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22.07.2019 – Lesezeit: 3 Minuten

Prozesse / Human Resources

Arbeitszeitregelung: Wie lange dürfen Mitarbeiter schuften?

Die Arbeitszeit in Deutschland ist länger als die Tarifpartner vereinbart haben. Von der 38,5 Stundenwoche bleibt meist nicht viel übrig. Dabei verzichten immer mehr Unternehmen auf eine Tarifbindung.

Für rund 43 Prozent der westdeutschen und 56 Prozent der ostdeutschen Arbeitnehmer gab es im Jahr 2017 keinen Tarifvertrag. Die meisten nicht tarifgebundenen Unternehmen lehnen sich zwar an Tarifverträge an, aber nicht in allen Punkten und die Arbeitszeit gehört dazu.

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Seit 1978 besteht in der Stahlindustrie die 38,5 Stundenwoche. Ende Mai 2019 wurde in den Sana-Kliniken auch in den neuen Bundesländern die Arbeitszeit von 38,5 Stunden wie im Westen durchgesetzt. Häufiger ist allerdings die entgegengesetzte Entwicklung: Demnach beträgt die reale Arbeitszeit von Vollzeitbeschäftigten laut Arbeitszeitreport Deutschland 2016 der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) 43,5 Stunden.

Gesetzliche Vorgaben

Das 1924 eingeführte und immer noch gültige Arbeitszeitgesetz sieht eine Wochenarbeitszeit von maximal 48 Stunden innerhalb von sechs Tagen vor. Im Arbeitszeitgesetz ist die durchschnittliche werktägliche Arbeitszeit einschließlich Arbeitsbereitschaft und Bereitschaftsdienst auf acht Stunden begrenzt, wobei auch die Samstage als Werktage zählen. Die tägliche Arbeitszeit kann auf bis zu zehn Stunden verlängert werden, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten der Durchschnitt von acht Stunden werktäglich nicht überschritten wird.

Wie lange arbeiten Ihre Mitarbeiter wirklich? Ab 50 Wochenstunden: Vorsicht!Falls Ihre Mitarbeiter über einen längeren Zeitraum regelmäßig über 50 Stunden in der Woche arbeiten, sollten bei Ihnen also die Alarmglocken läuten. Im härtesten Fall können für Sie als Arbeitgeber Bußgelder von bis zu 15.000 Euro oder sogar eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr die Folge sein.

Neue EuGH-Regelung

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat in einem Urteil am 14. Mai 2019 entschieden, dass künftig Arbeitgeber die Arbeitszeit Ihrer Angestellten genau kontrollieren müssen, um die Arbeitnehmer besser zu schützen. Bis dieses Urteil von den einzelnen Mitgliedsstaaten der EU umgesetzt wird, dürfte allerdings noch einige Zeit vergehen.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) lässt erst einmal rechtlich prüfen, ob sich aus dem Luxemburger Richterspruch überhaupt ein Umsetzungsbedarf in Deutschland ergibt. Dennoch sollten Sie bereits Vorbereitungen zur technischen Protokollierung der Arbeitszeiten Ihrer Mitarbeiter treffen, um zu wissen, ob Ihre Mitarbeiter länger arbeiten, als es gesetzlich erlaubt ist.

Gesellschaftliche Realität

Laut Arbeitszeitreport arbeiten Vollzeitbeschäftigte in Deutschland mit durchschnittlich 43,5 Wochenstunden tatsächlich knapp fünf Stunden pro Woche länger als vertraglich vereinbart (38,6 Stunden). Die durchschnittliche tatsächliche Wochenarbeitszeit variiert im Branchenvergleich zwischen 35 und 42 Stunden, was insbesondere auf die unterschiedlichen Anteile an Teilzeit- und Vollzeitbeschäftigten zurückzuführen ist.

Mehr als jeder fünfe Vollzeitbeschäftigte arbeitet mindestens 48 Stunden pro WocheAm längsten gearbeitet wird in der Industrie und im Handwerk, was unter anderem mit der nur wenig verbreiteten Teilzeitarbeit in diesen Bereichen zu erklären ist. Längere Arbeitszeiten und Überstunden gehen häufig mit Termin- oder Leistungsdruck, einer Überforderung durch die Arbeitsmenge sowie dem Ausfallen von Arbeitspausen einher. Mit zunehmender Länge der Arbeitszeit sinkt die Zufriedenheit der Beschäftigten und gesundheitliche Beschwerden treten häufiger auf. Bereits ab zwei Überstunden nehmen insbesondere körperliche Erschöpfung und Schlafstörungen zu.

Unterschiede in den Branchen

Im Branchenvergleich weisen die Wasser-, Abwasser- und Abfallwirtschaft (41,8 Wochenstunden), die Energiewirtschaft (41,7 Wochenstunden), das Baugewerbe (41,6 Wochenstunden), Verkehr und Lagerei (41,3 Wochenstunden) sowie die Land- und Forstwirtschaft (41,1 Wochenstunden) die längsten Arbeitszeiten auf.

Im Bereich Kunst, Unterhaltung und Erholung (35,4 Wochenstunden), im Handel (35,6 Wochenstunden), in den sonstigen Dienstleistungen (36,1 Wochenstunden), im Gesundheits- und Sozialwesen (36,5 Wochenstunden) sowie im Gastgewerbe (36,7 Wochenstunden) sind die durchschnittlichen Arbeitszeiten am kürzesten.

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Quelle: Titelbild iStock, Sezeryadigar / Frau mit Laptop unsplash, Maria Agudo Lopez / Grafik Mittelstand Heute, Grundlage: baua-Studie