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01.02.2019 – Lesezeit: 4 Minuten

Geschäftsführung / Technologie

Cloud ERP: Flexibel trotz Standard

„Wir wollen nicht zwei Leute beschäftigen, die sich nur um den Server kümmern. Wir wollen Fahrräder bauen“ so Markus Geiger, Chief Financial Officer (CFO) bei Simplon. Der österreichische Fahrradhersteller kam mit seinem ERP-System nicht mehr so recht in Tritt. Deshalb setzte das Unternehmen erfolgreich auf eine individualisierbare Standardlösung.

Das alte ERP-System konnte lediglich Auftragserfassung und Faktura abwickeln. Es musste zudem jedes Jahr neu aufgebaut werden, weil es keine einheitliche Datenhaltung gab. Als Frontend diente Microsoft Access und im Backend arbeitete eine SQL-Datenbank. Die Bestelldaten des Einkaufs benötigten eine separate Schnittstelle, um in das alte ERP-System importiert werden zu können. Auch Warenwirtschaft und Buchhaltung waren nicht integrierte, sondern voneinander getrennte Systeme, deren Daten ebenfalls mühsam über Schnittstellen ausgetauscht werden mussten. „Und wegen der inkonsistenten Datenhaltung fehlte immer mal wieder ein Teil im Lager. Deshalb konnten wir oft ein Rad nicht so schnell montieren, wie wir eigentlich wollten“, so Geiger.

Markus Geiger, CFO von Simplon

Auf der anderen Seite hätte es auch keinen Sinn ergeben, sich Teile in größeren Mengen aufs Lager zu legen. Zum einen aus wirtschaftlichen Gründen und zum anderen weil der Fahrradverkauf ein Saisongeschäft ist. Das heißt, dass beispielsweise eine Schaltgruppe von Shimano 2019 anders aussieht als die von 2018. Aufgrund dieser Strukturen war Simplon nicht nur in seinen Stückzahlen limitiert. Das Unternehmen konnte sein Portfolio auch kaum erweitern und auch keine neuen Märkte erschließen. Die dazu notwendigen Veränderungen wären nicht zu stemmen und das Lagerrisiko zu groß gewesen. Markus Geiger gesteht: „Ohne die Einführung von SAP hätten wir uns überhaupt nicht weiterentwickeln können.“

Lösung: SAP Business ByDesign

Implementiert hat Simplon das neue Enterprise Ressource Planning System (ERP-System) von SAP gemeinsam mit B4B Solutions, einem Tochterunternehmen des Stuttgarter IT-Beratungshauses All for One Steeb. Überzeugt haben in erster Linie das innovative Projektmanagement und eine ganze Palette an nachhaltigen Mehrwerten, die durch das neue Cloud-ERP-System geschaffen werden konnten (> hier geht es zur Case Study).

Online-Fahrradkonfigurator von Simplon

Mithilfe der Businessplattform – inklusive des innovativen von B4B umgesetzten Simplon-Fahrradkonfigurators – ist es gelungen, die Personalisierung von Fahrrädern qualitativ zu steigern, indem Kundenwünsche vom System berücksichtigt und benötige Komponenten vorgeschlagen werden. Außerdem ist es gelungen, die interne Zusammenarbeit und Kommunikation bei Simplon spürbar zu verbessern und deutliche Einsparungen zu erzielen. So konnte beispielsweise der monatliche Planungsaufwand um 25 Prozent reduziert werden. Darüber hinaus fallen durch die Umstellung jährlich rund 100 Stunden zur Pflege von Excel-Tabellen weg.

