17.07.2020 – Lesezeit: 3 Minuten

Geschäftsführung / Impulse

Digitalisierung der Schulen: Budget gut, Umsetzung mangelhaft

Die Corona-Krise erfordert einen raschen Umschwung in Richtung Digitalisierung. Das betrifft vor allem das Schulsystem. Der „DigitalPakt Schule“ der Bundesregierung soll diesen Umbruch bewältigen, doch bislang scheitert es an der Umsetzung dieser Maßnahme.

Dass sich Schüler eine stärkere Einbindung digitaler Medien im Unterricht wünschen, geht aus ein einer Studie des Branchenverbandes Bitcom (März 2020, PDF) hervor. Doch es scheitert nicht am Willen der Schüler oder gar den finanziellen Mitteln, sondern allein an der technischen und organisatorischen Einbindung digitaler Medien in den Schulen.

Vorhandene Finanzmittel nicht beansprucht

Schon vor einem Jahr hat die Bundesregierung den „DigitalPakt Schule“ verabschiedet. Dieser Digitalpakt hat „den flächendeckenden Aufbau einer zeitgemäßen digitalen Bildungs-Infrastruktur unter dem Primat der Pädagogik“ zum Ziel. Dafür hat der Bund den einzelnen Ländern insgesamt fünf Milliarden Euro bereitgestellt.

Allerdings nehmen die einzelnen Bundesländer diese Finanzmittel zum einen nur sehr zögerlich an und zum anderen auch nicht in gleichen Maßen. So zeigen sich gewaltige Differenzen in der Höhe der beanspruchten Fördermittel. Hamburg bildet mit 116,1 Millionen Euro den digitalen Vorreiter, Sachsen mit gerade einmal 245.000 Euro das Schlusslicht. Dazwischen reihen sich Sachen (15,2 Millionen Euro), Bayern (9,0 Millionen Euro), Niedersachsen (6,3 Millionen Euro), Baden-Württemberg (3,8 Millionen Euro), Thüringen (3,1 Millionen Euro), Berlin (2,1 Millionen Euro) und Bremen (1,5 Millionen Euro) ein. Bisweilen bleibt in drei Bundesländern (Hessen, Saarland und Sachsen-Anhalt) das Bemühen um einen Förderantrag vollkommen aus.

Der Summe der bewilligten Förderanträge bemisst demnach 157,4 Millionen Euro. Das macht also gerade mal drei Prozent des fünf Milliarden Euro schweren Digitalpaktes aus. Von einem flächendeckenden oder einheitlichen Digitalisierungsprozesses kann also wohl kaum die Rede sein.

Unkenntnis über Fördermöglichkeiten

Bitkom-Präsident Achim Berg kritisiert die zurückhaltende Verwendung des Förderpakets und gibt ausdrücklich zu bedenken, dass nicht noch mehr Zeit verloren gehen darf: „Das Geld muss umgehend bei den Schulen ankommen – flächendeckend und in voller Höhe.“

Außergewöhnliche Umstände wie diese, verdeutlichen die unstreitige Relevanz digitaler Technologien im deutschen Schulsystem. Die Bildung der Schülerinnen und Schüler kann nur gewährleistet werden, wenn Digitalisierungskonzepte auch tatsächlich von den Schulträgern angenommen werden. „Dabei gehören die allermeisten deutschen Schulen nicht zu den Vorreitern, sondern zu den Nachzüglern und das müssen wir schnellstmöglich ändern“, so Berg.

Das liegt unter anderem daran, dass offensichtlich Unkenntnis über das Spektrum an Fördermöglichkeiten besteht. Diese Unwissenheit muss gebannt werden. Insofern werden Eltern und andere Organisationen dazu aufgerufen, selbst aktiv zu werden und die entsprechenden Bildungseinrichtungen explizit auf den „DigitalPakt Schule“ hinzuweisen.

Appell der Schüler: „Mehr Digitalisierung“

Es überrascht nicht, dass sich eine bemerkenswerte Mehrheit der Schülerinnen und Schüler für mehr digitale Unterrichtseinheiten ausspricht: 83 Prozent sieht in der Digitalisierung der Schulen eine große Chance. 93 Prozent der befragten Schüler im Alter von 14 bis 19 Jahren bekunden, dass digitale Medien den Unterricht interessanter machen. Diese durchaus positive Bewertung steht der mangelhaften Umsetzung digitaler Unterrichtungsmethoden gegenüber: Allem voran werfen Schüler den „fehlenden Einsatz digitaler Medien“ vor (59 %) und bemängeln die „schlechte technische Ausstattung“ ihrer Schule (56 %).

Dieser Appell nach mehr Digitalisierung richtet sich allerdings nicht nur die Schulen selbst, sondern betrifft auch die Unternehmen, welche dem öffentlichen Sektor entsprechende Ansätze für den digitalen Unterricht entwickeln und bereitstellen müssen. Während die Digitalisierung in den Schulen noch stockt, sind viele Mittelständler hier schon weiter fortgeschritten. Auf welche Tools die Unternehmen in der digitalen Zusammenarbeit verwenden, erfahren Sie hier.

Quelle: Titelbild pixabay, klimkin