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07.02.2019 – Lesezeit: 3 Minuten

Prozesse / Geschäftsführung

Digitalisierung im Zollwesen: Vereinfachte Prozesse versus Brexit

Durch den anstehenden Brexit könnte sich die Zollsituation in Europa erheblich komplizierter gestalten. Umso wichtiger werden Effizienzgewinne im Außenhandel durch neue Technologien, Prozesse und Initiativen. 

Das Ausscheiden Großbritanniens aus der EU verläuft chaotisch: Am 15. Januar 2019 scheiterte Premierministerin Theresa May mit ihrem Entwurf zum Brexit-Deal im britischen Unterhaus kläglich – mit 202 zu 432 Nein-Stimmen. Ein ungeordneter Brexit wurde damit – zwei Monate vor dem geplanten Ausstiegstermin – noch wahrscheinlicher. Neben Sony gaben selbst britische Unternehmen wie Dyson und die Reederei P&O bekannt, die Segel zu streichen und wegzuziehen.

Für viele mittelständische Unternehmen wird es wahrscheinlich sehr viel komplizierter, Waren aus Großbritannien zu im- oder exportieren. Zusätzliche Zollschranken sind zu erwarten. Auch wenn die Details immer noch nicht geklärt sind, sollten sich Unternehmen jetzt schon auf die veränderte Situation einstellen und Vorsorgemaßnahmen ergreifen. In jedem Fall ist mit erhöhten Kosten und Aufwänden sowie komplizierteren Prozessen zu rechnen. Hinzu kommt der Zollstreit zwischen den USA und China, und weltweite, neue Zollschranken erschweren den internationalen Handel. Umso wichtiger sollte es sein, bürokratische Hürden loszuwerden und „Papierkram“ zu digitalisieren.

Effizienzgewinne durch neue Technologie?

Durch neue Technologien könnten Entwicklungen angestoßen werden – hin zu schlanken und schnelleren Prozessen. Eine mögliche Rolle kann dabei die Blockchain spielen: Die aus Kryptowährungen wie Bitcoin bekannte Technologie kann helfen, Sendungen zu verifizieren und Transaktionen abzusichern. Aktuell treiben Staaten wie China, Kanada und Saudi-Arabien Initiativen zum Einsatz von Blockchain in Zoll und Außenhandel voran. In Südkorea ist die Blockchain-Forschung mittlerweile steuerlich absetzbar.

Auch Reedereien wie die dänische Maersk und die israelische Zim setzen auf die Blockchain, um den Transport von Schiffscontainern besser abzusichern und zu erleichtern. An jedem verschifften Gut hängen laut einer Studie von Maersk durchschnittlich 30 Personen und 200 Interaktionen. Für Betrüger gibt es hier vielfältige Möglichkeiten, dunkle Geschäfte zu machen. Die Absicherung durch eine verifizierte Blockchain-Umgebung kann Manipulationen verhindern und die Arbeit der Zollbehörden erleichtern. Zim hat mittlerweile ein Pilotprojekt mit Blockchain abgeschlossen und will bald den Blockchain-Handel für alle internationale Kunden verfügbar machen.

Allerdings gibt es derzeit noch ein Paradox, das den Erfolg von Blockchain hemmt: „Eine Technologie, die für mehr Vertrauen sorgen soll, wird durch Vertrauensprobleme behindert“, so Kris Kersey, Director Advisory beim Beratungsunternehmen PwC auf einer Tagung der Blockchain in Transport Alliance (BiTA), die mittlerweile 450 Mitglieder hat. In der BiTA sind unter anderem PwC, Daimler, Microsoft und SAP vertreten, aber auch mittelständische Unternehmen wie der deutsche Logistik-Dienstleister Gebrüder Weiss.

Zoll 4.0 in der Schweiz

Interessant ist auch, einen Blick über die Grenzen zu werfen, beispielsweise ins Nachbarland Schweiz. Nach dem Motto Zoll 4.0 hat die Eidgenössische Zollverwaltung (EZV) bereits 2012 die Veranlagungsverfügung (VV) Import als eVV auch elektronisch anzubieten. Fünf Jahre später erfolgte für rund 20.000 Zollkonto-Inhaber, die noch Papierquittungen verwendeten, die Umstellung.

Ziel war es, die komplette Ablösung der papiergebundenen VV bis März 2018 in der gesamten Schweiz – mit der Absicht, die Kosten für das Zollveranlagungsverfahren deutlich zu senken. Economiesuisse.ch zufolge beliefen sich die Kosten auf 500 Millionen Schweizer Franken oder 462,18 Millionen Euro (Kurs Mitte 2016) pro Jahr.

Durch die Digitalisierung könnten bei jeder Transaktion bis zu 100 Seiten an Unterlagen eingespart werden, hat die Internationale Handelskammer Ende Mai 2018 errechnet. Papier ist geduldig, heißt es zwar, aber 100 Seiten sind einfach zu viel und können auf die Schnelle auch gar nicht richtig durchgegangen werden, wodurch sich viele Fehler einschleichen oder fortsetzen können.

Neue ATLAS-Anwendung „Zelos“

In Deutschland gibt es kleine Fortschritte: Im Rahmen des Programms „Digitale Verwaltung 2020“ hat die deutsche Zollverwaltung hat auf ihrer Webseite Ende 2018 die neue ATLAS-Anwendung Zelos vorgestellt, mit der elektronischer Austausch von Unterlagen und Stellungnahmen beschleunigt werden soll. Mit dem ATLAS-Release 9.0 bzw. dem AES-Release 2.4.4 können die – für die Abfertigung erforderlichen – Unterlagen elektronisch beim Teilnehmer angefordert werden. Damit werden Medienbrüche im ATLAS-Verfahren weiter reduziert.

Digitalisierung von Zollprozessen im Unternehmensalltag

„Was Zollverantwortliche in mittelständischen Unternehmen hinsichtlich Digitalisierung und Brexit-Vorbereitung tun können, nehmen wir als Thema mit auf die LogiMAT 2019“, so Jochen Pröckl, Beratungsleiter Zoll & Außenhandel beim IT-Beratungshaus All for One Steeb. „Außerdem haben wir unsere neuen, schlanken Cloud Services für GTS sowie einige GTS-Zusatzlösungen im Bereich Präferenzen und Lieferantenerklärungen, die wir gerade finalisieren und über die wir den Austausch mit Fachanwendern suchen.“

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Quellen: Titelbild iStock, Peshkova