 

„Ein wichtiger Punkt in diesem Projekt war, unsere Prozesse vollumfänglich zu verstehen. Mit B4B haben wir einen Partner gefunden, der genau das geschafft hat. Wir konnten somit ein System implementieren, dass den Verkauf von etwa 20.000 Fahrrädern im Jahr mit 100.000 verschiedenen Variationen ermöglicht, ohne diese Zahl an Stücklisten anlegen zu müssen.“ - Markus Geiger

 

Das Cloud-ERP-System bietet durch individuelle Anpassungsmöglichkeiten die Grundlage für eine stetige Weiterentwicklung des Unternehmens. Die Erschließung neuer Vertriebswege kann mit Erweiterungen des SAP-Systems nun auch digital abgebildet werden. E-Commerce oder Opti-Channel, also das elektronische oder individuelle Erreichen des Kunden ist besonders bei solch hochspezialisierten Produkten von Vorteil. Zudem entschied sich Simplon auch deshalb für die Cloud-ERP-Lösung, weil sie kostengünstiger ist als andere Alternativen und in der Lage ist, das Wachstum von Simplon in den kommenden Jahren voranzubringen. Der Fahrradhersteller verfügt mit dieser Lösung nun über alle Leistungen fürs tägliche Business: Serverkapazitäten, Backup-Ressourcen, Sicherheits- und Datenschutz-Tools. „Eine große On-Premise-Lösung wäre für uns zu mächtig gewesen“, ist Markus Geiger überzeugt.

So konnte bei Simplon der eigens entwickelte Fahrradkonfigurator ins ERP-System integriert werden. Das ist einer der großen Vorteile von SAP Business ByDesign, das trotz Standardisierung flexibel bleibt und bestimmte Alleinstellungsmerkmale schnell integriert werden können. Durch die im Hintergrund laufende Product Configuration Lösung, interagiert das ERP-System mit den hinterlegten Komponenten, Preisen und Lieferfristen. So sieht der Kunde online beim Zusammenstellen seines Bikes sofort, welche Komponenten zum Wunschbike passen, was das fertige Fahrrad kosten wird und wann es lieferbar ist. In der Regel dauert der Ablauf von der Kundenbestellung bis zur Auslieferung nur etwa zwei Wochen.

Fahrräder in Handarbeit

Seit mehr als 50 Jahren baut Simplon am Standort im österreichischen Hard Fahrräder in Handarbeit. Das Ziel: Mehr Fahrspaß und Komfort durch Fahrräder, die auf die individuellen Bedürfnisse und Wünsche jedes Einzelnen abgestimmt sind. Simplon arbeitet auch bei Materialien an innovativen Lösungen: Neben Rahmenkonstruktionen aus Aluminium wird der Schwerpunkt immer weiter in Richtung Carbon verlagert. Dieses leichte Material ermöglicht die Fertigung von Fahrrädern, die trotz ihres geringen Gewichts sehr hohen Belastungen standhalten. Zusätzlich werden die Zweiräder an ergonomische Bedürfnisse angepasst.

Fahrräder können in der DACH-Region in über 100.000 Varianten bestellt werden. Dieser Komplexitätsgrad liegt nahe an der Automobilindustrie. Daher ist eine professionelle Organisation der Prozesse und Materialien wichtig für das wachsende Vorarlberger Unternehmen. Bei Simplon wird das Supply Chain Management (SCM) von der Cloud ERP-Lösung von SAP unterstützt. Die Prozesse werden dabei transparent dargestellt, was dem Fahrradproduzenten die Möglichkeit bietet, schneller auf Veränderungen in der Lieferungs- und Produktionskette zu reagieren. Diese Flexibilität benötigt Simplon vor allem aufgrund der Vielzahl an Individualisierungsvarianten der Produkte und der damit einhergehenden Anzahl an Einzelteilen.

Für Simplon stehen nach der Einführung des Systems bereits die nächsten Pläne vor der Verwirklichung. Wichtig ist, wer konsequent auf Standards setzt, braucht trotz der Möglichkeit zur Individualisierung, natürlich eine gewisse Flexibilität: Denn wenn sich Systeme den Prozessen nicht anpassen lassen, dann müssen sich eben die Prozesse ändern beziehungsweise die Menschen. Markus Geiger war sich sicher „dass wir das hinkriegen, wir sind ja jung und dynamisch“, wie er mit einem Augenzwinkern meint.

Falls Sie selbst an einem individualisierten Fahrrad interessiert sind, dann empfehlen wir Ihnen diesen Artikel.

Quelle: Simplon GmbH (alle Bilder), Titelbild Erwin Haiden