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13.02.2019 – Lesezeit: 3 Minuten

Human Resources / Impulse

Arbeit 4.0: Viele Vorgesetzte überschätzen sich

Im Zuge der digitalen Revolution sollten sich Führungskräfte neu erfinden, um ihre Mitarbeiter zu begeistern und in eine gemeinsame Zukunft zu führen. Derzeit herrschen allerdings immer noch starre Hierarchien, und Vorgesetzte holen bei ihren Mitarbeitern nicht genügend Feedback ein.

Die Trendbegriffe New Work und Arbeit 4.0 schicken sich an, eine schöne neue Arbeitswelt zu schaffen. Digitalisierung und neue Technologien sollen das Arbeiten völlig neu gestalten, jedoch deckt eine Studie von Kienbaum starke Differenzen zwischen Führungskräften und Angestellten in der Bewertung dieses Konzeptes auf.

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Das angestrebte Ideal eines agilen Unternehmens durch die Schaffung neuer Arbeitsstrukturen skizziert Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender Daimler. Es gehe darum, Mitarbeiter – die nicht in strikte Hierarchien eingebunden sind – für bestimmte Themen zu verknüpfen. „Sie agieren unabhängig von Abteilungsgrenzen sehr autonom vernetzt, und das ist dann keinesfalls auf einzelne Projekte beschränkt, sondern eine dauerhafte Sache“, so Zetsche.

Vorgesetzte insgesamt offener

Generell stehen Führungskräfte der neuen Arbeitswelt offener gegenüber, während ihre Mitarbeiter eher skeptisch sind. Die zunehmende Digitalisierung und die Einführung neuer Technologien sorgt für große Umwälzungen in Unternehmen. Kienbaum ist der Meinung, dass Führungskräfte die Leistung ihrer Mitarbeiter entscheidend positiv beeinflussen können. Flache Hierarchien haben sich in der Realität aber nur zum Teil durchgesetzt: 63 Prozent der Führungskräfte und 68 Prozent der Fachkräfte geben an, dass ihr Unternehmen nach wie vor stark hierarchisch ist. Dabei gibt es starke Unterschiede zwischen einzelnen Branchen: Werbung, Marketing und PR haben flache Hierarchien bereits weitgehend umgesetzt, während im öffentlichen Dienst immer noch das Prinzip Befehl und Gehorsam vorherrscht.

Grafik: So schätzen Chefs ihre Organisationsstruktur ein

Trend Selbstverwirklichung

Der zunehmende Trend geht hin zur Wissensgesellschaft, in der sich Experten selbst verwirklichen wollen. Kienbaum rät: „Organisationen in der digitalen Revolution kann so nur empfohlen werden, starre Strukturen aufzubrechen, um den Weg für mehr Agilität, Eigenverantwortung und -initiative zu ebnen.“ Das derzeitige Arbeitsumfeld wird allerdings von Führungs- und Fachkräften stark unterschiedlich erlebt. 36 Prozent der Führungskräfte arbeiten nach eigener Aussage flexibel, während es bei den Fachkräften nur 16 Prozent sind. Immerhin vier von fünf Fachkräften empfinden ihre Arbeit aber generell als sinnhaft. Das Vorurteil, dass vor allem Jüngere ihre Arbeit sich in der Arbeit selbst verwirklichen, trifft laut Kienbaum nicht zu. Im Gegenteil sind eher ältere Fachkräfte überzeugt, dass ihre Arbeit sie selbst und das Unternehmen voranbringt.

Junge Mitarbeiter wünschen sich mehr Selbstverwirklichung am Arbeitsplatz

Jeder Zweite ist unzufrieden

Verheerend wird das Bild, wenn nach der Bindung an das eigene Unternehmen gefragt wird. 54 Prozent der Fachkräfte haben Kündigungsabsichten, und nur knapp die Hälfte ist mit ihrer Arbeit zufrieden. Aktives Commitment, also die Identifikation zur Organisation und deren Zielen, zeigen lediglich ein Drittel der Fachkräfte. Hieraus ergibt sich ein starkes Argument für Arbeit 4.0 und flache Hierarchien, denn laut Kienbaum können sich Fach- und Führungskräfte, die mit einem hohen Maß an Flexibilität innerhalb der Organisation arbeiten, mehr mit dem Unternehmen identifizieren und sie sind zufriedener.

Kienbaum konstatiert, dass die Selbst- und Fremdwahrnehmung des Führungsverhaltens sich erheblich unterscheidet. Führungskräfte überschätzen sich besonders im Hinblick auf Führung, die das Unternehmen transformiert und dabei ethisch und strategisch ist. Die Unternehmensberatung rät dazu, dass Vorgesetzten sehr viel stärker ihre Mitarbeiter anhören und deren Feedback einholen sollten. Dieter Zetsche sieht eine Schwarmorganisation als Modell der Zukunft, um effizienter zu arbeiten. In heutigen Zeiten müssten Unternehmen wie Start-ups agieren, die neugierig der Zukunft entgegenfiebern.

Welche Umgebungen konzentriertes Arbeiten fördern, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Quellen: Titelbild pixabay, nastya_gepp / Grafik Organisationsstruktur Evernine / Junger Business-Mann pixabay, StartupStockPhotos