Kollegen klar sein, wie in Online-Meetings debattiert wird. Das Ziel sei schließlich, dass jedes Teammitglied möglichst produktiv und fokussiert in den eigenen vier Wänden arbeitet.

Auf Homeoffice-Ansturm gewappnet

Die All for One Group, führende IT- und Consulting-Gruppe im DACH-Raum, hat als Arbeitgeber schon vor Jahren eine Homeoffice-Kultur geschaffen. Mit dieser Strategie fährt das Unternehmen auch in der aktuellen Krise gut. Junge Eltern genießen zum Beispiel flexible Arbeitszeiten, um auch unter der Woche im heimischen Büro für ihre Kinder ansprechbar zu sein. Daraus ist dann eine Homestory in Form einer Videoserie entstanden, in der Telearbeiter über ihre Erfahrungen berichten, um neue Fachkräfte zu gewinnen.

Natürlich gibt es für Mitarbeiter im Home Office auch Regeln wie die, regelmäßig oder zu bestimmten Meetings ins Büro zu kommen. Die sind in der Corona-Krise teilweise ausgehebelt worden. Aber viele der Telearbeiter freuen sich auch hin und wieder unter Kollegen und in persona im Team zu sein. So besteht auch nicht die Gefahr, dass ihnen – so wie Marla Borowski – daheim die Decke auf den Kopf fällt. Wie die aktuelle COVID-19-Krise den Run auf das Home Office weiter befeuert, lesen Sie hier.

Quelle: Titelbild pixabay, StartupStockPhotos