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10.08.2017 – Lesezeit: 4 Minuten

Prozesse / Technologie

Die selbstfahrende Zukunft des Automobils

Man mag sich darüber streiten, wer den momentanen Wandel in der Automobilindustrie initiiert hat, aber der wesentliche Impuls kam von einem Unternehmen: Tesla Motors. Das amerikanische Unternehmen des Mitbegründers von SolarCity und PayPal, Elon Musk, rüttelte die Industrie auf und begleitet sie mit zahlreichen anderen Unternehmen in das Informationszeitalter. Aber was haben die Fahrzeughersteller genau für die Zukunft des “Connected Car” geplant?

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Lange Zeit hat vor allen Dingen Tesla Motors für Schlagzeilen in der Presse gesorgt, nicht zuletzt nach der Ankündigung des Model 3. Der “Volks-Tesla” ist das erste Serienfahrzeug des Unternehmens, das für den Massenmarkt entwickelt wurde und bezahlbare 35.000 US-Dollar kostet.
Aber nicht nur bei Elektroantrieb macht Tesla Schlagzeilen, auch das Autonome Fahren treibt das kalifornische Unternehmen voran. Bereits im letzten Jahr bekam das berühmte Model S ein Hardwareupdate, mit dem Teslas Vorzeigelimousine zum selbstfahrenden, -parkenden und auf Wunsch den Fahrer abholenden Zukunftsvehikel wurde.

Auch die deutsche Industrie entwickelt autonome Fahrsysteme und computergestütze Sicherheitsfeatures, allen voran Audi, BMW, Daimler und VW. Als der größte Autohersteller der Welt hat Volkswagen dieses Jahr auf dem Internationalen Auto-Salon Genf seine Vision des Connected Cars in Form des Konzeptautos Sedric gezeigt. Das steht für “Self-driving car” und so fährt das Fahrzeug vollkommen autonom nach Level 5 (siehe Schaukasten) und hat weder Cockpit noch Lenkrad.

 

Konzernmarken bringen 2017 weltweit rund 60 neue Fahrzeuge zu den Kunden

Die Highlights zum autonomen Fahren auf der Group Media Night in Genf 2017.

VW verbindet Shared Mobility mit autonomen Fahren

Als Shared Mobility-Konzeptauto soll Sedric nur dann per Fernbedienung gerufen werden, wenn man ihn braucht und steht nach der Nutzung anderen zur Verfügung. Oder er erledigt Aufgaben wie die Abholung von Einkäufen, die Sedric dann selbstständig nach Hause bringt. Interessant ist vor allen Dingen, dass VW das autonome Auto nicht nur als reines Beförderungsmittel sieht, sondern bereits den Weg zur Arbeit produktiv gestalten will.

Beispielsweise sind die Front und Heckscheibe gleichzeitig OLED-Displays und können Präsentationen, Dokumente, aktuelle Nachrichten und alle Inhalte darstellen, die im Internet oder der persönlichen Cloud verfügbar sind. Gleichzeitig können die Displays durchsichtig werden und Informationen zur Außenwelt mittels Augmented Reality zeigen.

Die Technologie dafür ist bereits vorhanden, aber Sedric wird so wohl niemals auf den Markt kommen und soll lediglich als Anreiz für zukünftige Projekte dienen. Genauso wie VWs Kooperation mit Airbus und Italdesign für die Entwicklung des Pop.Up, einem wortwörtlich fliegendem Auto. Während die Regelung des Flugverkehrs noch ein paar Jahrzehnte dauern dürfte, hat die deutsche Bundesregierung die Zeichen der Zeit erkannt und die ersten Weichen für autonomes Fahren bereits gestellt.

Autonomes Fahren und Datenauswertung

So testet Audi bereits seit 2015 seine selbstfahrenden Autos auf der Autobahn A9, wobei “selbstfahrend” hier mit dem neuen Audi A8 nach Level 3 passiert. Dabei muss der Fahrer für den Fall der Fälle immer noch am Lenkrad sitzen, Ausweich- und Überholmanöver werden aber vom Fahrzeug selbst ausgeführt. Die Wahlfreiheit zwischen selbst oder komplett autonomem Fahren möchte dagegen Peugeot verwirklichen.

 

Peugeot Instinct Concept: the car is connected with the user’s cloud thanks to the Samsung ARTIKCloud

Alles rund um das Peugeot Instinct Concept IoT Ecosystem.

 

Das Konzeptauto haben die Franzosen ebenfalls auf dem Internationalen Auto-Salon Genf vorgestellt und Peugeot geht mit dem “Instinct” sogar noch einen Schritt weiter als VW oder Audi. Die Studie zeigt nicht nur ein System, dass dem Fahrer die Wahl zwischen kompletter Autonomie, normalem Fahren und beides im sportlichen oder entspannten Fahrmodus gibt.

Instinct macht dem Fahrer zusätzlich Vorschläge, welcher Modus gerade für ihn am geeigneten ist. Dafür will Peugeot eine künstliche Intelligenz nutzen, die alle Daten des Fahrers in Samsungs ARTIK Cloud verbindet und auswertet. Hatte der Fahrer beispielsweise viele Arbeitstermine und wenig Schlaf, bietet Instinct ihm beim Einsteigen an, selbst zu fahren, fährt den Fahrersitz in eine entspannte Liegeposition und mäßigt das Tempo.

 

Die 6 Schritte des autonomen Fahrens von der nicht Automatisiertung zur vollständigen Automatisierung (Quelle: Evernine GmbH).

Peugeots fahrende Cloud

Instinct fungiert hier quasi wie eine IoT-Zentrale, die in diesem konkreten Fall Kalenderdaten, Fitnessdaten des Sportarmbands, aber auch Smart Home-Devices auslesen und diese wiederum steuern kann. Fahre ich beispielsweise von der Arbeit los - oder lasse mich fahren - berechnet Instinct die Fahrtzeit, inklusive eventueller Staus. Dann heizt er rechtzeitig die Wohnung vor und schaltet das Licht automatisch an, wenn er in die Garage fährt.

Dies sind nur einige Beispiele, wie sich die Hersteller Connected Cars vorstellen und die Technik dazu ist im Grunde auch schon da. Sie muss nur weiter skaliert werden und zudem muss eine Infrastruktur für die wachsenden Datenverbindungen geschaffen werden, die der Mobilfunkstandard 5G erfüllen dürfte.

Quelle: Chesky_W/iStock