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18.10.2018 – Lesezeit: 4 Minuten

Impulse / Geschäftsführung

Baubranche kommt bei Digitalisierung nur langsam in Fahrt

In manchen Baubetrieben ist die Digitale Transformation schon weit fortgeschritten, andere warten noch auf richtige Impulse und Lösungen. Sie werden auf dem BAUINFOTAG 2018 in Hannover am 30. Oktober gezeigt.

Angefacht durch staatliche Konjunkturprogramme und die Niedrigzinsphase, die Betongold wieder zu neuen Ehren verhalf, geht es der Bauwirtschaft so gut wie schon lange nicht mehr. Wie viele andere Branchen kämpft sie allerdings mit dem Fachkräftemangel. Das Motto der Wirtschaftswunderjahre „Sei schlau, geh‘ zum Bau!“ zieht nicht mehr so richtig und verkehrte sich in der Zeit vor dem neuen Boom sogar zu „Sei nicht dumm, kehr wieder um!“. Tatsächlich hat sich die Zahl der Beschäftigten im Baugewerbe zwischen 1995 und 2014 laut Deutsche Bauindustrie auf 768.000 sogar fast halbiert. Nach außen hin meist nicht erkennbar, müssen Bauunternehmen daher neue Wege gehen und digitalisieren. Die Großen wie Hochtief, Züblin, Bauer und Strabag haben es längst getan und immer mehr mittelständische Unternehmen folgen – manche noch zaghaft, andere je nach Branchensegment schon aktiver.

Bauinfotag 2018

BAUINFOTAG 2018 und die Initiatoren

Wie es mit der Digitalisierung in der Branche bestellt ist, wollte Mittelstand Heute von Prof. Dr. Franz Diemand wissen, der als Co-Geschäftsführer der Bau Allianz am 30. Oktober zum BAUINFOTAG 2018 in Hannover einlädt. Er muss es schließlich wissen, gilt er doch als einer der besten Kenner der Materie.

Prof. Dr. Franz Diemand

Fertigbau schon sehr weit

Im Gespräch betont Prof. Diemand, dass man bei der Entwicklung innerhalb des Baugewerbes differenzieren müsse. Bei einigen Unternehmen sei die Digitalisierung schon sehr stark ausgeprägt, bei anderen weniger stark. Dabei müsse man sich auch fragen, wo es notwendig sei, ganz vorne dabei zu sein und wo nicht. „Die Baubranche ist schon innovativ, aber aufgrund seiner bauspezifischen Ausprägungen sieht man dies nicht gleich so deutlich wie in anderen Industrien“, so Prof. Diemand. Für die technischen Möglichkeiten, die heute in einem Gebäude stecken, müsse man innovativ sein, auf der Straße sehe man aber nur die Fertiger, sprich die Bauleute, bei denen die Digitalisierung weniger evident sei.

Dabei ist das Baugewerbe durchaus mehrschichtig: Da gibt es den Ingenieurbau, den schlüsselfertigen Bau und den Tiefbau. Building Information Modeling (BIM) ist am weitesten im schlüsselfertigen Bau zu erkennen, weil bei den Entwürfen sehr viel gebäudeteilorientiert gearbeitet wird, um das Haus dann mit CAD-Software wie Revit in die Einzelteile zu zerlegen. Bei BIM handelt es sich um eine softwaregestützte Methode, Gebäude zu planen, zu errichten und zu bewirtschaften, was auch das Facility Management einschließt.

Beim industriellen Bauen sei das, laut Prof. Diemand, immer stärker zu beobachten, zumal es sich immer um ein gleichartiges Haus handelt, das nur jeweils an einer anderen Stelle stehe. Obwohl Bauteile mehr oder weniger vorgefertigt sind, könne man doch sehr individuell bauen. Als Beispiel nennt Prof. Diemand hierbei ein mehrstöckiges Studentenwohnheim in Berlin, das die Brüninghoff Gruppe aus Heiden im Münsterland in intelligenter Holzhybridbauweise hat entstehen lassen. Die Bauteile sind industriell gefertigt, die Fassade aber so individuell, dass man das Gebäude nicht als Fertigbau erkennt.

Projektphasen werden neu geschrieben

Die üblichen Bauprojektphasen – Planung mit dem Auftraggeber, Akquisition, Kalkulation und Angebot, Vorbereitung und Durchführung des Bauvorhabens bis hin zum Abschluss ­– werden durch die Möglichkeiten der Digitalisierung mitunter ganz neu geordnet, was natürlich auch bedeutet, dass Mitarbeiter entsprechend ausgebildet werden. Am Anfang steht jetzt die Zeichnung beziehungsweise der Entwurf beispielsweise mit der Softwarelösung Revit.

Wie Prof. Diemand erklärt, sei man mit 3D-Datenbrillen noch am Anfang, aber der Trend, alles digital aufzunehmen und dem Auftraggeber oder Bauherren zu zeigen, sei unverkennbar und ganz normal. In vielen Projekten arbeiten die Beteiligten einschließlich der Lieferanten auch weitgehend schon mit Projekt- oder SharePoint-Servern mit unterschiedlichen Zugriffsrechten. Ob und wieweit das genutzt wird, hänge aber auch immer von der Projektgröße ab. VR Brille

Kein (mittel)großes Bauunternehmen kommt an SAP vorbei

Wie Prof. Diemand sagt, sieht er mit Freude dem BAUINFOTAG entgegen, um bauspezifische SAP-Lösungen zu präsentieren und Bauunternehmen zu zeigen, dass SAP auf die Branche vorbereitet ist und umgekehrt. Die Firma Kammachi wird dort mit einer Live-Demo zeigen, was es bereits gibt und was möglich ist. Die Kammachi Consulting Group hat sich seit 1999 von einem kleinen SAP-Dienstleister zu einem mittelständischen Unternehmen mit acht Firmenbeteiligungen entwickelt und wird auf dem BAUINFOTAG unter anderem auch eine Bau-Kalkulationssoftware vorstellen. Gunnar Gerstmann, der als Geschäftsführer Marketing und Vertrieb bei Kammachi verantwortet, ist neben Prof. Diemand auch Geschäftsführer der Bau Allianz und somit Co-Gastgeber des BAUINFOTAGS 2018.  

Wenn Sie an branchenspezifischen Themen Interesse haben, melden Sie sich noch heute an und kommen Sie zum BAUINFOTAG 2018 am 30. Oktober nach Hannover. Die Veranstaltung findet von 9.30 Uhr bis 17 Uhr im Hardenbergschen Haus statt (Alte Herrenhäuser Str. 10, 30419 Hannover).

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