04.12.2020 – Lesezeit: 3 Minuten

Geschäftsführung / Technologie

Bahn kann auch überpünktlich: Cloud-Migration vor Plan abgeschlossen

Trotz riesiger Verluste investiert die Deutsche Bahn in die Bahnnetz- und IT-Infrastruktur. Früher als geplant hat das Unternehmen nun seine Rechenzentren abgeschaltet und seine komplette IT in die Cloud verlagert.

Eigentlich sollte der Umbau der Computer-Infrastruktur der Deutschen Bahn sich noch bis 2022 hinziehen. Aber früher als geplant hat das Unternehmen nun seine Rechenzentren abgeschaltet und die komplette IT in die Cloud verlagert. Davon profitieren vor allem Amazon und Microsoft. Betroffen sind aber rund 1.000 Mitarbeiter, die vorher in den Bahn-Rechenzentren beschäftigt waren. Die meisten davon sollen mit einem sogenannten „Cloud-Führerschein“ oder nach Umsattlung als Software-Programmierer im Unternehmen bleiben.

Weichenstellungen und Ticketing via Cloud

Die Verlagerung schließt auch die Infrastruktur für die Smartphone-App DB Navigator und die Echtzeit-Überwachung der rund 28.000 Weichen ein. Durch die Fernkontrolle der Weichen hat die Bahn rund 3.600 Störungen im letzten Jahr frühzeitig erkannt und verhindert.

Der ehemalige Bahn-Server ist nun abgeschaltet und in die Cloud-Rechenzentren von Microsoft und Amazon beziehungsweise Azure und AWS verlagert worden. „Wir haben quasi unter dem rollenden Rad die IT-Anwendungen in die Cloud gehoben und dann weiter optimiert“, so DB-IT-Chefin Christa Koenen. „Damit haben wir jetzt mehrere hundert Anwendungen in die Cloud migriert. Und nachdem vor zwei Wochen die letzte Anwendung unser Rechenzentrum verlassen hat, konnten wir jetzt mit dem Rückbau starten.“

Die Bahnkunden sollen davon am besten gar nichts mitbekommen. Dabei betreibt die Deutsche Bahn mit 1.500 Buchungen pro Minute eines der größten Ticketsysteme Europas. „Das ist unser Rückgrat, da darf nichts wackeln. Und das ist nun auch in der Cloud so“, sagt die Chefin der DB-IT-Tochter Systel.

US-Provider, aber warum?

2016 hat der Bahn-Vorstand beschlossen, 450 Anwendungen in die Cloud zu verlagern, und dafür viel Kritik geerntet. Im Fadenkreuz derselben war unter anderem die Entscheidung, einen US-Konzern zum Zuge kommen zu lassen. Die NSA-Affäre war damals noch zu frisch und ließ Zweifel aufkommen, wie sicher die Daten des Staatsunternehmens in einer amerikanischen Cloud sind.

Denn das mittlerweile gekippte „Privacy Shield“ zwischen den USA und der EU hielt dem möglichen Druck amerikanischer Behörden nicht stand, wenn es heißen sollte, dass die nationale Sicherheit auf dem Spiel steht. Diese aus dem USA Patriot Act, seit 2015 USA Freedom Act, übernommene Klausel verpflichtet US-Unternehmen zur Herausgabe der auf ihren Servern gehosteten Daten. Die Standardverträge, die große Provider wie Amazon, Microsoft und Google mit Kunden in Europa abgeschlossen hatten, waren damit unzureichend.

 

IT-Sicherheit und Datenschutz waren laut Koenen ganz besonders im Fokus. Die Deutsche Bahn setzt daher auf eine „harte Verschlüsselung“, um neugierige Blicke der US-Dienste abzuwehren. Nur die Bahn habe den Schlüssel und nicht die Provider, betont die IT-Chefin. Außerdem setzt die in 100 Prozent Staatsbesitz befindliche Deutsche Bahn AG ausschließlich auf europäische Rechenzentren in Frankfurt und den Niederlanden.

Kein deutscher Partner

Um sich nicht von einem Provider abhängig zu machen, eine Gefahr, die Koenen durchaus sieht, verfolge die Deutsche Bahn eine Multi-Cloud-Strategie. Demnach kommen sowohl AWS als auch Microsoft Azure zum Zuge. Mitbewerber aus Deutschland oder Europa gingen aber leer aus. Koenen begründet das damit, dass europäische Anbieter zum Zeitpunkt der Ausschreibung im Vergleich zu AWS und Azure noch Lücken aufwiesen. Ihrer Einschätzung nach habe sich das bis heute noch „nicht ausreichend“ geändert.

Sollte sich das aber ändern, sei „absolut nicht ausgeschlossen“, dass die Deutsche Bahn dann den Cloud Provider wechsele. In die europäische und deutsche Cloud ist seit einigen Jahren sehr viel Bewegung hineingekommen, weil viele deutsche Unternehmen im Lande oder zumindest in Westeuropa gehosteten Daten mehr vertrauen und verstärkt auf Managed Cloud Services wie die von All for One setzen. US-Provider wie Microsoft, die Rechenzentren in Europa betreiben, profitieren ebenfalls davon.

Cloud für den Mittelstand

Neben Konzernen wie die DB verlagern auch immer mehr Mittelständler ihre IT in die Cloud. Interessierte IT-Entscheider und CIOs sollten sich dafür aber unbedingt einen erfahrenen Partner mit an Bord holen. Die All for One Group aus Filderstadt bei Stuttgart berät und unterstützt Mittelständler auf dem Weg in die Cloud.

Welche sechs Herausforderungen Sie bei einer Cloud Transformation unbedingt auf dem Schirm haben sollten, erfahren sie in unserem Expertenbeitrag.

Quelle: Titelbild pixabay, holzijue