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24.09.2018 – Lesezeit: 3 Minuten

Technologie / Marketing, Vertrieb und Service

Automatisiertes Einkaufen - Trenderscheinung oder Zukunftsvision?

Kühlschränke, die automatisch Milch nachbestellen, sobald sie merken, dass die Vorräte ausgehen, sind schon seit Jahrzehnten in der Diskussion. Wirklich durchgesetzt haben sich die smarten Küchenhelfer bislang aber noch nicht. Durch intelligente Systeme wie Alexa kann die Automatisierung nun Realität werden.

Ein großer Schluck warmer Kakao, ein kurzer Biss ins belegte Frühstücksbrot und ein Glas frischer Saft, bevor es in die Schule geht. Kein umständlicher Weg zum Supermarkt, kein Stöbern in den Regalen, kein lästiges Warten an der Kasse: Die 16-jährige Anna-Lena ist - wie viele Jugendliche - offen für automatisierte Bestellungen und nutzt ihre Zeit lieber für die wichtigen Dinge des Lebens.

Studie des ECC Köln

Das ECC (ehemals E-Commerce Center Handel) Köln, eine Abteilung des Instituts für Handelsforschung der Universität Köln, hat gemeinsam mit SAP Customer Experience in der Studie „Automatisiertes Einkaufen – Hit oder Hype im Handel?“ ausführlich untersucht, wie es um die Akzeptanz deutscher Verbraucher für automatisiertes Einkaufen steht.

Grundsätzliches besteht eine große Bereitschaft zum Onlineshopping, weil viele Verbraucher nicht an der Kasse eines Supermarktes anstehen oder Getränkekisten tragen möchten. 30 Prozent der Befragten würden gerne weniger Zeit für den Einkauf alltäglicher Produkte aufwenden und 19 Prozent finden, dass der Einkauf zu viel Zeit kostet. 80 Prozent der Jugendlichen wollen kumuliert über alle Produktgruppen hinweg automatisiert einkaufen, bei Erwachsenen ist es immerhin mehr als die Hälfte. Jugendliche bevorzugen dabei Produkte, zu denen sie bereits Bezug haben.

Studie des ECC gemeinsam mit SAP Customer Experience über Automatisiertes Einkaufen.
Fast die Hälfte der Studienteilnehmer möchten gerne vor der Bestellung noch einmal zur Produktanzahl befragt werden (Datenquelle: SAP)

40 Prozent der Befragten können sich vorstellen, Abonnements von Gütern des täglichen Bedarfs mit immer gleichen Produkten wie beispielsweise Windeln oder Rasierklingen abzuschließen. Wirklich genutzt wurden die Abos allerdings erst von neun Prozent der Befragten. Besonders gefragt sind automatisierte Bestellsysteme beim Kauf von Haushaltspapier und Waschmittel. Auch Kaffee, Putzmittel, Rasierklingen oder Duschgel sind bei Erwachsenen beliebt. Die Favoriten der Jugendlichen sind Softdrinks und Schokolade.

Schuster, bleib bei deinem Leisten!

Für automatisierte Nachbestellungen eignen sich jene Produkte, bei denen Deutsche besonders markentreu sind und deshalb immer identisch kaufen – beispielsweise Waschmittel, Shampoo oder Deo. Fast 90 Prozent der Befragten geben an, sich bei Fast Moving Consumer Goods (FMCG = Konsumgüter mit häufigem Ersatzbedarf), immer für gleiche Marken und Varianten zu entscheiden. Insbesondere der Faktor Zeit spielt eine große Rolle. Beinahe 50 Prozent der befragten Konsumenten können sich automatisiertes Shopping vorstellen, um den Einkauf alltäglicher Produkte zu verkürzen.

Frauen präferieren im Vergleich zu Männern eher gleiche Marken oder Varianten und standardisieren dadurch ihren Einkauf. So sparen sie Zeit und meistern den Spagat zwischen Beruf und Familie, der oft nötig ist, besser. Das Automatisierungspotenzial ist also nicht allein von den angebotenen Produkten abhängig, sondern auch von der Zielgruppe. Händler sollten neben den angebotenen Produkten auch die Struktur der eigenen Kunden im Blick haben, um das Automatisierungspotenzial abzuschätzen.

Kaffee, Softdrinks und Rasierklingen sind prädestiniert für automatisierte Bestellungen, denn hierbei sind Konsumenten auf Marken und bestimmte Varianten festgelegt und können den Nutzen automatisierter Nachbestellungen bereits erkennen. 62 Prozent aller Frauen bevorzugen beispielsweise eine bestimmte Marke von Rasierklingen und 56 Prozent haben eine Vorliebe für gewisse Softdrinks. Bei den Männern ist die Markenloyalität deutlich geringer.

Kontrolle behalten

Vollständig automatisch möchten die Verbraucher jedoch nicht bestellen. Sie möchten die Kontrolle behalten und über eine App, einen Sprachbefehl oder einen Knopfdruck die Bestellung auslösen. Lediglich fünf Prozent können sich für einen vollautomatischen Bestellvorgang begeistern. Darüber hinaus möchten die meisten Nutzer auch bestimmte Veränderungen vor den Bestellungen vornehmen. So gaben 46 Prozent der Befragten an, dass sie gerne vor jeder Bestellung zur Produktanzahl erneut gefragt werden wollen.

Für wen eignet sich automatisiertes Einkaufen?

Anbieter von Online-Lieferungen müssen mit einfacher Handhabung und kontrollierbarer Umsetzung überzeugen, um Hemmschwellen abzubauen. Aktuell ist die Wahrnehmung der Konsumenten nämlich noch kritisch: Zwar werden die Systeme der automatisierten Bestellung als praktisch angesehen, allerdings fehlt hier aktuell noch das nötige Vertrauen. Nicht so Anna-Lena. Sie fühlt sie gut auf die Zukunft vorbereitet – auch was ihren künftigen Arbeitsplatz betrifft?! Automatisierung wird auch in der mittelständischen Industrie immer wichtiger. Wie sie die Arbeitswelt von morgen beeinflusst oder sogar komplett verändert, erfahren Sie hier.

Quellen: Titelbild iStock, AJ Watt / Grafik Evernine GmbH