27.01.2021 – Lesezeit: 3 Minuten

Geschäftsführung / Impulse

Arbeit 2021: „New Work wird zu New Normal“

Die zunehmende Mobilität am Arbeitsplatz führt zu weniger Mobilität auf allen Verkehrswegen, „New Work wird zu New Normal“ und 2021 noch demokratischer, partizipialer und transparenter, sagt Jutta Rump, Professorin für internationales Personalmanagement in einem Interview.

Als der deutsch-amerikanische Philosophie Professor Frithjof Bergmann um 1980 den Begriff New Work prägte, hatte er vor dem Hintergrund der zunehmenden Automatisierung und Industrialisierung zwar vorrangig an Auswege aus der Knechtschaft der Lohnarbeit gedacht. Aber die zentralen Werte der von ihm begründeten Bewegung von Selbständigkeit, Handlungsfreiheit und Teilhabe sind auch wichtige Elemente des New Work, wie es heute verstanden wird.

„Partizipation und Demokratisierung sowie Transparenz sind Merkmale von Führung in New Work“, so Jutta Rump, Professorin für internationales Personalmanagement und Direktorin des Instituts für Beschäftigung und Employability (IBE) in Ludwigshafen.

Dreifache Transformation der Arbeitswelt

„New Work wird zu New Normal beziehungsweise New Work wird in New Normal einfließen, denn New Normal ist mehr als New Work“, verrät sie in einem Interview zum Thema Arbeiten 2021. New Normal ist für sie, dass die Arbeitswelt mit drei Arten der Transformation umgehen und sie mitgestalten muss. Dabei spricht sie von der digitalen, ökonomischen und ökologischen Transformation sowie von den drei limitierenden Faktoren Zeit, eingeschränkte finanzielle Möglichkeiten und Fachkräftemangel.

Auf die Frage, ob wir uns auf Arbeitsplatzabbau einstellen müssen, sagt sie, dass die digitale, ökonomische und ökologische Transformation Personalanpassungsprozesse auslösen werden. Auf der anderen Seite werde die Demographie zusammen mit der Digitalisierung zu Nachwuchs- und Fachkräfteengpässen führen.

Agile Arbeits- und Organisationsformen immer wichtiger

Als Antwort auf die zunehmende Komplexität und Dynamik sowie dem fortgesetzten Innovationsdruck werden agile Arbeit- und Organisationsformen ihrer Meinung nach in den Vordergrund rücken. Wo möglich, würden auch hybride Arbeitsmodelle entstehen – mit flexiblen Arbeitszeiten und mobilen beziehungsweise remote Arbeitsplätzen (Stichwort Homeoffice). Die Kommunikation und Zusammenarbeit im Team und im Unternehmen wird sich mehr und mehr stationär und virtuell vermischen. Die Folge werden weniger Geschäftsreisen sein. Somit führe „die Zunahme der Mobilität am Arbeitsplatz zu einer Abnahme der Mobilität auf der der Straße, der Schiene und in der Luft“, so Rump.

Den Führungsstil von New Work sieht sie geprägt von Partizipation, Demokratisierung und Transparenz. Bei New Normal kommt für sie als weiteres Spannungsfeld „Partizipation versus Krisenstab“ hinzu.

Junge Generation leidet besonders unter der Krise

Was die Corona-Pandemie angeht, denkt die Professorin Rump, dass Berufseinsteiger und Young Professionals besonders darunter leiden. Denn in dem Bewusstsein aufgewachsen, dass sie als Nachwuchskräfte gesucht und geschätzt sind, ist jetzt für viele von ihnen unklar, wann die Unternehmen wieder den roten Teppich für sie ausrollen werden. Damit haben sie nicht gerechnet, so Rump, umso schockierender seien für sie die aktuellen Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt.

Doch Corona hat der Wissenschaftlerin zufolge nicht nur Schlechtes bewirkt, sondern auch ein Umdenken und den Zwang zum Neuverhandeln. Erstaunt ist sie von dem Tempo und dem Ausmaß staatlicher Unterstützung. Enttäuscht ist sie, dass mit Corona auch die Gender Balance wieder aus dem Ruder läuft und tradierte Rollenmuster zurückkehren. Denn: „Die drei H’s – Homeoffice, Home Schooling und Haushalt – sind weiblich“, so die Professorin für internationales Personalmanagement.

Remote Work wird zum Erfolgsmodell

Was in dem Interview nicht zur Sprache kommt, ist das Erstaunen darüber, wie schnell und weit sich die deutschen Unternehmen nach Ausbruch von COVID-19 und dem darauffolgenden Lockdown erfolgreich dem Thema Homeoffice und Remote Work geöffnet haben. Homeoffice oder Remote Work wird somit zum Erfolgsmodell.

Erstaunlicherweise haben unter den großen deutschen Unternehmen die Versicherungskonzerne mit als erste reagiert und das Gros ihrer Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt, obwohl diese doch ständig Umgang mit sensiblen personenbezogenen Daten haben.

Viele mittelständische Unternehmen sind trotz mancher mentalen und technischen Anfangsschwierigkeiten – auch mit Hilfe von All for One – sehr bald gefolgt und haben Remote Work für sich und ihre Mitarbeiter entdeckt. Und nachdem Siemens Mitte 2020 verkündete, 140.000 Mitarbeitern oder fast der Hälfte der weltweiten Belegschaft auch nach COVID-19 dauerhaft flexibles Arbeiten zu ermöglichen, hat auch das Schule gemacht in Deutschland. So zitierte das Handelsblatt Ende 2020 eine Umfrage des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) und der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP), dass die Homeoffice-Befürworter in dem Jahr von 42 auf 71 Prozent gestiegen ist. Mehr als die Hälfte der befragten Führungskräfte gab an, dass die Leistung ihrer Mitarbeiter im Homeoffice gleichgeblieben ist. Mehr als 30 Prozent von ihnen berichteten sogar von einer Produktionssteigerung.

Homeoffice, ob dauerhaft wie in der Coronakrise oder als Option für danach, ist natürlich nicht alles, wenn es um Remote oder New Work geht, oder das New Normal, das Prof. Rump in die Debatte bringt. Neben den technischen Voraussetzungen wie Microsoft 365 und Teams für die zeit- und ortsunabhängige Kommunikation und Kooperation (oder Collaboration) ist auch wichtig, an dem Mindset im jeweiligen Unternehmen zu arbeiten. An die Stelle von Kadergehorsam oder des Patriarchen, der alles zu sagen hat und nichts aus der Hand gibt, tritt heute ein neuer, agiler Führungsstil mit kurzen Entscheidungswegen. All for One baut daher unter dem Themenschwerpunkt „New Work“ nicht nur die technischen Brücken, sondern berät Unternehmen zusammen mit der Managementberatung Allfoye auch bezüglich Change Management und agiler Methoden. So wird New Work für die Kunden tatsächlich zu dem New Normal, wie Prof. Rump es ausdrückt.

Quelle: Titelbild iStock, julief514