Titelbild-Meeting-Team-Start-up-bunt-Coworking-iStock-532187422-533229588

10.08.2017 – Lesezeit: 3 Minuten

Prozesse

Drei Gründe, warum Unternehmen die Digitalisierung immer noch verschlafen

Laut einer Studie der Managementberatung McKinsey & Company, gehen deutschen Unternehmen jährlich geschätzte 500 Milliarden Euro an potenziellem, wirtschaftlichen Nutzen verloren, weil sie wenig digitalisiert sind. Im Gegensatz zum Spitzenreiter USA, die 16 Prozent ihres digitalen Potenzials nutzen, ist Deutschland mit zehn Prozent noch leicht unter dem europäischen Durchschnitt. Doch woran liegt es eigentlich, dass sich hiesige Unternehmen so schwer tun? Diese drei Faktoren könnten eine Rolle spielen.

[readmore]

1. Es fehlen gemeinsame Plattformen

Während amerikanische Unternehmen im Silicon Valley gemeinsam an Plattformen arbeiten, wird hierzulande, wie auch auf europäischer Ebene viel zu oft ein eigenes, digitales Süppchen gekocht. Eine Plattform, beispielsweise von Google, Amazon oder Microsoft, ist dabei nicht nur die Marke, sondern ein Fundament, das Services und Produkte mit Kunden oder Nutzern zusammenbringt.

Digitale Plattformen bilden ein Fundament, das Services mit den Kunden zusammenbringt. (Quelle: hocus-focus/iStock)

Diese digitalen Plattformen und Plattform-Märkte sind in Deutschland leider weitestgehend unbekannt. Einer Bitkom-Studie zufolge haben alarmierende 62 Prozent aller Geschäftsführer und Vorstände noch nie etwas von den Begriffen “digitale Plattform” oder “Plattform-Ökonomie” gehört.

Dabei stellen genau diese das Fundament dar, über das beispielsweise Anbieter ihre Waren oder Services anbieten können. Die App-Stores von Google und Apple sind da gute Beispiele, ebenso die Verkaufsplattformen von Amazon oder eBay und Authentifizierungsdienste.

 

Hier besteht dringender Handlungsbedarf für eine starke digitale Wirtschaft, denn solche Plattformen sind nicht nur statische Gebilde, sondern Innovationstreiber, die wiederum neue Geschäfts- und zusätzliche Services generieren können

2. Die Zielgruppen sind woanders

Ob man Social Media jetzt gut findet oder nicht, sollte keine Rolle spielen, wenn es um Marketing geht. In vielen Unternehmen herrscht stellenweise noch die Ansicht, dass das “alles wieder weggeht” und Facebook, Twitter, Instagram oder Kanäle für jüngere Zielgruppen wie Snapchat nur Spielerei sind. Die Realität sieht aber so aus, dass die Produkte und Services von Unternehmen kaum noch wahrgenommen werden, wenn diese kein Digitales Marketing betreiben. Vor allen Dingen bei der jüngeren Zielgruppe, die mit dieser Art von Werbung angesprochen werden möchte.

 

Welcher Nutzen ergibt sich durch den Einsatz von Social Media Marketing für Ihr Unternehmen?

Quelle: Statista, 2017

Rund ein Fünftel deutscher Firmen haben beispielsweise immer noch keine eigene Webseite, von Social Media gar nicht zu sprechen. Stattdessen setzen sie auf Banner-, Print- und Fernsehwerbung, die bereits seit Jahren an Relevanz verliert und zudem wenig Möglichkeiten zur Erfolgsmessung der Werbemaßnahmen bieten.

Eine digitale Markenstrategie und eine passende Ansprache der Zielgruppen ist hier also essenziell. Als kleine Anregung: Achten Sie mal darauf, wie viele Menschen in der Bahn nach draußen auf Werbebanner sehen und wie viele auf ihr Smartphone. Wobei digitales Marketing natürlich weit über Social Media, Werbeanzeigen, Native Advertising oder Content Marketing hinaus geht.

3. Digitalisierung ist Kopfsache

Die Digitalisierung sollte sich zukünftig als Chance in den Köpfen verankern. (Quelle: bowie15/iStock)

Nach Angela Merkels Aussage 2013 “Das Internet ist für uns alle Neuland” sind zahlreiche Digitalisierungsinitiativen angestoßen worden, doch der Erfolg hält sich in Grenzen. Das Problem ist die Mentalität vieler Entscheider. „Digitalisierung wird in Verteidigung bestehender Strukturen oft als Gefahr verstanden, weniger als Chance“, sagt Michael Wieser, Partner beim Schweizer Investor Helvetia Venture Fund beispielsweise.

Das geht soweit, dass im Monitoring-Report “Wirtschaft Digital 2017”, der vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie erstellt wurde, rund ein Drittel der gewerblichen Unternehmen in Deutschland der Ansicht sind, eine Digitalisierung sei unnötig.

In den Bereichen Verkehr, Logistik, bei Energieversorgern und im Gesundheitswesen sehen sogar rund die Hälfte aller Unternehmen keinerlei Vorteile bestehende Prozesse und Maßnahmen zu digitalisieren.

In einer zunehmend vernetzten und beschleunigten Welt ist es notwendig, nicht nur Bestehendes zu optimieren, sondern die Chancen in neuen Entwicklungen zu sehen. Blickt man auf die letzten zehn Jahre zurück, wird relativ schnell deutlich, welche Unternehmen immens erfolgreich geworden sind. Und das hat in nahezu allen Fällen mit dem Einsatz digitaler Technologien und Modelle zu tun. Amazon als Ersatz für das Ladengeschäft, Uber als Taxialternative oder Google News und ePapers statt Gedrucktem sind da nur ein paar Beispiele.

Quelle: Rawpixel/iStock