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29.07.2019 – Lesezeit: 2 Minuten

Geschäftsbereiche / Geschäftsführung

Das führungslose Unternehmen: Fluch oder Segen?

Der Wirtschaftsphilosoph Frederic Laloux entwickelte die Idee des New Work mit seinem Konzept des führungslosen Unternehmens weiter. Die Frage ist nun, ob dieses Vorgehen einem Realitäts-Check im Mittelstand standhält. Dieser Artikel versucht sich an einer Antwort.

Der belgische McKinsey-Partner Frederic Laloux hat mit dem 2014 erschienenen „Reinventing Organizations“ einen Bestseller geschrieben. Sein Leitfaden zur sinnstiftenden Zusammenarbeit und dem führungslosen Unternehmen hat einen Nerv getroffen.

„Heute treffe ich bei fast allen Führungskräften auf die Einsicht, dass alles zu langsam, zu bürokratisch und zu wenig innovativ sei und man nicht mehr wisse, wie man Mitarbeiter motivieren könne“, erklärt Laloux. Und seine Ideen wurden von einigen Unternehmen auch schon ausprobiert. Die enthusiastischen Early Adopter bekamen aber einige Probleme.

Probleme bei Projekten

Die Deutsche Bahn ging die Transformation hin zum agilen Arbeiten mit dem Projekt KAI an: Kundenzentriert, Agil, Innovativ. Im HR-Bereich des DB-Vertriebs wurden fixe Rollen und disziplinarische Hierarchie bis auf die agile Führungskraft und die Geschäftsführung Personal abgeschafft.

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Zweieinhalb Jahre nach Projektbeginn zeigte sich aber laut einem Erfahrungsbericht: „Ohne agiles Mindset geht es nicht.“ Wer sich jahrelang in einer ausgeprägten Unternehmenshierarchie bewegt hat, wird als ehemaliger Vorgesetzter nicht über Nacht zum Teamplayer. Und auch so mancher Mitarbeiter tut sich mit der neuen Verantwortung schwer. Aus alten Gewohnheiten herauszubrechen, ist also sehr viel komplizierter, als es auf den ersten Blick scheint.

„Klappt nicht per Fingerschnippen“

„Selbstorganisation wird gehypt als Allheilmittel gegen Komplexität, aber die Probleme bei der Umsetzung sind immens“, warnt André Häusling, Experte für agiles Arbeiten. Auch Detlef Lohmann, Geschäftsführer des mittelständischen Unternehmens Allsafe, musste nach einer Experimentierphase mit den Ideen von Laloux feststellen: „Solch eine Transformation klappt nicht per Fingerschnippen und ist nichts für jeden Mitarbeiter.“ Vor allem die nichtdeutschsprachigen Mitarbeiter waren mit der Autonomie überfordert. In der Produktion seien weiter disziplinarische Vorgesetzte nötig, die klar die Richtung vorgeben.

Irrtümer vermeiden

Laloux ist weiter von seinem Konzept überzeugt: „Es gibt eine ganze Reihe von Maßnahmen, die Führungskräfte ergreifen können, wenn sie sich auf diesen Weg begeben. Eine besteht darin – das habe ich immer wieder beobachtet –, ein Team von Enthusiasten zusammenzustellen und ihnen ein Mandat zu geben, Neues anzufangen, auszuprobieren und zu experimentieren. Aufgabe des CEOs ist es nicht, Selbstmanagement von oben zu implementieren, sondern dieses Team zu fördern und zu schützen, denn die Organisation wird ganz sicher zurückschlagen.“

Mittelständische Unternehmen sollten drei grundlegende Irrtümer vermeiden:

  • Selbstorganisation nicht für jede/n Kolleg/in geeignet
  • New Work bedeutet nicht unmittelbar reine Selbstverwirklichung
  • Arbeiten ohne Chef heißt nicht zwingend, führungslos zu sein

Mehr Informationen und Anmeldung zu den Workshops "New Work"Was New Leadership bedeutet und warum Führungskultur in Unternehmen verändert werden muss, erklärt Max Görner in diesem Artikel. Er ist Experte für Geschäftsmodellinnovation und moderne Führung bei der Allfoye Managementberatung.

Quelle: Titelbild pixabay, blickpixel